Niedrige Kohlenhydratzufuhr potenziell herzschädigend


Low Carb Diäten gelten als schneller und gesunder Weg zur Wunschfigur. Egal ob Atkins, Keto oder Paleo, der Diätmarkt boomt – doch ist die Ernährungsform mit einem besonders niedrigen Anteil an Kohlenhydraten wirklich so gut für den Körper?

Bei einer Low Carb Ernährung wird die Menge an Kohlenhydraten reduziert. Im Gegenzug steigt automatisch der Anteil an Fetten und Proteinen. Getreideprodukte, Reis und zuckerreiche Lebensmittel verschwinden vom Speiseplan, auch Obst und stärkereiche Gemüsesorten sind nur in geringen Mengen erlaubt. Richtig durchgeführt kann eine derartige Diät der Gesundheit – und damit auch dem Herz – tatsächlich guttun. Einige Fehler bei der Umsetzung können jedoch fatale Folgen haben und dem Körper nachhaltig schaden. Dies konnte das Forschungsteam um den Kardiologen Dr. Xiaodong Zhuang an der Sun Yat-Sen University in China feststellen.

Low Carb Diäten können Herzrhythmusstörungen verursachen

Die Untersuchung der chinesischen Wissenschaftler wurde am 16. März 2019 im Rahmen eines Meetings des American College of Cardiology in New York vorgestellt. Dauerhaft wenig Kohlenhydrate zu konsumieren kann den Studienergebnissen zufolge das Risiko für Vorhofflimmern erhöhen, die häufigste Form von Herzrhythmusstörungen.

Bei Vorhofflimmern kommt es zu einem erhöhten Puls und Herzrasen, da das Herz nicht mehr richtig pumpen kann. Meist sind diese mit Symptomen wie Müdigkeit, Schlafproblemen und Verminderung der generellen Leistungsfähigkeit verbunden. Viele Betroffene bemerken neben diesen Begleiterscheinungen die Probleme mit dem Herzen gar nicht. Vorhofflimmern führt zu einer höheren Wahrscheinlichkeit für Blutgerinnseln und damit Schlaganfällen. Auch eine Herzinsuffizienz kann entstehen. Der genaue Grund für das Vorhofflimmern kann bei einem Drittel der Patienten nicht geklärt werden, bei den anderen zwei Dritteln liegen meist Vorerkrankungen vor, die das Herz betreffen. Auch eine Schilddrüsenüberfunktion ist ein möglicher Auslöser von Vorhofflimmern.

Details der Studie

Für die genannte Untersuchung wurden Daten von etwa 14.000 Probanden aus den Jahren 1985 bis 2016 herangezogen. Die Patienten litten zu Beginn der Studie noch nicht unter Herzrhythmusstörungen. Innerhalb der 22 Jahre wurde jedoch bei 1.900 der Teilnehmer Vorhofflimmern diagnostiziert. Im Rahmen der Analysen zeigte sich, dass Menschen, die sich kohlenhydratarm ernähren, ein um 18 Prozent höheres Risiko für Vorhofflimmern aufweisen als „normale“ Esser mit einem durchschnittlichen Kohlenhydratanteil von 45 bis 52 Prozent. Im Vergleich mit Personen, die hohe Mengen an Kohlenhydraten verzehren (mehr als 52 Prozent) war das Risiko um 16 Prozent erhöht. Die Studie sah allerdings bereits diejenigen als „Low Carb Esser“, die weniger als 45 Prozent ihres täglichen Kalorienbedarfs durch Kohlenhydrate deckten. Dies ist eigentlich nicht gerade wenig. Bei der Atkins-Diät nimmt man beispielsweise nur fünf Prozent Kohlenhydrate auf, bei Keto sind es sogar oft unter zwei Prozent.

Low Carb erst unter 30 Prozent Kohlenhydratanteil

Generell kann man von Low Carb sprechen, wenn der Kohlenhydratkonsum durchschnittlich höchstens 15 bis 30 Prozent beträgt. Diese Zahl kann man schlecht mit Ernährungsformen vergleichen, bei denen die Kohlenhydratzufuhr etwa 40 Prozent beträgt – genau dies wurde in der genannten Studie jedoch gemacht. Aus dem Ergebnis kann man jedoch trotzdem einiges an Wissen mitnehmen: Weder eine Low Carb- noch eine High Carb Ernährung sind vorteilhaft für die Gesundheit.

Gründe für gesundheitliche Nachteile von Low Carb

Da hauptsächlich Menschen mit Gewichtsproblemen eine Low Carb Ernährung praktizieren, ist es gut möglich, dass das Herz deshalb unter der niedrigeren Kohlenhydratzufuhr leidet. Die Ernährungsweise fördert die Ausscheidung von Flüssigkeit, daher könnte eine Dehydrierung der tatsächliche Grund für das Vorhofflimmern sein. Dadurch könnten Low Carb Diäten auch zu einem gestörten Elektrolythaushalt führen, der ebenfalls Auswirkungen auf den Herzrhythmus haben kann. Manche Low Carb Esser verzehren zu wenig Obst und Gemüse und damit zu wenig Nährstoffe, die außerdem entzündungshemmend wirken und so Herzproblemen vorbeugen können. Erhöhte Entzündungswerte sind bei Betroffenen deshalb keine Seltenheit. Sollten chronische Vorerkrankungen, wie beispielsweise Diabetes, vorhanden sein, so kann jedoch auch diese der Grund für die Herzrhythmusstörungen sein. Nicht immer muss es an der Ernährungsweise liegen.

Gesund durchgeführt ist Low Carb unproblematisch

Wie die Untersuchung der chinesischen Forscher zeigen konnte, kommt es auch hier mal wieder auf die Balance an. Die Ernährung sollte stets ausgewogen sein und dem Körper alle Nährstoffe bieten, die er benötigt – egal, auf welche Ernährungsform man schwört. Vor allem ausreichend Obst und Gemüse sind essenziell. Sollten Sie mit einer Low Carb Ernährung liebäugeln, also unbedingt auf eine gesunde, nährstoffreiche Umsetzung achten, damit Ihr Herz weiterhin ideal funktionieren kann.

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