Wadenkrämpfe: So können Sie gegen die Schmerzen vorgehen

Zahlreiche Menschen leiden in regelmäßigen Abständen unter schmerzhaften Krämpfen in den Waden. Meist kommen sie plötzlich nachts und reißen Betroffene aus dem Schlaf. Die Schmerzen können mehrere Minuten andauern, sodass die Nachtruhe beträchtlich gestört ist. In den meisten Fällen ist das Leiden harmlos, es kann im Alltag allerdings zu einer starken Belastung werden. Fachleute haben nun erläutert, was Betroffene tun können, um wieder Lebensqualität zurückzugewinnen.

Krämpfe sind ein neurologisches Problem

Es gibt zwar ein paar bekannte Hausmittelchen gegen Wadenkrämpfe, doch Dehnen und Magnesium verschaffen nicht allen Leidenden die erhoffte Linderung. Der Deutschen Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN) zufolge, können Betroffene, die oft lang andauernde und starke Wadenkrämpfe bekommen, auf Chininpräparate zurückgreifen. Diese haben sich im Rahmen einer neuen Studie als durchaus effektiv und nebenwirkungsarm herausgestellt.
Fast jeder musste in seinem Leben bereits die Erfahrung machen, durch massive Krämpfe in den Waden aus dem Schlaf gerissen zu werden. In den meisten Fällen dauern die Schmerzen nicht länger als ein paar Minuten, sodass nicht unbedingt etwas unternommen werden muss – außer dieses Phänomen tritt häufiger oder sogar sehr regelmäßig auf. Wie die DGN mitteilte, entstehen die unbeliebten Krämpfe jedoch gar nicht in der Wadenmuskulatur, wie meist angenommen wird. Es handelt sich demnach nicht um muskuläre Beschwerden, sondern neurologische. Die Wadenkrämpfe werden durch spontane Depolarisierungen der Nervenmembranen verursacht. Dadurch bilden sich Aktionspotenziale aus, Nervenimpulse, die letztendlich einen „Erregungssturm“ in der Muskulatur auslösen.

Risikofaktoren

Laut den Angaben können Elektrolytverschiebungen die Reizbarkeit der Nerven um die Muskeln herum erhöhen und so die Entstehung von Krämpfen fördern. Dies erklärt womöglich auch, warum Wadenkrämpfe bei den meisten Patienten vermehrt in den Sommermonaten auftreten, denn zu dieser Zeit schwitzt der Körper stärker und es wird gegebenenfalls nicht immer genug Wasser zugeführt. Es gibt allerdings noch weitere Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit für Krämpfe steigern. Ist die Schutz- bzw. Isolierschicht der Nervenfasern bereits etwas dünn oder geschädigt, so erhöht dies beispielsweise das Risiko für krampfverursachende Impulsentladungen.
Eine derartige Demyelinisierung kann durch diverse Krankheiten ausgelöst werden. Dazu gehören beispielsweise diabetische Neuropathie (Polyneuropathie) und Schilddrüsenerkrankungen. Auch Alkohol, Medikamente oder Vitamin-B-Mangel vergrößern die Gefahr. Ältere Menschen sind somit empfänglicher für Wadenkrämpfe als jüngere. Tatsächlich kann der Grund aber auch mechanischen Ursprungs sein. Senkt man die Zehenspitzen nach unten, wird der Wadenmuskel verkürzt und es kann leichter zu Krämpfen kommen. Dies ist zum Beispiel beim Gehen in High Heels der Fall, aber auch wenn der Fuß durch eine schwere Decke oder Ähnliches nach unten gedrückt wird. Warum dieses Phänomen bei dieser „Bewegung“ vermehrt auftritt, ist jedoch unklar. Vermutlich geraten die empfindlichen Nervenendstrecken im Muskel durch Gewebsverschiebungen unter Druckspannung, sodass elektrische Entladungen begünstigt werden. Wird der Fuß dann nach oben in die entgegengesetzte Richtung gestreckt, lässt der Schmerz nach. Hier empfiehlt es sich tatsächlich den verkrampften Muskel zu dehnen.
Tipps zur Prävention
Um Wadenkrämpfen vorzubeugen, empfiehlt die Leitlinie regelmäßige passive Dehnübungen der Muskulatur. Die Wirksamkeit ist hier zwar umstritten, da diverse Studien diese unterschiedlich bewerteten, schaden tun sie jedoch keinesfalls. Darüber hinaus wird zur Einnahme von Magnesium geraten. Auch wenn dessen Effektivität ebenfalls bislang nicht ausreichend belegt ist, sollte ein Versuch damit gestartet werden. Magnesium hat eine Stabilisierung an der Muskelmembran, sowie eine Verringerung der Aktionspotenziale zur Folge. Zahlreiche Menschen berichten, dass es ihnen gegen die Muskelkrämpfe hilft. Solange Magnesium nicht überdosiert wird, hat es keine Nebenwirkungen und ist vollkommen harmlos. Lediglich Personen mit eingeschränkter Nierenfunktion sollten sich vor einem langfristigen Konsum mit ihrem Nephrologen beraten.
 
Was Magnesium alles kann und bei welchen Krankheiten eine Einnahme sinnvoll ist, verraten wir Ihnen hier:

Magnesium & Magnesiummangel: Bei diesen 6 Krankheiten hilft Magnesium! Folgen & Symptome von Mangel

Neue Erkenntnisse sprechen für Chininpräparate

Werden die Beschwerden mit diesen Maßnahmen nicht besser und stören Ihren Alltag und ihre Schlafqualität immens, sollten Sie einen Arzt konsultieren. Dieser kann eine genaue Diagnose stellen und helfen, die Ursache zu bekämpfen. Wurden alle therapierbaren Auslöser ausgeschlossen und eine Behandlung Magnesium ist erfolglos geblieben, sollten der aktuellen Leitlinienempfehlung zufolge bei häufigen und starken Krämpfen Chininpräparate angewendet werden. Diese könnte nun allerdings reformiert werden, denn eine neue Studie, die in dem Fachjournal „MMW-Fortschritte der Medizin“ erschienen ist, wurde die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Chininsulfat im Versorgungsalltag an Patienten mit schmerzhaften nächtlichen Wadenkrämpfen getestet und letztendlich bestätigt. Häufigkeit, Dauer und Intensität der Krämpfe nahmen bei den meisten Probanden ab, die Nebenwirkungen befanden sich im tolerablen Bereich. Unerwünschte Begleiterscheinungen gab es bei 35 der 592 Teilnehmer, jedoch war keine davon schwer. Somit eröffnet dieses Ergebnis die Option Chininpräparate vermehrt bei Menschen mit Wadenkrämpfen einzusetzen.

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