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Hoher Salzkonsum: Neue Studie zeigt, wie unsere Immunzellen darunter leiden

von Laura Pfundner Posted on 20.04.2023 11:2617.04.2023 15:13

Kaum steht das Essen am Tisch, erfolgt bei vielen Menschen schon der Griff zum Salzstreuer – ohne die Mahlzeit überhaupt probiert zu haben. Dass wir alle zu viel Salz konsumieren und sich das negativ auf unser Herz-Kreislauf-System und unseren Blutdruck auswirkt, dürfte vielen bereits bekannt sein. Eine Studie aus dem Jahr 2023 konnte nun aber zeigen, dass auch das Immunsystem unter einem zu hohen Salzkonsum leidet.

Nicht nur für den Geschmack wichtig

Salz ist wohl das wichtigste Würzmittel der Menschheit; eine Speise ganz ohne ist für viele kaum vorstellbar. Salz besteht hauptsächlich aus der chemischen Verbindung Natriumchlorid (NaCl) und ist sowohl für Menschen als auch für Tiere der wichtigste Mineralstoff. Ja, es ist sogar lebensnotwendig, denn es sorgt für die Regulation des Wasserhaushalts im Körper, ist an Muskeltätigkeiten beteiligt und essenziell für die Verdauung. Um den Elektrolyt-, Wasser- und Säure-Basen-Haushalt aufrechtzuerhalten, benötigt der Organismus die im Salz enthaltenen Elektrolyte Natrium und Chlorid.

Die Dosis macht das Gift

Was bei den meisten Substanzen gültig ist, gilt auch für Salz: die richtige Menge ist entscheidend. Während die WHO für Erwachsene eine Salzzufuhr von höchstens fünf Gramm pro Tag empfiehlt, liegt die tatsächliche Aufnahme in Europa deutlich höher – je nach Region werden täglich zwischen acht und 19 Gramm davon verzehrt. Die Folgen? Bluthochdruck, ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie belastete Nieren. In einer aktuellen Studie konnten Forscher nun eine weitere Gefahrenquelle durch zu hohen Salzkonsum aufdecken.

Wie regulatorische T-Zellen uns schützen

In der Fachzeitschrift „Cell Metabolism“ wurde im Februar 2023 eine Forschungsarbeit veröffentlicht, die zu dem Ergebnis kam, dass zu viel Salz zusätzlich zu den bereits bekannten negativen Auswirkungen auch einen negativen Einfluss auf unsere Immunfunktion hat. Demnach kann eine sehr salzreiche Ernährung die Energieproduktion und Funktion von regulatorischen T-Zellen („Tregs“) beeinträchtigen. Dieser Zelltyp, der auch T-Suppressorzelle genannt wird und eine Untergruppe der T-Lymphozyten ist, ist ein wichtiger Regulator des menschlichen Immunsystems. Sie hemmen zum Beispiel in gewissen Situationen die Aktivierung des Immunsystems beziehungsweise sorgen sie dafür nach beendeter Immunantwort die Reaktion nicht weiter auszuführen. Dank der regulatorischen T-Zellen wird das Risiko für die Entwicklung von Autoimmunerkrankungen und Allergien gesenkt. Des Weiteren unterbinden sie den Abstoßungsprozess des Körpers nach einer Organtransplantation sowie die Abwehr des Fötus durch die Mutter.

Es fehlt an chemischer Energie

Für ihre Untersuchungen sahen sich die Forscher an, wie sich die Mitochondrienleistung und Genaktivität in Kulturen menschlicher Tregs je nach Salzgehalt des Nährbodens verändern. Das Resultat: bei höherem Salzgehalt nahm die Funktion des Energiestoffwechsel der Zellen messbar ab. Befindet sich viel Salz außerhalb der Zelle, schießt auch die Konzentration der Natrium-Ionen in der Zelle nach oben. Die Folge: die Atmung der Mitochondrien wird durch Störungen in der Elektronentransportkette gehemmt, wodurch die Tregs nicht mehr mit ausreichend chemischer Energie versorgt werden. Das führt zu Problemen in ihrer Genexpression und ihre Wirksamkeit wird vermindert. Letztendlich ähnelten die Zellen denen Betroffener von Autoimmunerkrankungen.

Die Ergebnisse öffnen auch andere Türen

Für die Wissenschaftler bedeutet dies, dass eine sehr salzreiche Ernährung zu Veränderungen der regulatorischen T-Zellen führt. Dadurch kann die Entstehung unterschiedlicher Erkrankungen möglicherweise begünstigt werden. Tregs haben auch einen Einfluss auf Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems sowie Krebs – die Ergebnisse liefern also auch interessante Sichtweisen für Forschungen in diesem Gebiet. Für ein vollständiges Verständnis der Mechanismen auf molekularer Ebene und wie diese mit verschiedenen Erkrankungen zusammenhängen, sind jedoch noch weitere Studien nötig.

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