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Lädt Corona zu Drogen ein? Cannabis-Konsum bei Jugendlichen so hoch wie nie

karin.buttinger@gmx.at' von Karin Buttinger Posted on 13.10.2021 11:4511.10.2021 16:43

Die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Maßnahmen haben vor allem der Jugend stark zugesetzt. Speziell die psychische Gesundheit von jungen Menschen hat enorm unter den Einschränkungen gelitten. Viele haben daher Auswege gesucht, um den ständigen Problemen im Alltag zu entkommen – und sind dabei vermehrt auf Drogen gestoßen. Der Cannabiskonsum von Jugendlichen in Deutschland ist seit dem Beginn der Coronakrise deshalb deutlich angestiegen. Kürzlich ist die Bundesdrogenbeauftragte Barbara Ludwig dabei zu einem besonders erschreckenden Ergebnis gekommen: In Deutschland wird unter jungen Leuten aktuell so viel Cannabis konsumiert wie noch nie zuvor.

Gefährlicher Trend

Keine Droge ist unter Jugendlichen so beliebt wie Cannabis. Unter den 18- bis 25-Jährigen stieg der Anteil derjenigen, die nach eigener Angabe in den letzten zwölf Monaten mindestens einmal Cannabis konsumiert haben, zwischen 2015 und 2018/19 von 15,3 Prozent auf sage und schreibe 24,1 Prozent an. Die Anzahl der Drogentoten ist im vergangenen Jahr ebenfalls drastisch gestiegen: Aufgrund des Konsums illegaler Substanzen starben insgesamt 1.581 Menschen – 13 Prozent mehr als im Jahr 2019. Ebenfalls stark zugenommen hat die Drogenkriminalität im Internet – die Corona-Pandemie hat die zunehmende Verlagerung ins Netz wohl negativ beeinflusst. Barbara Ludwig sieht dringenden Handlungsbedarf: “Wir müssen vermeiden, dass Deutschland zu einem Drehkreuz des internationalen Drogenhandels wird.“

Was Cannabis mit jungen Menschen macht

Unter Jugendlichen wird der Konsum von Cannabis häufig akzeptiert und verharmlost, sodass für “Neulinge” auch die Hemmschwelle immer geringer wird, ebenfalls einmal Cannabis auszuprobieren. Meist bleibt es jedoch nicht bei einem einzigen Mal: In vielen Fällen entwickelt sich daraus zu einem späteren Zeitpunkt ein echtes Suchtproblem. Bei vielen Jugendlichen ist das Kiffen in der Corona-Zeit gewissermaßen schon Teil der – sehr limitierten – Freizeitgestaltung geworden. Das Erschreckende: Der Großteil der Teenager kommt wohl oder übel irgendwann mit Drogen wie Cannabis in Kontakt, da diese quasi überall erhältlich sind – Eltern können dies kaum verhindern. Jugendliche, die generell schon einen Hang zur Verletzlichkeit und Vulnerabilität haben, sind dabei meist besonders anfällig. Gerade bei Jugendlichen ist der Konsum von Cannabis aber besonders gefährlich, weil sich der Körper noch vollständig in der Entwicklungsphase befindet. Das Gehirn des Menschen entwickelt sich in genau zwei Phasen: Zuerst im Mutterleib und dann während der Pubertät. Werden während dieser wichtigen Entwicklungsphase also Tetrahydrocannabinol, kurz THC, oder andere Cannabinoide konsumiert, kann es zu einer Störung in genau dieser wichtigen Phase kommen. Cannabis kann wichtige Gehirnstrukturen angreifen, die noch nicht vollständig ausgereift sind und daher besonders anfällig für Störungen sind. Dazu gehört vor allem das dopaminerge System, welches unter anderem für die Entstehung von Psychosen verantwortlich ist. Außerdem steht regelmäßiger Cannabis-Konsum in Verdacht zu langfristigen Aufmerksamkeitsstörungen zu führen.

Viel Luft nach oben

Vermehrt wird nun der Ruf nach mehr Unterstützungsangeboten für drogensüchtige Jugendliche laut – auch über die Pandemie hinaus. Besonders für Suchtkranke ist der Kontakt zu Therapeuten, Beratungsstellen, etc. durch die Krise eingeschränkt worden oder sogar komplett weggefallen, digitale Lösungen mussten herhalten. Durch den hohen Anstieg an Drogenkonsumenten sei es nun aber wichtiger denn je, Präventionsangebote und niedrigschwellige Suchthilfen weiter auszubauen, fordert Barbara Ludwig. Besonders in Schulen ist zum Thema Suchthilfe noch viel Luft nach oben – im festen Lehrplan ist die Sucht-Prävention nur selten verankert. Viele wollen im besten Falle einfach nicht hinschauen, doch Ignoranz ist hier definitiv die falsche Herangehensweise. Speziell Lehrer und Eltern sollten das Thema ernst nehmen und mit den Teenagern über Drogen und die Gefahren, die von ihnen ausgehen, offen sprechen, sowie bei bereits existenten Suchtproblemen Hilfe anbieten und Experten hinzuziehen.

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