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Depressionen, Angst, Schlafstörungen: Können Therapiedecken helfen?

von Susanne Danninger Posted on 24.04.2023 11:1324.04.2023 11:14

Angststörungen, Depressionen und Schlaflosigkeit: Seit Ausbruch der COVID-19 Pandemie steigen die Zahlen der psychischen Erkrankungen stetig an. Besonders betroffen sind davon Jugendliche und Frauen. Weil aber die Kapazitäten der psychiatrischen Einrichtungen nicht ausreichen, sind leicht zugängliche Behandlungen gern gesehen. Dazu zählen auch Therapiedecken – sie sollen das Ein- und Durchschlafen erleichtern sowie Angstzustände minimieren. Doch bessern die speziellen Decken auch tatsächlich die Symptome der Erkrankten?

Gewichtsdecken bei Autismus und ADHS

Ein charakteristisches Merkmal der therapeutischen Decken ist ihr höheres Gewicht, welches individuell angepasst wird und zwischen fünf und elf Kilogramm variiert. Die Bettdecken sind innen mit Glas- oder Plastikperlen gefüllt und waren ursprünglich für autistische Kinder gedacht. Ein messbarer Effekt auf den Alltag der Probanden konnte in Studien dabei aber nicht festgestellt werden. Trotzdem gaben Eltern und Kinder an, die schwere Decke zu bevorzugen. Auch Personen mit ADHS und Autismus-Spektrum-Störungen bemerken, dass sich ihr Schlaf durch das Hilfsmittel verbessert. Sie benötigen weniger Zeit einzuschlafen und wachen nachts seltener auf. Diese Tatsache ließ sich auch in einer weiteren Studie bestätigen. Allerdings wurde hierbei nur die subjektive Wahrnehmung der Betroffenen untersucht – objektiv messbare Ergebnisse liefert die Studie nicht.

Weniger Schlafmittel notwendig

Um auch objektive Daten zu Therapiedecken zu erhalten, hat man in Schweden 1.785 Personen mit psychiatrischen Diagnosen ein Jahr lang untersucht. Alle Teilnehmenden bekamen eine Gewichtsdecke zur täglichen Anwendung. Ihr Schlafverhalten wurde nach Ablauf des Zeitraums mit der individuellen Ausgangslage verglichen. Dabei kam heraus: Die Anzahl der Personen, die ohne Schlafmittel auskamen, stieg durch Anwendung der Therapiedecken um 3,3 Prozent. Auch die Verschreibung von Benzodiazepinen ging um 5,5 Prozent zurück.
Allerdings profitieren nicht alle Probanden gleichermaßen von den Decken: Insbesondere für Personen mit Angststörungen und ADHS scheint der Gebrauch am sinnvollsten. Patienten mit psychotischen oder bipolaren Störungen ziehen hingegen kaum einen Nutzen aus der Anwendung.

Hilfe bei chronischen Schmerzen

Nicht nur bei psychiatrischen Störungen werden die Decken eingesetzt: In einer Studie aus den USA hat man ihre Anwendung bei chronischen Schmerzpatienten untersucht. Schon länger ist bekannt, dass sich erhöhter Druck positiv auf akute Schmerzen auswirkt. Welchen Effekt das zusätzliche Gewicht einer Therapiedecke auf chronische Schmerzen hat, war bis dato noch unklar. Die amerikanische Studie ergab nun tatsächlich: Im Vergleich zu herkömmlichen Decken konnte durch die therapeutischen Decken eine Linderung der Symptome erzielt werden. Dabei scheint ein Gewicht von 6,8 Kilogramm die Schmerzen am effektivsten zu reduzieren. Jedoch nahmen an der Studie nur wenige Probanden teil, was die Aussagekraft der Ergebnisse beeinträchtigt.

Mehr Melatonin durch Therapiedecken

Obwohl bisherige Studien stets nur einen kleinen Umfang aufwiesen und die objektive Messbarkeit der Daten erschwert ist, genießen die Decken weiterhin einen guten Ruf. Eine der Eigenschaften, die ihnen zugeschrieben wird, ist die vermehrte Ausschüttung von Melatonin und Oxytocin im Körper. Tatsächlich ließ sich in einer Untersuchung von Speichelproben feststellen, dass bei Verwendung der Therapiedecken mehr Melatonin ausgeschüttet wird. Der Effekt für das Kuschelhormon Oxytocin war hingegen kaum bis nicht nachweisbar. Die an der Untersuchung beteiligten Forscher sind der Meinung, dass es noch weitere Studien benötigt: Diese sollten über einen längeren Zeitraum laufen und deutlich mehr Personen miteinschließen.

Kein Ersatz für Therapie

Abschließend findet man für die Anwendung der Gewichtsdecken zwar nur einen geringen messbaren Unterschied im Vergleich zu normalen Decken – doch negative Folgen werden in keiner der Studien beschrieben. Weil viele Personen von einer subjektiven Verbesserung ihres Schlafes sprechen, empfiehlt es sich im Zweifel also der Decke eine Chance zu geben.
Leidet man an Schlafstörungen, Angstzuständen oder Formen einer Autismus-Spektrum-Störung sowie ADHS, kann die Decke Symptome mildern. Trotzdem gilt: Sie ist kein Ersatz für eine Therapie – als Ergänzung kann sie jedoch von Vorteil sein.

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