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Wird Covid-19 zur Kinderkrankheit?

von Adriana Schellander Posted on 18.08.2021 16:4623.08.2021 13:57

Bisher stellte sich eine Coronainfektion insbesondere für ältere Menschen als bedrohlich heraus: 89 Prozent der an Covid-19 Verstorbenen hatten ihr 70. Lebensjahr bereits überschritten.  Eine internationale Studie legt nun hingegen nahe, dass sich das Infektionsrisiko in Zukunft auf die jüngere Bevölkerung verlagern könnte.

Komplexes Modell ermöglicht Prognosen

Forscher der Pennsylvania State University (USA) entwickelten in Kooperation mit der University of Oslo (Norwegen) ein sogenanntes „realistisches altersstrukturiertes mathematisches Modell (RAS)“. Dieses Konzept ermöglichte es den Medizinern potenzielle Zukunftsszenarien bezüglich der Corona-Altersinzidenz sowie der Mortalität durch eine Covid-19-Infektion genauer zu untersuchen. Neben der Demografie wurde ebenfalls der Grad der sozialen Durchmischung sowie die Immunitätsdauer erfasst. Die Experten führten Prognosen für ein Jahr, zehn Jahre und 20 Jahre durch. Im Rahmen des Projektes wurden die Umstände in elf verschiedenen Ländern analysiert, darunter Südafrika, USA, Brasilien, Deutschland, Italien, Großbritannien, Frankreich, Südkorea, Spanien, Japan und China.
„Unser allgemeiner Modellrahmen ermöglicht robuste Vorhersagen des altersabhängigen Risikos angesichts kurz- oder langfristig schützender Immunität, der Verringerung des Schweregrads der Krankheit bei vorheriger Exposition sowie der Berücksichtigung der verschiedenen Länder mit ihren unterschiedlichen demografischen Gegebenheiten“, berichtet Ruiyun Li von der Universität Oslo.

Kinder als zukünftige Risikogruppe?

Bislang korrelierte ein höheres Alter bei einer Corona-Infektion in vielen Fällen mit gravierenden Krankheitsverläufen und einer höheren Sterblichkeit. Dieser Trend könnte sich in Zukunft jedoch ins Gegenteil umkehren. Angesichts der steigenden Durchimpfungsrate und Resistenz der erwachsenen Bevölkerung gehen die Experten davon aus, dass in den folgenden Jahrzehnten insbesondere für Kinder ein erhöhtes Infektionsrisiko bestehen wird. Ähnliche Beobachtungen bei anderen Viren der Gattung Corona oder Influenza bestärken diese Theorie. Obwohl die Krankheitserreger zuerst weitläufig für schwerwiegende Verläufe sorgten, traten sie ab einem gewissen Zeitpunkt örtlich nur noch begrenzt auf. Auch historische Protokolle über Atemwegserkrankungen belegten, dass sich die Altersinzidenz beim Eintreten sogenannter Endemien stark veränderte.

Von bedrohlicher Pandemie zum Erkältungsvirus

Als Beispiel führt das Expertenteam die sogenannte russische Grippe an, welche von 1889 bis 1892 rund eine Million Menschenleben forderte. Aufzeichnungen und genomische Arbeiten lassen vermuten, dass diese Epidemie durch das Coronavirus HcoV-OC43 verursacht wurde. Damals verstarben insbesondere Personen über 70 Jahre an dem bedrohlichen Virus. Im Laufe der Zeit entwickelten sich die Pathogene jedoch zu harmlosen Erkältungsviren, mit denen sich in erster Linie Kinder im Alter von sieben bis 12 Monaten infizieren. Hinsichtlich der aktuellen Pandemie betrachten die Experten eine derartige Entwicklung bei SARS-CoV2-2 demnach als nicht unwahrscheinlich.

Impfung als zuverlässigster Schutz

Sobald die Antikörper gegen Corona wieder abgebaut wurden, besteht das Risiko einer Reinfektion. Den Forschern zufolge würde die Krankheit jedoch höchstwahrscheinlich mit jeder weiteren Ansteckung milder verlaufen. Dennoch warnt das Forschungsteam davor sich absichtlich potenziell gefährlichen Viren auszusetzen. Viel eher vertrauen die Mediziner in die Impfung, durch die ein zuverlässigerer Schutz erzielt werden könne.

Negativszenario nicht auszuschließen

Das Spezialistenteam betont allerdings, dass diese Prognose nur dann eintreffe, wenn Reinfektionen in milden Erkrankungen resultieren. Wenn dies nicht der Fall sei, bleibe die Mortalität unverändert. „In diesem düsteren Szenario wird die übermäßige Sterblichkeit aufgrund ständiger schwerer Reinfektionen, die auf eine nachlassende Immunität zurückzuführen sind, so lange anhalten, bis wirksamere pharmazeutische Mittel zur Verfügung stehen“, erläutert Professorin Jessica Metcalf von der Princeton University.

 

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