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Neue Studie zeigt: Smartwatches verraten Parkinson-Risiko

von Anna-Lena Schachtner Posted on 18.07.2023 05:5414.07.2023 17:46

Etwa 400.000 Menschen in Deutschland leiden an der sogenannten Parkinson-Krankheit, welche durch motorische Beeinträchtigungen und geistigen Verfall gekennzeichnet ist. Forscher aus Großbritannien haben nun entdeckt: Ob man später einmal an Parkinson erkranken wird, können einem Smartwatches verraten.

Massensterben von Gehirnzellen

Ständiges Zittern, steife Muskeln, langsame Bewegungen und Gleichgewichtsprobleme: Diese motorischen Symptome vermindern die Lebensqualität vieler an Parkinson erkrankter Menschen. Die Betroffenen „frieren“ außerdem häufig mitten in der Bewegung ein, haben Probleme beim Sprechen und Schlucken und leiden oft zusätzlich an Schlafstörungen oder kognitiven Einschränkungen. Medikamente oder eine tiefe Hirnstimulation können die Symptome lindern, die Krankheit jedoch nicht heilen.

Die Ursache für Parkinson liegt tief im Gehirn: In der sogenannten schwarzen Substanz im Mittelhirn gehen zunehmend Nervenzellen zugrunde, die den wichtigen Botenstoff Dopamin produzieren. Dadurch entsteht ein Mangel an Dopamin und der Haushalt anderer Botenstoffe gerät durcheinander, sodass die Steuerung der Motorik gestört wird. Die Konsequenz: die für Parkinson typischen Bewegungsstörungen. Wie es allerdings überhaupt dazu kommt, dass die Zellen im Mittelhirn absterben, ist noch nicht abschließend geklärt. Vermutlich spielen dabei Eiweißablagerungen im Gehirn eine Rolle.

Warum eine frühe Diagnose wichtig ist

Ein Großteil der von Parkinson Betroffenen erhält die Diagnose im Alter von 55 bis 60 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt sind meist schon etwa die Hälfte bis drei Viertel der Dopamin produzierenden Zellen abgestorben. Die Krankheit frühzeitig zu erkennen hat daher in der Forschung schon seit langem eine hohe Priorität. Zwar kann der Nervenzelltod nach derzeitigem Forschungsstand dennoch nicht aufgehalten werden, doch eine frühe Diagnosestellung könnte die Entwicklung von Therapieansätzen ermöglichen, die bei frühen Krankheitsstadien ansetzen. Wissenschaftler der Cardiff University in Großbritannien haben nun einen Weg gefunden, mit dem Diagnosen zukünftig schon sehr früh gestellt werden könnten – und zwar mithilfe von Smartwatches. Diesen beschreiben sie in ihrer Studie, die kürzlich im renommierten Journal „Nature Medicine“ erschienen ist.

Smartwatches erkennen frühe Symptome

Schon lange vor dem Einsetzen der typischen Parkinson-Symptome können gewisse Auffälligkeiten auf die Krankheit hinweisen. So haben die Betroffenen häufig schon sehr früh Probleme mit der Feinmotorik, etwa beim Schreiben oder Gehen. Generell ist es typisch für den Krankheitsverlauf, dass sich Bewegungen zunehmend verlangsamen. Die britischen Forscher hatten daher eine Vermutung: Daten von Smartwatches über die Geschwindigkeit und Beschleunigung von Bewegungen könnten eine frühe Diagnose ermöglichen.

Um ihre Hypothese zu überprüfen, analysierten die Wissenschaftler Bewegungsdaten von über 500.000 Menschen im Alter zwischen 40 und 69 Jahren, die bis ins Jahr 2006 zurückreichten. Diese Informationen wurden verwendet, um vorherzusagen, welche der Probanden schließlich an Parkinson erkrankten. Auch aus Daten zu genetischen Faktoren, dem Lebensstil und den Blutwerten wurden Vorhersagemodelle gebildet und mit den Bewegungsdaten verglichen. Das Ergebnis: Durch die Bewegungen der Probanden konnten zuverlässig diejenigen Menschen identifiziert werden, die bereits eine Parkinson-Diagnose hatten. Außerdem konnten Patienten ausfindig gemacht werden, die sich erst im Anfangsstadium der Krankheit befanden und ihre Diagnose teilweise erst sieben Jahre später erhielten. Die anderen Vorhersagemodelle waren dazu nicht besser in der Lage.

Smartwatches könnten bald Diagnosen stellen

Laut Dr. Cynthia Sandor, einer der beteiligten Forscherinnen, bedeuten die Befunde folgendes: Daten aus Smartwatches sind geeignet, um Menschen zu finden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit an Parkinson erkranken werden. Vorhersageparameter wie Blutwerte oder das Erbgut müssen aufwendig und kostenintensiv in ärztlichen Untersuchungen erhoben werden – Smartwatches hingegen werden von Millionen von Menschen benutzt und sind in der Lage, ganz nebenbei wichtige Bewegungsdaten aufzuzeichnen. Zwar sind noch weitere Studien nötig, um die klinische Nützlichkeit der Smartwatches zu bestätigen – doch die Erkenntnisse bilden eine Ausgangsbasis, um die Parkinson-Krankheit zukünftig früher diagnostizieren zu können.

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