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Wieso Corona uns schlechter schlafen lässt

von Rike Ohlerich Posted on 19.03.2021 05:1119.03.2021 08:47

Seit gut einem Jahr lebt Deutschland im Ausnahmezustand. Die Pandemie und der Lockdown bringen die Menschen an ihre Grenzen. Ernste psychische Folgen dieser Situation sind absehbar und schon länger bekannt. Jetzt kommen auch noch Schlafstörungen dazu: Viele litten bereits vor der Pandemie an Schlafproblemen, doch nun steigt der Anteil der Betroffenen weiter an. Der Grund dafür liegt vermutlich in der belastenden Gesamtsituation, kombiniert mit Social Distancing und Kontaktbeschränkungen. Schlafforscher haben kürzlich aber herausgefunden, dass dies nicht die einzigen Ursachen sind, denn die Schlafprobleme lassen sich auch direkt auf eine Covid-19-Infektion zurückführen.

Schlafstörungen durch Infektion

Schlafforscherin Dr. Anna Heidbreder zufolge kann es entweder während oder nach einer Covid-19-Erkrankung zu Schlafproblemen kommen. Generell lässt sich festhalten, dass sich das Schlafverhalten vieler Personen während der Pandemie stark verändert hat – teils auf Grund von Sorgen oder Ängsten, aber auch dem veränderten Alltag. Hinzu kommt, dass viele Covid-19-Patienten während des Krankheitsverlaufs und auch danach durch die Infektion enorme Beeinträchtigungen ihres Schlafes erleben, so die Expertin der Medizinischen Universität Innsbruck. Schlafmangel und seine Folgen sorgen wiederum für zusätzliche Belastung im alltäglichen Leben.

Studien zeigen: Schlafprobleme als Folge des Virus

Bereits während der ersten Pandemiewelle wurden Untersuchungen angestellt, die Schlafprobleme als Folge der Viruserkrankung identifizierten. Heidbreder gibt an, dass sich diese Annahme inzwischen vielfach bestätigt habe. Weltweiten Studien und Untersuchungen zufolge sollen Schlafstörungen während und infolge einer Covid-19-Erkrankung keine Ausnahme mehr bilden. „Auch an unserer Ambulanz melden sich immer noch Patientinnen und Patienten, die in Folge einer COVID-Erkrankung schlaflos geworden sind“, so die Forscherin. Dabei zeigt sich die Insomnie hauptsächlich als Einschlafstörung, wobei auch zu frühes Aufwachen oder nicht erholsamer Schlaf Probleme darstellen.

Stressbelastung führt zu Beschwerden

Obwohl die Ursachen für Schlafprobleme vielfältig sind, könne in vielen Fällen eine Verbindung zu einer (vergangenen) Corona-Infektion hergestellt werden. Betroffen sind vor allem ehemals Infizierte, die aufgrund eines schweren Krankheitsverlaufs mit traumatischen Erlebnissen zu kämpfen hatten. „Dies betrifft natürlich Patientinnen und Patienten, die auf einer Intensivstation gelegen haben, aber auch andere mit vermeintlich minder schweren Verläufen“, erläutert Schlafforscherin Heidbreder. Grundsätzlich ist ein häufiger Auslöser für Schlafstörungen eine vermehrte Stressbelastung. Diese kann sich durch sogenannte Arousals (intrinsische Mikro-Weckreaktionen) bemerkbar machen, die als Trauma-Folge eingeordnet werden. Betroffene würden häufig gleichzeitig von Albträumen geplagt. Grund dafür kann eine belastende Ausnahmesituation wie eine Covid-19-Infektion sein, die unterschiedliche Gefühle wie Besorgnis oder Angst hervorruft.

Ist das zentrale Nervensystem beteiligt?

Nicht nur Traumatisierung und Stressbelastung können jedoch für Schlafstörungen verantwortlich sein. In Studien stieß man darauf, dass auch andere Faktoren, wie zum Beispiel das zentrale Nervensystem, beteiligt sein können. Forschende haben bei einer Schlafanalyse von Patienten herausgefunden, dass ein Teil der Betroffenen Auffälligkeiten in der REM-Schlafphase zeigt. REM-Schlaf zeichnet sich durch schnelle Augenbewegungen (rapid eye movement) aus und gilt als die aktive Schlafphase. Im Vergleich dazu ist die non-REM-Schlafphase, auch Tiefschlafphase genannt, erholsamer. Bei einigen Betroffenen sei der Muskeltonus nicht aufgehoben gewesen, wie es normalerweise der Fall ist. Es wurde eher eine vermehrte muskuläre Aktivität festgestellt, was zu der Vermutung führt, dass die SARS-CoV-2-Infektion bei diesen Personen tatsächlich das zentrale Nervensystem in Mitleidenschaft gezogen hat. Da noch keine Langzeitbeobachtungen existieren, bleibt dies aber vorerst nur eine Spekulation, so Dr. Heidbreder.

Auch positive Auswirkungen feststellbar

Selbstverständlich spielen auch Pandemie-bedingte Ängste bei Schlafstörungen eine Rolle. Dazu zählen beispielsweise Existenz- und Zukunftsängste. Die Einschränkung der Bewegungsfreiheit, die mit verminderter Tageslichtexposition verbunden ist, macht den Menschen aktuell zusätzlich zu schaffen. Trotzdem sind nicht bei jedem negative Effekte auf das Schlafverhalten festzustellen. Manche schlafen sogar mehr, weil sie aufgrund des Lockdowns, des Home-Office und der Einschränkungen mehr Zeit dazu haben. „Eine Umfrage von Brigitte Holzinger vom Wiener Institut für Bewusstseins- und Traumforschung und ihrem Team hat genau dies gezeigt: Manche Patientinnen und Patienten konnten endlich besser ausschlafen“, so die Expertin.

Maßnahmen gegen Schlafstörungen

Auch wenn man nicht an Covid-19 erkrankt ist oder war, oder an Pandemie-bedingten Sorgen leidet, kann man natürlich trotzdem von Schlafstörungen betroffen sein. Für diesen Fall hat Dr. Rébecca Robillard, Co-Direktorin des Schlaflabors der School of Psychology an der University of Ottawa, ein paar hilfreiche Tipps: Die Forscherin und ihr Team untersuchten bereits letztes Jahr die Veränderungen des Schlafverhaltens während der Pandemie. Schon kleine Verhaltensänderungen und Gewohnheiten können wirksam sein. Die Schlafforscherin empfiehlt unter anderem:

  • Täglich zur gleichen Zeit aufstehen – auch am Wochenende
  • Sechs Stunden vor dem Schlafengehen kein Koffein, Nikotin oder Alkohol konsumieren
  • Regelmäßige Bewegung, wobei Sport morgens oder nachmittags am besten ist
  • Zwei bis drei Stunden vor dem Schlafengehen einen Spaziergang machen.
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