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Das nächtliche Stimmungstief – Warum sorgen wir uns nachts?

von Laura Gerl Posted on 18.10.2022 11:1917.10.2022 15:00

Fast jeder kennt es: Man liegt nachts wach und die Gedanken kreisen. Negative Emotionen werden in der Nacht oft viel stärker wahrgenommen, als sie tagsüber noch schienen. Dies betrifft nicht nur Menschen, welche unter Depressionen leiden. Doch warum treten solche Stimmungstiefs eigentlich vermehrt nachts auf und scheinen uns so viel bedrückender als sonst?

Hormone beeinflussen die Stimmung

Für dieses Phänomen sind vor allem die Hormone Cortisol und Melatonin verantwortlich. Melatonin, auch Schlafhormon genannt, wird vom Gehirn bei Dunkelheit ausgeschüttet. Es trägt dazu bei, dass man nachts zur Ruhe kommt und steuert daher den Tag-Nacht-Rhythmus. Im Gegensatz dazu hält das Stresshormon Cortisol wach und wirkt stimmungsaufhellend. Die beiden Hormone funktionieren somit in einem Wechselspiel: Steigt das Cortisol an, so verringert sich das Melatonin – und andersrum.

Mitten in der Nacht ist Melatonin in großen Mengen vorhanden, während das Stresshormon Cortisol seinen Tiefpunkt erreicht. Der Körper läuft dann auf „Sparflamme“ und befindet sich in einem generellen Leistungstief. Üblicherweise ist Müdigkeit die Folge, weswegen man nachts auch schläft. Befindet sich der Organismus aufgrund der erhöhten Melotoninkonzentration jedoch nicht in dieser Ruhephase sondern im Wachzustand, dann kann dies einen negativen Einfluss auf die Laune haben – Grübelgedanken und schlechte Stimmung sind die Folge.

Vergleichbar wäre eine Winterdepression. Da untertags weniger Sonnenlicht verfügbar ist, bleibt auch der Melatoninspiegel höher. Es kann somit zu Stimmungsschwankungen und depressiven Verstimmungen kommen.

Für ausreichend Nachtruhe sorgen

In der Nacht signalisiert der Körper, dass er schlafen will. Liegt man stattdessen wach, so wird meist der negative Effekt des erhöhten Melatonins bemerkbar. Die Dunkelheit und mangelnde Ablenkung unterstützen das vermehrte Entstehen von Gedanken und Sorgen. Es muss nicht sofort eine Schlafstörung sein, wenn solche Gedankenkreise entstehen. Allerdings kann es helfen, seine Gedanken vor dem Schlafengehen aufzuschreiben, um einen klaren Kopf zu bekommen. Bei zunehmend negativen Gedanken kann auch einfach mal innegehalten werden und stattdessen Dinge aufgezählt, für die man dankbar ist. Koffein, Zucker und Alkohol vor dem Zubettgehen sollten gemieden werden, sie lassen den Corisolwert nämlich wieder ansteigen und verhindern so die ausreichende Produktion des Schlafhormons.

Schlafstörungen nicht unterschätzen

Dass negative Gedanken vermehrt nachts vorkommen, hat erst einmal nichts mit einer ernstzunehmenden Problematik zu tun. Es kann hin und wieder zu Schwierigkeiten beim Ein- und Durchschlafen kommen, was meist völlig normal ist. Bei nahezu allen Menschen kann es zu Schlafschwierigkeiten während besonders belastenden Situationen kommen. Treten diese aber jede Nacht auf und sorgen für Müdigkeit auch untertags, so kann es sich um eine tatsächliche Schlafstörung handeln. Langanhaltende Schlafstörungen können die körperliche Gesundheit sowie die seelische Stabilität stark beinträchtigen. Das Immunsystem wird geschwächt und sie kann sogar ein möglicher Auslöser der Zuckerkrankheit sein. Psychische Krankheiten wie Depressionen können darüber hinaus als Folgeerscheinungen auftreten. Bei einer langanhaltenden Insomnie (Schlafstörung) sollte eine ärztliche Beratung deshalb dringend in Erwägung gezogen werden, um dieser entgegenzuwirken und vor schlimmeren Folgen zu bewahren.

Der Grund, warum Gedanken und Sorgen nachts viel gravierender erscheinen, hat also meist einfach nur mit den Hormonen zu tun. Falls es sich um keine ernstzunehmende Schlafstörung handelt, gibt es daher erstmal keinen Grund zur Sorge. Gewisse Techniken können das Ein- und Durchschlafen erleichtern, um die Gedankenkreise so gut wie möglich zu vermeiden.

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