Cholesterinsenkende Mittel können Osteoporose begünstigen

Immer wieder gab es bereits Kritik darüber, dass Cholesterinsenker (Statine) viel zu leichtfertig verordnet werden. Offenbar zurecht, denn eine neue Untersuchung hat eine Verbindung zwischen der Potenz bzw. Dosierung von Statinen und Osteoporose aufgedeckt. Das österreichische Forschungsteam fand heraus, dass hohe Dosen der Cholesterinsenker das Risiko für Knochenschwund steigern.

Statine erhöhen das Risiko für Osteoporose

Fachleuten zu urteilen zählen Statine zu den am häufigsten verschriebenen Arzneimitteln. Sie sollen den Cholesterinspiegel reduzieren und so kardiovaskuläre Erkrankungen vermeiden. Ihre Nebenwirkungen sind jedoch nicht zu verachten. Wie bei fast allen Medikamenten wird eine sorgfältige Dosierung empfohlen. Die Dringlichkeit dieses Rates zeigt nun eine neue Studie aus Österreich. Wissenschaftler der Medizinischen Universität Wien konnten darlegen, dass es eine Verbindung zwischen der Potenz bzw. Dosierung von Statinen und der Diagnose von Osteoporose gibt. Die Erkenntnis: Je höher die Dosierung, desto größer das Osteoporose-Risiko. Veröffentlicht wurde die aktuelle Studie im Fachblatt „Annals of the Rheumatic Diseases“.

Cholesterinspiegel wird gesenkt

Einer Mitteilung der MedUni Wien zufolge stand bislang die Prävention und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Mittelpunkt der Erforschung von Statinen. Demnach ist wissenschaftlich bewiesen, dass Statin-Behandlungen durch den cholesterinsenkenden Effekt zu einer starken Verringerung des Risikos für kardiovaskuläre Vorfälle führen. Die positiven Resultate von Statinen bei der Prävention und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben bewirkt, dass die Zielwerte von LDL-Cholesterin bei stark gefährdeten Patienten von der Fachgesellschaft auf unter 55mg/dl gesetzt wurden. Jedoch war bisher kaum untersucht worden, inwiefern sich solch niedrige Cholesterin-Konzentrationen auf die Synthese von lebenswichtigen Hormonen wie Sexualhormonen und damit verbundene Erkrankungen wie Osteoporose auswirken.
Statine sorgen allgemein für eine selektive Blockierung der 3-Hydroxy-3Methyl-Glutarat-CoA-Reduktase (HMG-CoA-Reduktase). Dies hat eine limitierte Cholesterin-Synthese zur Folge, sodass eine therapeutische Senkung des Cholesterinspiegels möglich ist.

Niedrige Dosierungen sorgen für weniger Osteoporose-Patienten

Cholesterin ist die Basis für die Synthese von Sexualhormonen wie Östradiol oder Testosteron, jedoch ebenfalls von Mineralo- und Glukokortikoiden wie Aldosteron oder Cortisol. Ältere Untersuchungen haben bereits gezeigt, dass niedrige Konzentrationen von Sexualhormonen maßgeblich für den Anstieg von Osteoporose bei Frauen verantwortlich sind – vor allem die Limitierung von Östrogen in der Menopause ist hier zu nennen. Da niedrige Konzentrationen von Östrogen zu einer erhöhten Knochenresorption führen, nimmt die Knochenmineraldichte ab. Bei Testosteron wurde eine ähnliche Verbindung zu der Knochendichte gefunden.
Auf Grund dieses Wissens wurde von den Wissenschaftlern der Zusammenhang von unterschiedlich potenten Cholesterinsenkern und deren Dosierungen mit der Diagnose Osteoporose analysiert. Aus Daten von mehr als 7,9 Millionen österreichischen Bürgern aus den Jahren 2006 und 2007 wurden diejenigen herausgefiltert, die mindestens ein Jahr lang regelmäßig Statine eingenommen hatten. Dadurch konnte die Forschungsgruppe die tägliche Dosis von Statinen ableiten und verschiedene Dosierungsteams bilden. Bei den Probanden mit niedrigen Dosierungen kam es zu weniger Osteoporose-Fällen, als erwartbar gewesen wäre. Dosierungen bis 10 mg der typischen Wirkstoffe wie Lovastatin, Pravastatin, Rosuvastatin oder Simvastatin gingen mit einem geringeren Risiko einher an Osteoporose zu erkranken, verglichen mit Patienten ohne Statin-Verordnung.
Ab einer Dosierung von 20 mg der üblichen Wirkstoffe kam es jedoch zu einer Vielzahl von Osteoporose-Fällen. Dieses Resultat blieb auch nach der Berücksichtigung von anderen Risikofaktoren wie Übergewicht und weiteren Vorerkrankungen bestehen. Laut den Angaben wurden die neuen Resultate durch eine geschlechtsspezifische Analyse bestätigt.

Fazit

Potenziell könnte es durch die noch bessere Cholesterinsenkung unter hohen Dosierungen von Statinen zu einer potenteren Blockierung der Synthese von Sexualhormonen kommen und dadurch auch zu einer zunehmenden Knochenresorption, was zu einer abnehmenden Knochenmineraldichte führen könnte. Frühere Untersuchungen haben bereits aufgezeigt, wie hilfreich derartig große Datensätze sind, um medizinische Annahmen zu prüfen.
Speziell Hochrisikopatienten für Osteoporose, wie Frauen nach den Wechseljahren, sollten während einer Statin-Therapie demnach unbedingt regelmäßig ihren Knochenstoffwechsel untersuchen lassen. Der Mitteilung zufolge ist man durch die neuen Erkenntnisse dem Ziel einer personalisierten und individualisierten Medizin einen großen Schritt nähergekommen.

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