Waschmaschine sorgt für Vermehrung gefährlicher resistenter Keime in Krankenhaus

Vor einiger Zeit kam es durch eine Waschmaschine in einem Kinderkrankenhaus zu einer Verbreitung von Antibiotika-resistenten Keimen. In dem handelsüblichen Gerät wurden die Kleidungsstücke der Neugeborenen gereinigt. Das Modell kommt auch in Privathaushalten zum Einsatz.

Waschmaschinen können zur Bakterienschleuder werden

Hygieniker der Universität Bonn konnten belegen, dass Antibiotika-resistente Keime über Waschmaschinen verbreitet werden. Einer Mitteilung zufolge wurde dies überprüft, nachdem mehrere Babys in einem Kinderkrankenhaus mit einem Klebsiella oxytoca-Typ infiziert wurden. Zum Glück blieben die Ansteckungen ohne ernste Folgen. Übeltäter war eine gewöhnliche Waschmaschine, mit der die Kleidung der Neugeborenen gewaschen wurde. Auch in Privathaushalten kann es zu solchen Infektionen durch die Waschmaschine kommen.

Im schlimmsten Fall droht eine Sepsis

Auf der Baby-Station des deutschen Kinderkrankenhauses wurde während üblicher Hygienekontrollen vermehrt das Bakterium Klebsiella oxytoca vorgefunden. Dabei handelt es sich um ein Bakterium, das zu Atemwegs- und Magen-Darm-Infektionen führen kann, sowie sogar zu einer lebensgefährlichen Sepsis. Laut Angaben konnten verbreitete Antibiotika nur eingeschränkt oder gar nicht gegen den Erreger fungieren.
Als immer mehr Babys den gefährlichen Keim aufwiesen und intensive Hygieneinterventionsmaßnahmen keinen Erfolg brachten, zog das Krankenhaus zusätzlich das Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit (IHPH) des Universitätsklinikums Bonn für Unterstützung heran. Bei den infizierten Neugeborenen kam es zu keiner bedrohlichen Ansteckung.
Um den Ursprung der Bakterien so schnell wie möglich zu identifizieren wurden mehrere Proben im Patienten- und Personalbereich, sowie an Risikoorten genommen und mit den Proben der Neugeborenen verglichen. Dieses Klebsiella oxytoca-Bakterium war so einzigartig, dass es noch nicht einmal in der Datenbank des Nationalen Referenzzentrums (NRZ) für Gramnegative Krankenhauserreger registriert war. In diesem Fall war dies jedoch ein entscheidender Vorteil, denn so konnte der Verbreitungsweg eindeutig nachverfolgt werden und sichergestellt werden, dass weder die Familien noch das Personal die Überträger waren.

In der Maschine festgesetzt

Das resistente Bakterium war ohne Zweifel im Spülfach und am Türgummi einer Waschmaschine vorhanden. Mit dieser wurden die handgestrickten Socken und Mützen der Neugeborenen auf der Station gereinigt. Über die Kleidungsstücke haben die Keime schließlich die Babys erreicht.
Nachdem die Waschmaschine das Krankenhaus verlassen hatte, wurden keine Neuinfektionen mehr festgestellt. Damit wurde der Klebsiella-Ursprung eliminiert. Bei dem Vorfall handelte es sich um einen Einzelfall. Speziell in Krankenhäusern werden meist besondere Waschmaschinen und Waschprozesse genutzt, die durch hohe Temperaturen und Desinfektionsmittel jegliche Bakterien auslöschen. In manchen Fällen wird auf ausgewiesene Wäschereien zurückgegriffen.
Bei der betroffenen Waschmaschine handelte es sich allerdings um ein ganz gewöhnliches Gerät. Der Fall wurde nun an die Öffentlichkeit gebracht, um das Problem der resistenten Bakterien anzusprechen. Diese gelangen auch in das private Umfeld und können zu einem ernsten Problem werden. Die Erkenntnisse der Gesundheitsexperten durch den Vorfall wurden im Fachjournal „Applied and Environmental Microbiology“ publiziert.

Wäsche lieber heiß waschen

Bei früheren Untersuchungen wurde bereits festgestellt, dass sich Antibiotika-resistente Keime in Waschmaschinen festsetzen können. Es ist allerdings das erste Mal, dass belegt wurde, dass eine Waschmaschine auch zur Übertragung der Bakterien auf den Menschen führen kann. Diese neue Erkenntnis ist auch für den häuslichen Bereich relevant, denn aus ökologischen Gründen wird häufig der Waschgang mit niedrigen Temperaturen weit unter 60 Grad empfohlen. Generell ist dies eine gute Tendenz, da eine Menge Energie eingespart wird und das Klima geschont wird. Sollten jedoch ältere, pflegebedürftige Personen mit offenen Wunden oder Blasenkathetern im Haus leben, sollte bei höheren Temperaturen, wie 60 Grad, gewaschen werden. Auf diese Weise wird die Übertragung von gefährlichen Bakterien verhindert. Dasselbe gilt, wenn Menschen im Haushalt eiternde Verletzungen oder Infektionen aufweisen. Den Hygienikern zu urteilen stellt dies eine neue Herausforderung dar, denn die Zahl der Pflegebedürftigen steigt immer weiter und viele davon werden zuhause betreut.

Auch der Geschirrspüler ist ein Gefahrenherd

Resistente Bakterien können sich nicht nur in Waschmaschinen einnisten, auch Geschirrspüler können betroffen ein. Wissenschaftler der Fakultät Life Sciences der Hochschule Rhein-Waal konnten dies bereits feststellen. Auch hier kann eine höhere Wassertemperatur schützen. Antibiotika-resistente Bakterien können den gewöhnlichen Waschverfahren zwar besser standhalten als andere Stämme, gegen höhere Temperaturen und Waschmittel mit Sauerstoffbleiche haben sie jedoch keine Chance.

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