Endlich Nichtraucher: Frauen haben mehr zu kämpfen

Laut einer neuen Studie fällt es Frauen erheblich schwerer mit dem Rauchen aufzuhören als Männern. Die Wissenschaftler konnten die Hintergründe nicht genau aufklären, doch die Untersuchungsergebnisse sprechen deutlich für die Notwendigkeit einer geschlechterabhängigen Intervention zur Suchtbekämpfung.

Psychische Probleme als mögliche Ursache

Einer neuen Forschungsarbeit des St. Michael’s Hospital in Toronto zufolge ist die Chance, dass Frauen, die mit dem Rauchen aufhören wollen, dies auch tatsächlich tun, nur halb so hoch wie bei Männern. Die Studienergebnisse wurden auf dem diesjährigen Canadian Cardiovascular Congress (CCC) präsentiert.
Die Untersuchung ergab, dass Frauen eine höhere Prävalenz von Angstzuständen und Depressionen aufweisen als Männer (41 zu 21 Prozent). Dies könnte den Unterschied bei der Rauchentwöhnung womöglich erklären. Es könnten allerdings auch hormonelle oder soziale Faktoren eine Rolle bei der Rauchentwöhnung spielen. Wie genau diese Differenz zwischen den Geschlechtern entsteht, ist bislang unklar, sie spricht aber in jedem Fall für eine geschlechtsspezifische Therapie. Die Erschwinglichkeit von Arzneimitteln zur Suchtbekämpfung stellte unabhängig vom Geschlecht ein Problem für die Rauchentwöhnung dar.

Studiendetails

Rauchen ist auf der ganzen Welt der häufigste Grund für Todesfälle, die vermieden werden könnten. Programme zum Ablegen der Gewohnheit helfen einigen Betroffenen, aber nur wenige Untersuchungen haben ihre Effektivität bei bestimmten Bevölkerungsgruppen analysiert. Die neue Forschungsarbeit nahm die Prädiktoren für den Erfolg bei der Suchtbekämpfung oder zumindest Einschränkung des Rauchens bei Frauen und Männern unter die Lupe, die an einem entsprechenden Programm im St. Michael’s Hospital teilnahmen.
In die Auswertung miteingeschlossen waren 233 Probanden im Alter von durchschnittlich 56 Jahren, die zwischen den Jahren 2008 und 2018 mindestens zwei Mal in der Klinik waren. 35 Prozent der Teilnehmer waren weiblich., Die Patienten bekamen eine persönliche medizinische Beratung und gegebenenfalls eine Verordnung von Medikamenten wie Nikotinersatztherapie (Zahnfleisch, Pastille, Pflaster, Spray, Inhalator), Bupropion oder Vareniclin (Arzneimittel zur Entwöhnung) basierend auf Präferenzen und Kontraindikationen.
Die Frauen gaben an durchschnittlich 37 Jahre lang 18 Zigaretten am Tag konsumiert zu haben. Zwei Drittel der Probandinnen litt unter Dyslipidämie, einer Fettstoffwechselstörung. Zudem waren 66 Prozent von Bluthochdruck und 44 Prozent von einer Erkrankung der Herzkranzgefäße betroffen. 28 Prozent klagten über Angstzustände oder Depressionen. Nach sechs Monaten hatten 25 Prozent der Teilnehmer das Rauchen aufgegeben, 68 Prozent hatten die tägliche Zigarettenmenge um mehr als 50 Prozent reduziert.
Die logistische Regressionsanalyse zeigte schließlich, dass die Zahl der Klinikaufenthalte der stärkste Indikator für eine erfolgreiche Suchtbekämpfung war. Sie legte jedoch auch dar, dass das Geschlecht Einfluss darauf hatte: Die Wahrscheinlichkeit tatsächlich mit dem Rauchen aufzuhören war für Frauen nur halb so hoch wie für Männer.
 
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Fazit

Sowohl beim weiblichen Geschlecht als auch der Erschwinglichkeit von Arzneimitteln handelte es sich um unabhängige Prädiktoren für das Scheitern der Rauchentwöhnung. Bereits in der Vergangenheit haben Studien aufgedeckt, dass die Übernahme der finanziellen Kosten von Medikamenten zur Suchtbekämpfung die Abbruchquote reduziert.
Die Anzahl der Klinikbesuche war der einflussreichste Indikator für eine gelungene Rauchentwöhnung. Dies hebt die Relevanz dieser Termine hervor, die Beratung, persönlichen Austausch und gegebenenfalls Anpassungen bieten. Frühere Untersuchungen haben bereits gezeigt, dass die Einnahme von Vareniclin im Vergleich zu Placebos und anderen Arzneimitteln zu einer besseren Erfolgsrate bei der Rauchentwöhnung führt. Die neue Studie bestätigt dieses Ergebnis. Das Medikament lindert die Entzugserscheinungen und hat so vermutlich das Bedürfnis zu Rauchen gesenkt.
Die Studie unterstreicht die Dringlichkeit von geschlechtsabhängigen Interventionen und finanzieller Unterstützung für die Rauchentwöhnung. Mit etwas Hilfe kann der Weg zum Nichtraucher glücken. Solche Programme sollten jedoch unbedingt individuelle Bedürfnisse berücksichtigen und einen entsprechenden Plan bereitstellen. Generell gilt hierbei noch: Je früher desto besser.

Raucher büßen bis zu zehn Lebensjahre ein

Die neue Forschungsarbeit liefert bedeutsame Einblicke, welche dem medizinischen Fachpersonal bei der Beratung und Behandlung helfen sollen. Geschlechtsspezifische Ansätze sind nun notwendig, um optimale Ergebnisse erzielen zu können. So kann gegebenenfalls gegen die psychischen, hormonellen oder sozialen Einflussfaktoren vorgegangen werden, welche die Rauchentwöhnung für Frauen offensichtlich erschweren.
Rauchen ist extrem gesundheitsschädlich. Personen, die ihr ganzes Leben lang rauchen, verfügen über ein 50-prozentiges Risiko auf Grund ihrer Sucht ums Leben zu kommen. Durchschnittlich verliert ein Raucher zehn Jahre seines Lebens. Etwas weniger als die Hälfte der rauchenden Menschen geht der Sucht bis zum Tod nach. Heutzutage gibt es für Menschen, die damit aufhören möchten, allerdings eine große Palette an Hilfsprogrammen. Welches davon optimal ist, ist immer individuell. Die Reaktionen auf den Entzug sind verschieden, deshalb sollte man sich der Deutschen Herzstiftung zufolge am besten vorher beraten lassen, um einen Überblick über die möglichen Therapieansätze zu erhalten und die vielversprechendste auswählen zu können.

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