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Covid-19: Verringert eine ballaststoffreiche Ernährung Entzündungen?

von Stefan Dunky Posted on 01.04.2021 15:4201.04.2021 14:45

Ballaststoffe spielen nicht nur bei der Verdauung und für den Stoffwechsel eine große Rolle. Denn bei einer Erkrankung mit Covid-19 scheint auch die Darmaktivität beeinträchtigt zu sein, wodurch es zu einer geringeren Freisetzung von kurzkettigen Fettsäuren (SFCAs) kommt. Diese wiederum sind ein wichtiger Bestandteil in der Immunabwehr, ein Mangel könnte daher schwerere Verläufe begünstigen, fanden Forscher in einer aktuellen Studie heraus.

Virus verändert Darmflora

Schon länger ist eine Beteiligung des Darms bei einer Infektion mit dem Coronavirus bekannt. Diese Zusammenhänge wurden in der Studie näher beleuchtet, um die eigentlichen Ursachen finden zu können. Etwa 50 Prozent aller Betroffenen sind von gastrointestinalen Symptomen, wie Durchfall, Bauchschmerzen und Erbrechen betroffen. Derartige Beschwerden sind bei 17,6 Prozent aller schweren Verläufe von Covid-19 bisher aufgetreten, berichten die südamerikanischen Forscher in einer Mitteilung. Ein Grund dafür ist das Eindringen des Virus in Darmzellen, was in weiterer Folge die Funktion des Darms stört.

Barriere im Darm nimmt ab

Neue Studien weisen außerdem darauf hin, dass auch gesunde Bakterien des Darms mehr und mehr bei einer Infektion zurückgehen, sobald die Veränderungen der Darmflora durch das Virus voranschreiten. Damit geht ebenfalls die Möglichkeit der Fermentierung von Ballaststoffen verloren, die in Folge kurzkettige Fettsäuren absondern würden. Diese sind essenziell, wenn es um die Aufrechterhaltung der Schutzfunktion des Darms geht. Bisher wurde von der Wissenschaft vermutet, dass durch Veränderungen in der Bakterienkultur des Darms bei infizierten Personen die Immunantwort ebenfalls modifiziert wird. Dieser Umstand wurde nun in der Studie näher beleuchtet.

Erste Hinweise im Tiermodell

Dabei lieferten frühere Untersuchungen schon erste Hinweise auf die Forschungsziele der aktuellen Studie: „In früheren Untersuchungen haben wir bei Tieren festgestellt, dass Verbindungen, die von der Darmflora produziert werden, helfen, den Organismus gegen Atemwegsinfektionen zu schützen. Das dort verwendete Modell war das Respiratory Syncytial Virus, welches Bronchiolitis (Entzündung der kleinen Atemwege der Lunge) verursacht und Kinder häufig infiziert. Ähnliche Ergebnisse wurden von anderen Forschungsgruppen in Studien zu verschiedenen Atemwegserkrankungen erzielt”, fasst Studienautorin Patrícia Brito Rodrigues von der University of Campinas (UNICAMP) zusammen.

Viruslast unverändert

In der Analyse der behandelten Zellen und des Gewebes zeigte sich jedoch keine Reduktion der Virenlast durch die Zugabe von kurzkettigen Fettsäuren. Außerdem konnten keine Veränderungen in den durchgeführten Biopsien festgestellt werden. Ebenfalls war die Stabilität und Durchlässigkeit der Körperzellen weiter im gleichen Zustand wie in der unbehandelten Kontrollgruppe. Dennoch waren positive Effekte erkennbar, die unter anderem zu einer Abnahme der Expression des Gens DDX58 und des Proteins TMPRSS2 führten, welches SARS-CoV-2 für eine Infektion benötigt. Das könnte zumindest sogenannte inflammatorische (entzündliche) Prozesse des Virus erschweren.

Wirkung weiter unklar

Da es sich aber um ein Tiermodell bzw. künstliche Zellen handelte, sind weitere Forschungen für fundierte Erkenntnisse nötig, gesteht auch Rodrigues: „Dies schließt die Möglichkeit einer signifikanten Wirkung von SCFAs auf die Infektion durch SARS-CoV-2 nicht aus. Die antiviralen Effekte könnten von der Interaktion mit anderen Zellen im Organismus abhängen. Wir werden unsere Untersuchungen in Tiermodellen fortsetzen, da die Wirkung dieser Verbindungen auf die Infektion von einem vollständigeren System abhängen könnte anstatt Proben, die wir in vitro (bei isolierten Zellen) verwendet haben.“ Die Ergebnisse deuten eher darauf hin, dass kurzkettige Fettsäuren keinen ausreichenden Schutz gegen das Virus bieten können. Dennoch kann es nicht schaden Ballaststoffe aufgrund ihrer vielen Vorteile auf die Gesundheit als fixen Bestandteil in den Ernährungsplan aufzunehmen, selbst wenn einzelne Wirkweisen noch nicht gänzlich erforscht sind.

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