Krätze-Fälle im Klinikum Coburg


„Ich krieg´ die Krätze!“ Diesen unfeinen umgangssprachlichen Kraftausdruck kennt jeder. Aber existiert die sich dahinter verbergende Krankheit in der heutigen Welt überhaupt noch? Der Gedanke kommt unwillkürlich auf bei folgender Meldung:

Krätze-Ausbruch in Coburg

Im Klinikum Coburg sind mehrere Patienten an Krätze erkrankt. Dies berichtet die „Neue Presse Coburg“ und beruft sich auf eine Sprecherin des Regiomed-Kliniken Verbundes, Birgit Schwabe. Klinikleitung und Ärzteteam wiesen darauf hin, dass die ansteckende Hauterkrankung, die im Fachjargon Scabies (auch Skabies) heißt, offenbar verstärkt in der Region auftritt.

Krätze ist eine parasitäre Hautkrankheit. Sie wird durch die Krätzemilbe verursacht. Die halbkugelförmigen, 0,3–0,5 Millimeter großen Weibchen bohren sich in die Oberhaut und legen dort in den Kanälen (sogenannte Milbengänge) Kotballen und ihre Eier ab. Ihre Absonderungen bringen Bläschen, Pusteln, Quaddeln und Furunkel hervor, was wiederum Juckreiz auslöst, der wochenlang anhält. Wenn die Betroffenen sich dann kratzen bilden sich zusätzlich Kratzwunden, die auch Verkrustungen entwickeln können.

Kein Zusammenhang mit mangelnder Hygiene

Krätze wird oft mit unhygienischen Verhältnissen und Verwahrlosung assoziiert. Dabei haben Krätzemilben nicht unbedingt mit unhygienischen Lebensverhältnissen zu tun, sondern breiten sich − ähnlich wie Läuse – dort aus, wo viele Menschen zusammenkommen. Betroffen sind besonders Alten- und Pflegeheime, aber auch Kindergärten, Schulen und (siehe oben) sogar Krankenhäuser. Krätze wird von Mensch zu Mensch durch Hautkontakt übertragen. Eine Übertragung durch Textilien ist wahrscheinlich auch möglich.

Krätze ist selten, kommt aber vor

Weil es keine belastbaren Zahlen gebe, wisse man nicht, ob die Krätze heute häufiger auftritt als früher, sagt Prof. Hermann Feldmeier vom Institut für Mikrobiologie und Hygiene an der Charité Berlin und Mitautor eines Krätze-Ratgebers des Robert Koch-Instituts. Aufschlussreich ist es jedoch, die Zahlen der Verordnung von Krätze-Medikamenten zu betrachten. So wurde  Infectoscab 2007 56.000 mal verordnet, 2012 hingegen 79.000 mal. Das geht aus Daten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor, das jährlich den Arzneiverordnungs-Report veröffentlicht. „In den vergangenen Jahren lässt sich offenbar eine Zunahme der Verordnungen feststellen. Infectoscab war 2012 unter den meistverordneten Arzneimitteln auf Platz 1340, im Jahr 2007 belegte es noch Rang 1898“, berichtet WIdO-Mitarbeiter Carsten Telschow.

Demnach kommt Krätze also durchaus häufiger vor, als man zunächst annehmen möchte. Es ist aber weiterhin nur eine selten auftretende Krankheit. Zumindest in Deutschland.

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