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Diabetes: Dieser Risikofaktor begünstigt Herz-Kreislauf-Erkrankungen

von Adriana Schellander Posted on 10.07.2023 11:5906.07.2023 10:06

Diabetes gilt als eine der häufigsten Stoffwechselerkrankungen. Die Krankheit verursacht in vielen Fällen nicht nur zahlreiche Beschwerden wie allgemeine Erschöpfung, Gewichtsveränderungen und Sehstörungen, sondern erhöht darüber hinaus das Risiko Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu entwickeln – insbesondere bei ungesunder Ernährung, mangelnder Bewegung, Tabakkonsum und Depressionen. Forscher identifizierten nun einen weiteren Risikofaktor für kardiovaskuläre Krankheiten bei Diabetikern.

Einsamkeit als Gesellschaftsphänomen

Im Rahmen einer aktuellen Studie untersuchten Mediziner der amerikanischen Tulane University School of Public Health and Tropical Medicine, wie Einsamkeit und soziale Isolation das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung bei Diabetikern beeinflusst. „Einsamkeit und soziale Isolation sind in der heutigen Gesellschaft weit verbreitet (…), insbesondere aufgrund der COVID-19-Pandemie und der fortschreitenden Digitalisierung der Gesellschaft“, erläutert das Forschungsteam. Die Experten vermuteten, dass sich dieser Umstand negativ auf die Herzgesundheit auswirken könnte. Daher lancierten die Mediziner ein neues Forschungsprojekt, an dem sich insgesamt 18.509 Erwachsene im Alter von 37 bis 73 Jahren beteiligten, die bereits zu Studienbeginn eine Diabeteserkrankung aufwiesen, aber unter keiner Herzerkrankung litten.

Angaben zu Einsamkeit und sozialer Isolation erfasst

Zunächst beantworteten die Versuchsteilnehmer verschiedene Fragen zu erlebter Einsamkeit und Isolation. Im Anschluss werteten die Experten die Fragebögen aus, wobei Hochrisikomerkmale für Einsamkeit mit jeweils einem Punkt erfasst wurden. Dazu zählte unter anderem das Gefühl der Einsamkeit sowie die Empfindung mit niemandem über diese Emotionen sprechen zu können. Sämtliche Faktoren für Einsamkeit wurden auf einer Skala von 0 bis 2 bewertet. Darüber hinaus berücksichtigten die Fachleute Hochrisikofaktoren für soziale Isolation wie mangelnde soziale Aktivitäten, Alleinleben oder seltener Besuch von Familie und Freunden. Hinsichtlich sozialer Isolation konnten somit maximal drei Punkte als Hochrisikofaktoren erreicht werden.

Qualität vor Quantität

Den Forschern zufolge bezieht sich Einsamkeit hauptsächlich auf die mangelnde Qualität sozialer Interaktionen, wohingegen bei Isolation ein genereller Mangel an sozialen Kontakten vorliegt. Da Menschen von Natur aus soziale Wesen sind, benötigen sie sinnvolle Kontakte, um sich körperlich und geistig gesund entwickeln zu können. Hierbei spielen vor allem Familie, Freunde, Nachbarn, aber auch Arbeitskollegen eine bedeutende Rolle. Die reine Anwesenheit anderer Personen reicht jedoch nicht aus, um Einsamkeit entgegenzuwirken.

Erhöhtes Risiko nachgewiesen

Im Verlauf des rund 11-jährigen Nachbeobachtungszeitraums trat bei 3.247 Probanden eine Herz-Kreislauf-Erkrankung auf. Insgesamt erfassten die Mediziner 701 Schlaganfälle und 2.771 koronare Herzkrankheiten, wobei sich bei gewissen Versuchsteilnehmern beide Komplikationen manifestierten. Im Anschluss untersuchten die Fachleute eine potenzielle Korrelation zwischen Einsamkeit, Isolation und den neu aufgetretenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Hierbei stellte sich heraus, dass jene Probanden, welche die niedrigsten Einsamkeitswerte aufwiesen, ein um 11 Prozent geringeres Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten hatten als Versuchsteilnehmer, die einen Punkt auf der Risikoskala für Einsamkeit verzeichneten. Ab zwei Punkten erhöhte sich das Erkrankungsrisiko der Probanden um 26 Prozent im Vergleich zu Versuchspersonen mit dem niedrigsten Einsamkeitswert.
Zudem gelangten die Fachleute zu der Erkenntnis, dass Einsamkeit auch andere Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigt: So wiesen einsame Patienten tendenziell einen hohen Blutdruck, schlechte Nierenwerte sowie einen erhöhten Cholesterinspiegel auf und neigten eher zu Tabakkonsum.

Soziale Kontakte als Präventivmaßnahme

Angesichts der gewonnenen Erkenntnisse empfiehlt das Forschungsteam Diabetikern, die von Einsamkeit betroffen sind im Rahmen von Gruppenaktivitäten vermehrt mit Menschen in Kontakt zu treten und zu versuchen Freundschaften zu schließen. Außerdem könne es sinnvoll sein, Diabetiker im Zuge der Therapie zu ihrem Sozialverhalten zu befragen, um herauszufinden, ob sie unter Einsamkeit leiden. In diesem Fall könnten Betroffene zusätzlich von psychosozialen Dienstleistern betreut werden, was sich positiv auf deren Herzgesundheit auswirken würde.

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