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Nicht immer harmlos – diese Pilzart verursacht chronische Darmentzündungen

von Adriana Schellander Posted on 03.10.2023 05:3429.09.2023 15:22
Eine leicht nach vorne gebeugte Person auf einem braunen Sessel hält sich ihre Arme um ihren Bauch

Durchfälle, Fieber, Bauchschmerzen und erheblicher Gewichtsverlust – durch diese Symptome machen sich zumeist chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn bemerkbar. Vorherige Studien konnten bereits belegen, dass diese Krankheiten vor allem durch ein unausgeglichenes Darmmikrobiom hervorgerufen werden. Welche Mikroorganismen genau die Beschwerden verursachen, blieb bislang allerdings unklar. Ein deutsches Forschungsteam identifizierte nun eine bestimmte Pilzart, die bei der Krankheitsentwicklung eine entscheidende Rolle spielt.

Mikroorganismen – nützlich oder gesundheitsgefährdend?

Unser Körper beheimatet Billionen Mikroorganismen: Neben Viren und Bakterien besiedeln auch Pilze den menschlichen Organismus. Obwohl diese Mikroben auf den ersten Blick bedrohlich klingen, sind sie für unsere Gesundheit unabdingbar – so regulieren sie sowohl Verdauung und Stoffwechsel als auch das Immunsystem. Letzterem kommt in diesem Kontext eine bedeutende Aufgabe zu: Das Abwehrsystem eliminiert schädliche Mikroorganismen und toleriert zugleich jene Mikroben, die dem menschlichen Körper nützen. Dadurch wird eine wichtige Symbiose geschaffen. Bei der chronischen Darmentzündung Morbus Crohn ist das Immunsystem allerdings nicht dazu in der Lage, zwischen gefährlichen und harmlosen Mikroben zu unterscheiden. Dies führt dazu, dass die Immunzellen aggressiv auf ungefährliche Mikroorganismen der Darmflora reagieren, was wiederum Entzündungsreaktionen im Verdauungssystem verursacht.

T-Zellen-Reaktionen im Fokus

Welche Darm-Mikroorganismen konkret zur fehlerhaften Immunantwort führen, konnte im Rahmen bisheriger Studien jedoch nicht geklärt werden. Auch die Reaktion der Immunzellen galt bislang als unzureichend erforscht. Experten der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel sowie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein setzten sich daher zum Ziel, diese Forschungslücke zu schließen. Hierbei legten die Forscher den Fokus auf die sogenannten T-Zellen, welche bei vielen Immunreaktionen eine zentrale Rolle spielen. „Wir wollten herausfinden, welche Mikroben bei Morbus Crohn eine veränderte T-Zellreaktion auslösen“, erläutert die Erstautorin Gabriela Rios Martini. Im Zuge dessen analysierten die Mediziner die T-Zellreaktion auf diverse Mikroorganismen in Blut- und Gewebeproben. Bei dieser Untersuchung wurden sowohl die Proben von Patienten mit Morbus Crohn als auch jene von gesunden Menschen berücksichtigt.

Hefepilze als Entzündungsauslöser

Zunächst beobachteten die Fachleute, wie das Immunsystem auf verschiedene Bakterien reagiert. Obwohl diese einen signifikanten Bestandteil des Mikrobioms bilden, konnten die Forscher bei den analysierten Varianten keinen relevanten Unterschied zwischen erkrankten und gesunden Probanden feststellen.

Dies änderte sich allerdings bei Hefepilzvarianten wie Saccharomyces oder Candida: Hierbei reagierten die T-Zellen von Morbus-Crohn-Patienten viel stärker als jene von gesunden Versuchsteilnehmern. Dieser Effekt zeigte sich sowohl bei körpereigenen Hefepilzen als auch bei Hefepilzen, die durch die Nahrung aufgenommen werden. Im Rahmen näherer Untersuchungen stellten die Experten fest, dass Morbus-Crohn-Patienten überproportional viele T-Zellen-Rezeptoren aufweisen, die aggressiv auf die untersuchten Hefepilzvarianten reagieren. „Offenbar erkennen die T-Zellen einen bestimmten Teil in diesen verwandten Hefepilzen, der in vielen der untersuchten Spezies vorkommt“, erklärt die Studienautorin Professorin Petra Bacher. Dadurch reagieren die Immunzellen nicht nur auf eine einzelne Hefepilzvariante, sondern auf ein breites Spektrum an Candida- und Saccharomyces-Pilzarten. Die Forscher vermuten daher, dass kreuzreaktive T-Zellen durch den wiederholten Kontakt mit Hefepilz-Antigenen aktiviert und verbreitet werden. Dieses verhängnisvolle Phänomen löst chronische Entzündungsreaktionen aus, die wiederum Krankheitssymptome forcieren.

Weitere Forschungsprojekte in Aussicht

Das Forschungsteam zeigt sich mit den gewonnenen Erkenntnissen zufrieden – erstmals wurde die Rolle von hefe-reaktiven T-Zellen im Kontext von chronischen Darmentzündungen nachgewiesen. Im Rahmen zukünftiger Studien möchten die Fachleute untersuchen, wie sich eine hefefreie Ernährung auf die Krankheitsentwicklung auswirkt. Außerdem soll erforscht werden, ob Symptome durch die Eliminierung der Darm-Hefepilze gelindert werden können.

 

Bildquellen

  • : Pexels.com; Sora Shimazaki
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