Medikament gegen Covid-19: Aktueller Stand und Vorreiter Teil 1

Auf der ganzen Welt forschen Wissenschaftler aktuell fieberhaft nach Medikamenten gegen die Lungenkrankheit Covid-19, welche durch das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 ausgelöst wird. Die Vorhersagen von Experten könnten diesbezüglich nicht weiter voneinander abweichen: Einige Mediziner meinen, es könne nicht vor 2021 mit einem Impfstoff gegen Sars-CoV-2 gerechnet werden, andere sind wiederum der Ansicht, dass trotz größter Bemühungen niemals ein Heilmittel gegen das Virus auf den Markt kommen und es demzufolge zu einer globalen Seuche kommen wird. Viele Ärzte denken, dass der Impfstoff zumindest zu spät verfügbar sein werde, um diese Situation zu verhindern.
Zurzeit werden jedoch rund 40 Impfstoffprojekte durchgeführt, wobei sich mittlerweile bereits einige Türen geöffnet haben. Diverse Untersuchungen legen nahe, dass es sich bei einer der nachfolgend genannten Optionen um die Lösung des Problems handeln könnte. Auch zahlreiche antivirale Arzneimittel werden derzeit auf ihre Wirksamkeit gegen Sars-CoV-2 untersucht. Dabei konzentrieren sich die Forscher größtenteils auf bereits zugelassene Präparate, da diese im Falle umgehend verabreicht werden können.

Vielversprechende Virostatika

Antivirale Arzneimittel werden zwar als weniger wirksam als antibakterielle, können aber einen schweren Krankheitsverlauf verhindern. Thailändische Forscher sollen zudem kürzlich eine Behandlungsmethode gegen das neue Coronavirus entdeckt haben: Das Zusammenspiel von zwei bewährten Medikamenten soll Abhilfe schaffen. Schon am Anfang der Covid-19-Pandemie nahmen Mediziner antivirale Arzneimittel und setzten sie gegen den neuartigen Erreger ein, auch wenn dies nicht dem bestimmungsgemäßen Gebrauch der Medikamente entsprach und sie keine Genehmigung von den Zulassungsbehörden bekommen hatten, denn sie hatten keine Möglichkeit Sars-CoV-2 anderweitig zu bekämpfen. Dabei kam unter anderem das HIV-Medikament „Kaletra“ zum Einsatz. Mit diesem Arzneimittel konnte tatsächlich eine Abschwächung der Symptome einer Coronavirus-Infektion erzielt werden. Nun wurden bereits einige Studien ins Leben gerufen, die diesen Zusammenhang wissenschaftlich prüfen.
Darüber hinaus ist der Sars-CoV-2-Erreger dem Sars-Coronavirus, der im Jahr 2003 ausgebrochen war und 800 Leben forderte, recht ähnlich. Forschern zufolge nutzen beide Virustypen annähernd gleiche Wege, um in Zellen einzufallen und verursachen potenziell auch die Krankheit selbst über ähnliche Mechanismen. Diese Tatsache könnte dabei helfen Covid-19 zu besiegen. Wissenschaftler vom Deutschen Primatenzentrum (DZP) und der Charité Universitätsmedizin Berlin fanden heraus, dass die zwei Virustypen denselben Zellrezeptor verwenden, um sich an ihre Zielzellen zu binden. Außerdem entdeckten sie ein zelluläres Enzym, welches für den Zugang des Virus in die Lungenzellen unbedingt nötig ist. Dabei handelt es sich um die Protease TMPRSS2. Dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) könnte das Medikament „Camostat Mesilate“ somit eine ideale Therapieoption darstellen, da es diese Protease blockiert. Das Arzneimittel ist in Japan zugelassen und wird bei Entzündungen der Bauchspeicheldrüse eingesetzt. Aktuell wird überprüft, ob es eine Infektion mit SARS-CoV-2 ebenfalls verhindern kann. Ein Test an einem Patienten lieferte bereits ein positives Ergebnis, sodass die Studienautoren derzeit zuversichtlich sind, dass Camostat Mesilate auch vor Covid-19 schützt und sich in den klinischen Studien bewähren wird.

Kombinationstherapie mit Grippe- und HIV-Medikamenten

Zwei Ärzte des Rajavithi-Krankenhauses in Bangkok gaben bei einer Konferenz in der thailändischen Hauptstadt an, dass eine 71-jährige Erkrankte mithilfe von zwei Medikamentengruppen binnen 48 Stunden eine signifikante Besserung ihrer Beschwerden erfuhr. Die Rede war von den Arzneimitteln Lopinavir und Ritonavir, welche üblicherweise bei HIV-Infektionen verabreicht werden, sowie von einem Grippemedikament. Schon zwei Tage nachdem die Patientin die Medikamente bekommen hatte, hatte sich ihr Zustand drastisch verbessert.
AIDS-Medikamente wurden in China im Kampf gegen das neuartige Coronavirus bereits überprüft, Grippe-Medikamente waren bekanntlich schon bei MERS effektiv. Auf Basis dieser Informationen kombinierten die Ärzte die beiden Arzneimittelgruppen miteinander. Das Ergebnis sprach für sich: Die chinesische Corona-Patientin erholte sich rasch. Die Kombinationstherapie soll nun im Labor weiter überprüft werden.

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