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Rätsel um Hasenpest-Übertragung gelüftet: Könnte als potenzielle Biowaffe genutzt werden

von Stefan Dunky Posted on 31.05.2021 11:1701.06.2021 13:34

Bakterien des Typs Francisella tularensis gehören zu den infektiösesten pathogenen Vertretern ihrer Art, die der Wissenschaft bis dato bekannt sind. Diese verursachen die meldepflichtige Zoonose namens Tularämie, die vor allem unter Hasen verbreitet ist – daher wird sie auch als „Hasenpest“ bezeichnet. Bei einer Übertragung auf Menschen kann die Krankheit sogar lebensgefährlich werden. Ein amerikanisches Forschungsteam konnte nun erstmals ein lange bestehendes Rätsel bei der Übertragung der Krankheit klären, was einen weiteren wichtigen Puzzleteil beim Verständnis um diese mysteriöse Bakterienart liefert.

Nutzung als potenzielle Biowaffe möglich

Aufgrund der extremen Ansteckungsgefahr mit dem Bakterium und der höheren Sterberate bei seinem amerikanischen Subtyp wird Francisella tularensis als ernsthafte potenzielle bioterroristische Bedrohung angesehen. Laut Schätzungen würden nur zehn Organismen ausreichen, um einen Menschen damit zu infizieren. Ein besseres Verständnis, was den Lebenszyklus sowie das Verhalten des Bakteriums angeht, habe deshalb höchste Prioriät. Bisher bekannt ist, dass eine Übertragung von Mensch zu Mensch nicht möglich ist. Durch direkten oder indirekten Kontakt zu infizierten Tieren kann das Bakterium jedoch auf den Menschen übergehen.

Bakterien im Winterschlaf

Was den Lebenszyklus angeht, so konnte die Arbeitsgruppe nun näher beleuchten, wie die Hasenpest-Erreger außerhalb von Wirten überleben: Sie verfallen in eine Art Winterschlaf, bei dem sie zwar lebensfähig sind, sich aber nicht mehr vermehren können. Dieses Phänomen war bisher ungelöst, obwohl sich die Forschung schon seit mehr als 100 Jahren mit dem Bakterium befasst. „Die wichtigste Erkenntnis ist, dass Francisella tularensis in kaltem Wasser ohne Nährstoffe mehr als sechs Monate in einem ruhenden Zustand überdauern kann“, fügt Forschungsleiter Professor David Wagner hinzu. Damit besitzt das Bakterium die Fähigkeit, direkt in der Umwelt außerhalb eines Säugetierwirts zu überleben. Das sei deshalb so unerwartet, da viele andere Bakterien, die länger in der Umwelt überleben können, hierfür Sporen ausbilden. Ein Beispiel dafür ist das Bacillus anthracis, das zudem Milzbrand verursacht.

Unterschiede zur Pest

Auch wenn der Name „Hasenpest“ eine Ähnlichkeit mit dem Pest-verursachenden Erreger Yersinia pestis nahelegt, sind diese völlig unterschiedlich. Die vor allem in Europa aufgetretenen Pesterreger überleben nur in einem Wirt oder in Flohvektoren. Francisella tularensis besitze dagegen die Fähigkeit langfristig außerhalb eines Wirts in der Umwelt zu überleben und dabei infektiös zu bleiben, ohne Sporen zu bilden oder auf einen Vektor zurückgreifen zu müssen. „Diese Studienergebnisse haben unsere Sichtweise auf die Ökologie dieses Bakteriums völlig verändert“, betont Wagner. Säugetiere seien damit nur ein kleiner, aber trotzdem wichtiger Aspekt der Überlebensstrategie des Bakteriums.

Übertragungswege von Tularämie

Laut den Forschenden kann sich Tularämie nicht von Mensch zu Mensch übertragen, eine Infektion kann aber auf folgenden Wegen erfolgen:

  • Durch Insektenstiche
  • Beim Trinken von kontaminiertem Wasser
  • Durch Kontakt mit infizierten Tieren
  • Beim Einatmen von bakterienhaltigen Partikeln in der Luft

Behandlung und Häufigkeit

Bisher kann die Krankheit nur mit Antibiotika behandelt werden. Vorliegende Resistenzen sind derzeit Gegenstand weiterer Untersuchungen. Impfstoffe gegen Tularämie gibt es bislang noch keine. Hinsichtlich der Häufigkeit berichtet das Forscherteam, dass Francisella tularensis naturgemäß in der gesamten nördlichen Hemisphäre vorkommt. In Europa sei aber nur der weniger gefährliche Subtyp holarctica beheimatet. Die Zahl der gemeldeten Fälle bei Menschen ist relativ gering. Im Jahre 2016 wurden in den Vereinigten Staaten beispielsweise insgesamt 230 Tularämie-Fälle gemeldet. In Europa hingegen kommt es Laut Robert Koch-Institut jährlich zu 500 bis 1.000 Fällen. Unter den häufig Betroffenen sind vor allem Personen, die sich viel in der freien Natur aufhalten.

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