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Neue Studie zeigt: Doppeltes Demenzrisiko nach Depressionen

von Anna-Lena Schachtner Posted on 08.08.2023 05:2103.08.2023 16:06

Jeder fünfte bis sechste Erwachsene erleidet irgendwann in seinem Leben eine Depression. Diese Zahlen sind unter anderem deshalb alarmierend, weil sich viele der Patienten das Leben nehmen. Eine neue Studie ergab nun, dass Depressionen noch in einer anderen Hinsicht gefährlich sind: Die Betroffenen erkranken offenbar auch häufiger an Demenz.

Doppelt so hohes Risiko

Bereits in der Vergangenheit konnten einige Studien einen Zusammenhang zwischen Depressionen und Demenz nachweisen. Allerdings hatten diese oft keine ausreichend große Stichprobe oder beobachteten die Probanden nur über einen kurzen Zeitraum. Eine Untersuchung von Forschern der University of Pennsylvania in den USA und der Aarhus University in Dänemark konnte diese methodischen Probleme nun lösen: Die Daten für die Studie, die kürzlich im Fachblatt „JAMA Neurology“ veröffentlicht wurde, stammten aus den nationalen dänischen Gesundheitsregistern. Diese beinhalten medizinische Informationen, die seit den späten 1970er Jahren routinemäßig bei allen dänischen Bürgern erhoben werden.

Die Wissenschaftler konnten somit die Daten von 1,4 Millionen Dänen auswerten. Dabei identifizierten sie fast 250.000 Menschen, die zwischen 1980 und 2018 an einer Depression erkrankt waren. Diese Patienten verglichen sie mit mehr als einer Million Menschen, die keine Diagnose einer Depression hatten. Es stellte sich heraus: Depressive Personen erlitten in ihrem späteren Leben mehr als doppelt so häufig eine Demenz als Menschen ohne die psychische Krankheit. Genauer gesagt war das Risiko 2,41-mal so hoch wie bei nicht-depressiven Probanden.

Depressionen wirken sich bei Männern schlimmer aus

In welchem Alter die Depression auftrat, hatte keinen Einfluss auf den späteren geistigen Verfall. In weiteren Analysen fanden die Forscher jedoch heraus: Depressive Männer wurden häufiger dement als depressive Frauen. Außerdem erkrankten Menschen, die wegen ihrer psychischen Krankheit mehrmals stationär behandelt werden mussten, im Alter häufiger an einer Demenz. Die Einnahme von Medikamenten innerhalb des ersten halben Jahres nach der Diagnose der Depression veränderte das Demenzrisiko hingegen nicht.

Warum gibt es den Zusammenhang?

In einer Pressemitteilung der University of Pennsylvania weist Holly Elser, eine der beteiligten Forscherinnen, darauf hin: Trotz der aufschlussreichen Befunde ist immer noch nicht bekannt, warum Depressionen mit einer späteren Demenz in Verbindung stehen. So könnten etwa biologische Wirkmechanismen eine Rolle spielen. Doch auch soziale Isolation, die oft mit psychischen Problemen einhergeht, könnte den geistigen Verfall im Alter begünstigen. Womöglich handelt es sich um ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Holly Elser hofft jedenfalls, dass es in Zukunft noch mehr Forschung zum Zusammenhang zwischen Depressionen und Demenz geben wird.

Depression – eine Volkskrankheit

Laut der „Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention“ erkranken in einem Jahr etwa acht Prozent der Deutschen zwischen 18 und 79 Jahren an einer Depression – das entspricht 5,3 Millionen Menschen. Auch bei Kindern und Jugendlichen kommt die psychische Krankheit häufig vor. Beide Geschlechter können betroffen sein, doch Frauen haben ein ungefähr zweimal so hohes Risiko wie Männer. Bei den Ursachen der Depression handelt es sich meist um eine Kombination aus biologischen Faktoren (etwa eine genetische Veranlagung) und psychosozialen Problemen. Zu letzterem zählen beispielsweise Traumata in der Kindheit und chronischer Stress.

Die gute Nachricht: Es gibt Hilfe. Zum einen können Depressionen mit Medikamenten, den sogenannten Antidepressiva, behandelt werden. Auch eine Psychotherapie ist wichtig. In deren Rahmen werden unter anderem belastende Lebensereignisse aufgearbeitet oder es wird der Umgang mit Emotionen thematisiert. Wer sich in letzter Zeit ständig niedergeschlagen fühlt und glaubt, an einer Depression zu leiden, sollte sich unbedingt an einen Experten wenden. Das kann ein Psychotherapeut sein; als erste Anlaufstelle eignet sich aber auch der Hausarzt.

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