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Übergewicht: Hoher BMI und Körperfettanteil steigern das Risiko für Krebserkrankungen

von Melissa Untersmayr Posted on 12.05.2021 06:4511.05.2021 17:29

Hierzulande sind etwa zwei Drittel der Männer und die Hälfte aller Frauen korpulenter, als es für ihre Gesundheit gut wäre. Übergewicht und Adipositas verursachen ernstzunehmende Beschwerden und können die Entwicklung verschiedenster Folgeerkrankungen begünstigen. Fettleibigkeit erhöht außerdem das Risiko, an Krebs zu erkranken: Laut britischen Forschern sind ein hoher BMI, eine breite Taille, weite Hüften und ein hoher Körperfettanteil aussagekräftige Indikatoren für ein erhöhtes Krebsrisiko durch Übergewicht. Überdies besteht für adipöse Menschen ein zusätzliches Risiko, aufgrund einer Krebserkrankung frühzeitig zu versterben. Die entsprechenden Ergebnisse wurden im Fachjournal „BMC Medicine“ veröffentlicht und auf dem diesjährigen European Congress on Obesity vorgestellt.

Anwendung verschiedener Adipositas-Marker

Dass Fettleibigkeit die Wahrscheinlichkeit für eine Erkrankung an einigen Arten von Krebs und das damit verbundene Sterberisiko erhöht, ist wissenschaftlich schon länger belegt. Um jenen Zusammenhang zu prüfen, wurde in klinischen Untersuchungen bisher immer auf den BMI (Body Mass Index) zurückgegriffen. Über eine Korrelation zwischen Krebs und anderen Markern für Übergewicht, wie zum Beispiel den Körperfettanteil, war bisher allerdings nur sehr wenig bekannt. Daraufhin untersuchten Forscher der University of Glasgow Daten von knapp 440.000 Erwachsenen, welche anfänglich nicht an Krebs erkrankt waren, wobei das durchschnittliche Alter bei 56 Jahren lag und etwa 54% aller Probanden weiblich waren. Ziel der Fachleute war es das Risiko für 24 verschiedene Krebsarten mithilfe von sechs Markern für Adipositas zu identifizieren:

  • BMI
  • Körperfettanteil
  • Verhältnis von Taille zu Hüfte
  • Verhältnis von Taille zu Körpergröße
  • Taillenumfang
  • Hüftumfang

Ein Zehntel der Probanden an Krebs erkrankt

Zusätzlich wurden auch viele weitere Faktoren wie Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Zigaretten- und Alkoholkonsum in der Datenauswertung berücksichtigt. Nach neun Jahren durchschnittlicher Nachbeobachtungszeit waren 47.882 Menschen an Krebs erkrankt – das entspricht knapp 11 Prozent aller in der Studie berücksichtigten Personen. Zudem registrierten die Forschenden in ihrer Stichprobe etwa 11.000 Todesfälle als Folge der Krebserkrankungen. Dabei stellte sich heraus, dass alle sechs Adipositas-Marker positiv und in ähnlicher Weise mit einem höheren Risiko für zehn unterschiedliche Krebsarten korrelieren. Allerdings ist der BMI nach wie vor ein sehr zuverlässiges Maß für das Krebsrisiko durch Übergewicht: Es brachte keine zusätzlichen Vorteile oder Erkenntnisse, andere Marker zur Identifizierung des Risikos herbeizuziehen.

Übergewicht und Krebs: Kausaler Zusammenhang?

Der Anstieg des BMI über 25 kg/m2 wurde dabei als besonders problematisch ermittelt: Eine Erhöhung des Body Mass Index um 4,2 kg/m2 bei Männern bzw. um 5,1 kg/m2 bei Frauen über dem Grenzwert ließ das Risiko für Magenkrebs um ganze 35 Prozent ansteigen. Ähnliches konnte auch bei folgenden Krebsarten festgestellt werden:

  • Gallenblase (33 Prozent)
  • Leber (27 Prozent)
  • Niere (26 Prozent)
  • Bauchspeicheldrüse (12 Prozent)
  • Dickdarm (10 Prozent)
  • Blase (9 Prozent)

Besonders dramatisch fielen die Ergebnisse für Krebserkrankungen des Endometriums und der Gebärmutter aus: Das Risiko für diese Krebsarten stieg im Zusammenhang mit starkem Übergewicht jeweils um etwa 70 Prozent. Würden Forscher einen kausalen Zusammenhang zwischen Adipositas und Krebs in experimentellen Studien beweisen können, so wäre Übergewicht laut Expertenvermutungen für etwa 40 Prozent der Endometrium- und Gebärmutterkrebserkrankungen und 29 Prozent der Gallenblasenkrebserkrankungen verantwortlich.

In der vorliegenden Beobachtungsstudie war es nicht möglich konkrete kausale Ursachen für das erhöhte Krebsrisiko festzustellen. Durch das Fehlen von entsprechenden kontrolliert-randomisierten Experimentalstudien können die Forscher demnach nicht ausschließen, dass auch unberücksichtigte Drittfaktoren die Ergebnisse beeinflusst haben. Obwohl ein solider wissenschaftlicher Grundstein zum Zusammenhang von Übergewicht und Krebs gelegt wurde, sind weiterführende Forschungsarbeiten für handfeste medizinische Begründungen unumgänglich.

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