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Die positive Seite von Allergien: Schutzfunktion vor bakteriellen Infektionen

von Rike Ohlerich Posted on 07.04.2021 05:5306.04.2021 18:19

Immer mehr Menschen entwickeln im Laufe ihres Lebens eine Allergie. Die Akademie für Allergologie und klinische Immunologie prognostiziert, dass im Jahr 2025 jede zweite Person in Europa an irgendeiner Art von Allergie leiden wird. Vor allem jetzt im Frühling sind viele von Heuschnupfen oder anderen Pollenallergien geplagt. Jedoch ist es noch immer größtenteils unklar, warum Menschen letztendlich Allergien entwickeln. Ein Forschungsteam hat nun herausgefunden, dass Allergien eine Art Abwehrreaktion des Körpers gegen bakterielle Infektionen sind.

Immunabwehr löst allergische Reaktion aus

Forschende der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der Medizinischen Universität Wien und der Stanford University School of Medicine haben genauer untersucht, warum der Körper bestimmte Allergien entwickelt und auch eine mögliche Ursache entdeckt. Diese ist, dass eine allergische Reaktion offenbar eine Art Schutzmechanismus des Körpers gegen gewisse Bakterien darstellt. Somit zeigt die Forschungsarbeit zum ersten Mal die positive und sogar gesundheitsfördernde Seite von Allergien. Die Ergebnisse der Studie wurden im renommierten Fachjournals „Immunity“ vorgestellt.

Allergien können Immunabwehr unterstützen

Dass Allergien eine positive Seite haben, die unseren Körper auf eine gewisse Weise schützt, könnte erklären, warum sie sich so erfolgreich in unserem Immunsystem durchsetzen. Der Grund dafür kann also sein, dass Allergien die Abwehrkraft gegen bakterielle Infektionen erhöhen. Anhand der Studie helfen die Forschenden dabei, das allgemeine Verständnis von Allergien zu erweitern und tragen zur allergologischen Aufklärung bei. Damit zeigen sie, dass Allergien nicht nur nervige Nebenwirkungen hervorrufen, sondern unser Immunsystem tatsächlich unterstützen können.

Entstehung einer allergischen Reaktion

Nicht nur in Deutschland gibt es viele Allergiker. In ganz Europa sind es rund 150 Millionen Menschen, die momentan an wiederkehrenden Allergien leiden – Tendenz steigend. Der Beginn einer Allergie ist die Sensibilisierung für körperfremde Stoffe, die Allergene. Das Immunsystem erkennt die fremden Stoffe und löst eine Reaktion aus, bei der Antikörper gebildet werden. Diese werden IgE-Antikörper genannt und sie binden hauptsächlich an Mastzellen (an den FcεR1 Rezeptor). Mastzellen zirkulieren im Blutkreislauf sowie im Gewebe. Sie sind bei Immunreaktionen dafür verantwortlich, gegebenenfalls Botenstoffe wie Heparin und Histamin auszuschütten, um die Immunreaktion und Abwehr zu verstärken.
Trifft also eine Mastzelle, an die sich IgE-Antikörper gebunden haben, auf ein Allergen, werden die gespeicherten Botenstoffe (Histamine, Proteasen oder verschiedene Zytokine) freigesetzt. Dieser Vorgang löst eine sofortige allergische Reaktion aus, die sich durch Niesen, Husten, Atemnot, Juckreiz oder Hautrötungen bis hin zu Durchfall oder Magenschmerzen äußern kann. Die schlimmste Folge einer allergischen Reaktion ist der allergische Schock (Anaphylaxie), der lebensbedrohlich sein kann. Dieser wird bei einem systemischen Kontakt mit Allergenen ausgelöst. Das kann passieren, wenn das Allergen in den Blutkreislauf gelangt, wie es beispielsweise bei einer Hypodesensibilisierung der Fall ist.

Gründe für die Entwicklung von Allergien

Obwohl immer mehr Menschen von einer Allergie betroffen sind, ist die Ursache der Entstehung noch immer nicht geklärt. Die Forscherin Margie Profet stellte im Jahr 1991 ihre „Toxin-Hypothese“ vor, die das erste Mal von einer positiven Funktion der allergischen Reaktion ausgeht. Sie beinhaltet, dass diese Reaktionen dem Körper bei der Abwehr von Giftstoffen helfen und somit das Immunsystem unterstützen. Damals gab es für diese Hypothese allerdings noch keine ausreichenden Belege. Das ändert die erwähnte aktuelle Studie, denn sie bietet nun erstmals einen tieferen Einblick in die Funktion von Allergien. Sie zeigt auch, dass durchaus eine Verbindung zu der „Toxin-Hypothese“ besteht, denn allergische Reaktionen sind bei der Abwehr anderer toxinproduzierender Organismen beteiligt.

Schützende Allergiereaktion bei Mäusen

Die Forschenden führten einen Versuch durch, bei dem Mäuse dem Bakterium Staphylococcus aureus ausgesetzt wurden und eine Allergie in Form einer milden Hautinfektion entwickelten. Im weiteren Verlauf der Untersuchungen zeigte sich, dass die Mäuse aufgrund der allergischen Reaktion vor einer erneuten Infektion geschützt waren. Während der Immunantwort bildeten die Tiere spezifische IgE-Antikörper gegen Bestandteile des Bakteriums. Diese Immunreaktion erhöhte ihre Resistenz gegenüber schweren Infektionen. Die Mäuse, die diese Antikörper nicht entwickelten, hatten dementsprechend keine Schutzfunktion gegen das Bakterium. Der Krankheitserreger S. aureus weist häufig Antibiotikaresistenzen auf und äußert sich meist durch Hautinfektionen. In schlimmen Fällen kann er jedoch auch den Blutkreislauf und das Knochenmark infizieren sowie Lungenentzündungen hervorrufen. Hinzu kommt, dass der Erreger oft im Zusammenhang mit allergischem Asthma oder atopischer Dermatitis steht.

Schützen Allergien auch uns?

Die Studienergebnisse liefern wichtige neue Erkenntnisse bezüglich Allergien und damit verbundene Schutzfunktionen. Es deutet viel daraufhin, dass allergische Reaktionen dem Körper nicht ausschließlich schaden, sondern auch einen gewissen Schutz mit sich bringen. Das Forschungsteam kam nach ausführlichen Untersuchungen zu dem Schluss, dass dies vor allem auf die Abwehr von toxinproduzierenden pathogenen Bakterien zutrifft. Somit haben Allergien und allergische Reaktionen doch eine positive Seite, die vielleicht manchen Personen dabei helfen, die unangenehmen Nebenwirkungen aus einem etwas positiveren Blickwinkel zu sehen.

Die positive Seite von Allergien: Schutzfunktion vor bakteriellen Infektionen

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