Menschliche Art der Fortpflanzung schützt vor Krebserkrankungen

Seine Art sich fortzupflanzen ist für den Menschen mit diversen gesundheitlichen Risiken verbunden – nichtsdestotrotz haben sich zahlreiche Organismen diese Methode im Laufe der Evolution angeeignet. Forscher haben sich kürzlich mit der Fragestellung beschäftigt, inwieweit unsere Art der Fortpflanzung evolutionär vorteilhaft ist. Neueste Studienergebnissen zufolge schützt diese Form der Reproduktion vor bestimmten Krebsarten.

Mehrzahl der Organismen setzt auf sexuelle Reproduktion

Im Rahmen der aktuellen Forschungsarbeit der Université de Montpellier und der University of Tasmania wurde erkannt, dass die menschliche Methode zur Fortpflanzung vor einigen Arten von Krebs zu schützen scheint. Die Untersuchungsergebnisse sind im englischsprachigen Fachjournal „PLOS Biology“ erschienen.
Die Studie beschäftigte sich mit der Thematik, wieso 99 Prozent der Eukaryoten auf sexuelle Reproduktion setzen. Den Wissenschaftlern zufolge könnte diese Vorgehensweise sogenannte Cheater-Zellen oder übertragbare Krebszellen aufhalten. Bei einigen Tieren wie Hunden, bestimmten Muscheln oder Tasmanischen Teufeln gibt es seltene übertragbare Krebsarten. Cheater-Zellen bedrohen die restlichen Zellen, da sie die Zellengemeinschaft für egoistische Zwecke ausnutzen.

Nutzen und Risiken der asexuellen Fortpflanzung

Bei asexueller Reproduktion wird kein Partner benötigt. Sie ist daher unkompliziert, zeit- und energiesparend. Auch für den Menschen wäre sie eine einfache Alternative, da die Anstrengungen der Partnersuche entfallen. Allerdings gibt es dennoch einige Gründe, die eine sexuelle Fortpflanzung vorteilhafter machen. Es gibt zwei Elternteile, sodass die Wahrscheinlichkeit schädlicher Genmutationen minimiert wird. Darüber hinaus fördert sie Resistenzen gegen Parasiten und Krankheitserreger.
Zahlreiche Organismen haben sich bereits auf eine Weise entwickelt, die Krebs weitgehend verhindert, beispielsweise anhand von Prozessen im Immunsystem. Um ihr Überleben zu sichern und sich zu vermehren, mussten die ersten mehrzelligen Organismen interne Cheater-Zellen und auch infektiöse bösartige Zellen von außen bekämpfen. Da die asexuelle Fortpflanzung jedoch zu identischen Organismen führt, steigt das Risiko von übertragbaren Krebsarten befallen zu werden.

Sexuelle Fortpflanzung hat viele Vorteile

Sexuelle Fortpflanzung reduziert das Infektionsrisiko, sowie die Wahrscheinlichkeit, dass eine Infektion an die Kinder weitergegeben wird. Darüber hinaus sind übertragbare Krebsarten weniger wahrscheinlich mit den Zellen ihres Wirts kompatibel, wenn diese sexuell produziert wurden. Möglicherweise kann das Immunsystem bedrohliche Eindringlinge so schneller erkennen und abtöten. Die Beliebtheit der sexuellen Fortpflanzungsweise in der Natur lässt vermuten, dass die selektiven Kräfte hinter der Evolution des Geschlechts sehr stark sind.
Tumoren verursachende Prozesse in mehrzelligen Organismen sind allgegenwärtig und die potenziellen Ansteckungswege vielfältig – daher scheint die Evolution die sexuelle Fortpflanzung zu fördern. Auch wenn diese mit eigenen Risiken verbunden ist, so sorgt sie trotzdem für robustere Nachkommen mit einer höheren Überlebenswahrscheinlichkeit. Die neuen Erkenntnisse aus der Studie sollen den Weg für die intensivere Ergründung der unterschätzten Bedeutung sogenannter onkogener Prozesse bei der Gestaltung der Biologie, Ökologie und Evolution ihrer mehrzelligen Wirte bereiten.

Vorteilhafte Entwicklung durch Sex

Eine andere Forschungsarbeit des Instituts für Biophysik der Universität Köln entdeckte, dass eine asexuelle Reproduktion den generellen Zellapparat vermehrt abnutzt. Dies stellt einen Grund für den Vorteil von Sex im Laufe der Evolution dar. Mutationen bei der Fortpflanzung ohne geschlechtliche Vereinigung haben stärkere negative Effekte als bisher bekannt.
Im Rahmen der Untersuchung wurde speziell die Physik innerhalb der Bakterien analysiert. Eiweißbausteine und ihre biochemischen Prozesse bilden die Lebensgrundlagen von Zellen. Die Proteine sind für diverse Aufgaben in den Zellen zuständig, darunter der Transport von Molekülen, das Katalysieren chemischer Reaktionen und die Bestimmung von Signalstoffen. Die Studie befasste sich mit den Auswirkungen von Genmutationen auf die Abnutzung – mit eindeutigem Fazit: Asexuelle Fortpflanzung erhöht den Abnutzungseffekt der Mutation mehrfach im Vergleich mit bisher erstellten Evolutionsmodellen. Sexuelle Fortpflanzung hingegen kann die Abnutzungen der Zellen sogar reparieren. Der größere Teil der Organismen vermehrt sich daher durch Sex – die Verschmelzung zweier Genome bringt ein neues Individuum hervor.

Bessere Behandlungen möglich

Gefährliche Krebszellen entwickeln sich im Laufe des menschlichen Lebens – sie kombinieren ihr Genom jedoch nicht neu. Vereinfacht formuliert: Die Zellen reproduzieren sich ohne Sex. Werden entsprechende Prozesse aber besser verstanden, können auch die Schwächen von Krebszellen in der Reproduktion aufgedeckt werden – und für zukünftige Therapien gegen Krebserkrankungen verwendet werden. Nachlesen können Sie die detaillierten Studienergebnisse in der englischsprachigen Fachzeitung „Nature Communications“.

Was meinen Sie?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

No Comments Yet.