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Faszinierende Krebs-Forschung: Warum Bakterien zu Darmtumoren führen

von Anna-Lena Schachtner Posted on 04.11.2022 05:3303.11.2022 12:04

Knapp 60.000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr an Darmkrebs. Dass gewisse Lebensstilfaktoren wie Alkohol oder eine ungesunde Ernährung das Wachstum von Tumoren begünstigen können, ist schon seit längerem bekannt. In letzter Zeit häufen sich nun Hinweise dafür, dass auch kleinste Lebewesen in unseren Eingeweiden eine Schuld an der Entstehung von Krebs tragen können – nämlich die Bakterien unserer Darmflora.

Bakterien als Verursacher von Krebs

Bereits aus der Forschung vorheriger Jahre weiß man, dass Menschen mit entzündlichen Darmkrankheiten häufiger Tumore im Darm entwickeln. Im renommierten Journal „Science“ erschien kürzlich eine Studie, in der Forscher Bakterien aus den Därmen von Menschen mit diesen Leiden analysierten. Das faszinierende Ergebnis: Zwölf verschiedene Bakterienarten wurden gefunden, welche Schäden in menschlichen Zellen verursachen können. Die Mikroben scheiden nämlich bestimmte Wirkstoffe aus, die zur Zerstörung von Genen führen. Bei einem der untersuchten Wirkstoffe konnte mithilfe von Experimenten bei Mäusen nachgewiesen werden, dass dieser die Entstehung von Darmkrebs begünstigt.

Was die Mikroben in unseren Zellen anrichten

Die Befunde der genannten Studie sprechen dafür, dass Bakterien menschliche Gene schädigen können. Doch wie genau stellen die Mikroben das an? Ein internationales Wissenschaftlerteam untersuchte bei einer bestimmten Bakterienart, die den sogenannten Escherichia coli angehören, noch genauer, was diese im Genom anrichten. Dabei kam heraus, dass sich Colibactin – eine Substanz, die diese Mikroben erzeugen – um die menschliche DNA schlingt und diese somit zerstört. Die Forscher fanden in Tumoren von Patienten mit Darmkrebs genetische Schäden, die typisch für Colibactin sind. Das spricht dafür, dass das verantwortliche Bakterium ein Auslöser für Darmkrebs ist.
Bakterien können die Gene auch noch auf andere Weise zerstören: Es kann auch sein, dass manche Mikroben mithilfe ihrer abgesonderten Substanzen die DNA vollständig oder teilweise zerschneiden oder die Schäden gezielt an bestimmten Abschnitten des Genoms verursachen. Übrigens geben Bakterien die verheerenden Wirkstoffe höchstwahrscheinlich nicht von sich, um Menschen „absichtlich“ zu schaden. Der eigentliche Grund ist vielmehr, dass sie damit Feinde wie z.B. Viren abwehren möchten.

Warum das Zellwachstum außer Kontrolle gerät

Bakterien können also Teile unseres Genoms beschädigen. Doch was hat das mit der Entstehung von Tumoren zu tun? Zunächst muss man wissen: Defekte in der DNA können die Ursache für Krebs sein. Genauer gesagt führt die Beschädigung von Genen, die für das Zellwachstum verantwortlich sind, zu einem unkontrollierten Wachstum der Zellen. Das Resultat ist ein Tumor, der zur Zerstörung von benachbarten Geweberegionen führen kann und im schlimmsten Fall in andere Teile des Körpers wandert – dann spricht man von Metastasen.

Wie kann man Krebs verhindern?

Manchmal entstehen Tumore einfach zufällig. Das ist der Fall, wenn Gene bei ganz normalen Zellprozessen beschädigt werden. Die Ergebnisse aus den genannten Studien zeigen aber, dass auch Bakterien eine Rolle bei der Entstehung von Krebs spielen können. Natürlich wäre es nun wünschenswert, wenn die neuen Erkenntnisse nun zur Prävention eingesetzt werden könnten. Dafür ist allerdings noch weitere Forschung notwendig.
Es gibt – neben dem Einfluss von Bakterien – aber auch weitere Faktoren, die die Schäden in den Wachstumsgenen begünstigen können: Bei Darmkrebs gehören dazu Tabak- und Alkoholkonsum. Auch eine ungesunde, fleischlastige Ernährung sowie Übergewicht und mangelnde Bewegung erhöhen die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung der Krankheit. Vermeidet man diese Faktoren, kann man das Risiko also senken. Außerdem tritt Darmkrebs häufiger bei älteren Menschen auf. Die Empfehlung der Deutschen Krebshilfe lautet daher: Männer ab 50 Jahren und Frauen ab 55 Jahren sollten zur Vorsorge eine Darmspiegelung durchführen lassen.

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