Augen geben Auskunft über psychische Krankheiten

Die Ursachen von psychiatrischen Störungen werden in vielen Fällen nicht eindeutig diagnostiziert. Häufig stehen selbst erfahrene Psychiater vor einem Rätsel. Dies liegt unter anderem daran, dass viele psychische Erkrankungen vielfältige Symptome aufweisen, die sich teils mit denen anderer Störungen überschneiden. Beispielsweise weist eine enorme Antriebslosigkeit sowohl auf eine Depression als auch auf eine Schizophrenie hin. Eine neue Studie erforschte kürzlich, inwiefern ein Netzhautscreening zu einer besseren Diagnosestellung beitragen kann.

In den Kopf hineinsehen

An einigen Krankheiten des zentralen Nervensystems sind auch die Augen mit beteiligt – darunter Alzheimer, Multiple Sklerose und Parkinson. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Ulm befassten sich deshalb nun mit der Frage, ob die Augen auch Hinweise auf psychische Erkrankungen geben können. Dafür nahmen sie Augenuntersuchungen mit der Optischen Kohärenztomographie (OCT) bei Menschen mit Schizophrenie oder schizoaffektiven Störungen vor. Die Untersuchungsergebnisse wurden in der Fachzeitung „Schizophrenia Research“ veröffentlicht.

Schizophrenie ist eine vielseitige Erkrankung

Schizophrenie ist schwer festzustellen und sehr mannigfaltig. Von Realitätsverlust über Halluzinationen, Wahnvorstellungen, Sprech- und Denkstörungen gibt diverse Symptome. Oft klagen Patienten auch über eine unscharfe Sicht. Nun wurden bei Betroffenen tatsächlich Auffälligkeiten an der Netzhaut entdeckt.
Die Netzhaut oder Retina und der optische Nerv entwickeln sich unmittelbar aus dem Zwischenhirn heraus. Deshalb gilt das Auge in der Medizinforschung auch als „Fenster zum Gehirn“. Die Forscher der Untersuchung haben daher mit einem Bildgebungsverfahren aus der Augenheilkunde geprüft, ob psychische Krankheiten anhand der Augen erkannt werden können.

Veränderte Netzhautschichten durch Schizophrenie

Die Wissenschaftler griffen auf optische Kohärenztomographie zurück. Dabei handelt es sich um ein nichtinvasives dreidimensionales Bildgebungsverfahren, mit dessen Hilfe Dicke und Volumen der Netzhautschichten ermittelt werden können. Insgesamt wurde die Methode bei 26 Ulmer Schizophrenie-Patienten und Personen mit schizoaffektiven Störungen angewandt. Danach wurden die Scans mit denen der gesunden Kontrollgruppe verglichen, welche bezüglich Faktoren wie Alter und Geschlecht ähnlich aufgestellt war.
Im Rahmen der Analyse wurde bei den Probanden erstmals eine hoch aufgelöste Einzelschichtanalyse der Netzhaut durchgeführt. Das eindeutige Fazit: Die Teilnehmer mit Schizophrenie wiesen eine stark verringerte Dicke, sowie ein reduziertes Volumen in fast allen gemessenen Netzhautschichten auf. Das Forschungsteam berichtet von einer statistischen Signifikanz im Vergleich zur gesunden Kontrollgruppe. Bei langfristiger Erkrankung nehme das Gesamtvolumen der Nervenfaserschicht progressiv ab. Zusätzlich zu anderen Studien, die eine MRT-Hirnvolumenänderung feststellten, geben die neuen Erkenntnisse Hinweise darauf, dass Schizophrenie zu einer Verschmälerung der Netzhautschichten führt und dies anhand eines OCT-Scans nachgewiesen werden kann. Die weiteren Hintergründe der strukturellen Netzhautveränderungen seien allerdings immer noch nicht ausreichend ergründet.
In Zukunft könnte ein Netzhautscan bei der Identifikation verschiedener Subtypen von Schizophrenie helfen und die ideale Therapie individueller machen. Damit dies verwirklicht werden kann, müssen jedoch erst noch weitere Untersuchungen folgen.

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