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Erste Daten zu Omikron: Mehr Immunflucht, dafür weniger schwere Verläufe

von Katya Müller Posted on 12.01.2022 06:0911.01.2022 16:28

Die neue Variante des Coronavirus SARS-CoV-2 erobert zurzeit die Welt im Sturm. Überall, wo die Omikron getaufte Mutation schon eingetroffen ist, schnellen die Infektionszahlen in die Höhe. Entscheidungsträger begegnen ihr daher mit Vorsicht. Doch erste Daten aus Großbritannien machen Hoffnung: Zwar ist die Variante scheinbar besser darin, den durch die Impfung hervorgerufenen Antikörpern zu entgehen. Gleichzeitig treten aber schwere Erkrankungen der Lunge auch seltener auf. Zu diesen Schlüssen kommt ein Forschungsteam der University of Cambridge. Die Studienergebnisse sind auf dem Preprint-Server „bioRxiv“ veröffentlicht.

Immunantwort im Labor untersucht

Gegen Ende des Jahres 2021 – Europa war gerade mit der Delta-Welle beschäftigt – gab Südafrika bekannt, eine neue, besorgniserregende Variante des Coronavirus entdeckt zu haben. Die Variante B.1.1.529 wies besonders viele Mutationen am Spike-Protein auf, der Hülle des Coronavirus. Experten mutmaßten daher schon früh, dass es daher zu einer sogenannten Immunflucht kommen könnte: Antikörper durch Impfung oder durchgemachte Infektion wären weniger wirksam. Die Forschenden der Universität von Cambridge untersuchten die Vermutung, indem sie synthetische Pseudoviren, denen sie Schlüsseleigenschaften von Delta und Omikron gaben, an verschiedenen Blutproben testeten. So konnten sie unter sicheren Bedingungen beobachten, wie das Blut von doppelt beziehungsweise dreifach geimpften Personen auf die Viren reagierte.

Boostern lohnt sich

Die Ergebnisse der Laboruntersuchung deckten sich mit den Erwartungen: Um Omikron-Viren zu neutralisieren, war etwa das zehnfache an Serumantikörpern (Antikörper im Blut) vonnöten als für Delta-Viren. Auffällig war außerdem, dass die Antikörper, die durch zwei Impfungen mit dem Präparat von AstraZeneca hervorgerufen wurden, gegen die neue Variante nichts ausrichten konnten. Erfolgreich im Kampf gegen die 50-fach mutierte Variante zeigte sich dagegen eine dritte Dosis des BioNTech-Impfstoffs Comirnaty. Allerdings geben die Forschenden dabei zu bedenken, dass unklar ist, wie lange dieser Schutz anhält. In einer Pressemitteilung äußert sich der Leiter der Forschungsgruppe Professor Gupta dazu: „Die Omikron-Variante scheint viel besser als die Delta-Variante in der Lage zu sein, neutralisierende Antikörper bei Personen zu umgehen, die nur zwei Dosen des Impfstoffs erhalten haben. Eine dritte Auffrischungsdosis mit dem Impfstoff von Pfizer konnte dies kurzfristig ausgleichen, obwohl wir immer noch erwarten, dass die Immunität mit der Zeit abnimmt.“

Weniger effizient beim Befallen von Lungenzellen

Zusätzlich zur Immunantwort untersuchten die Forschenden, wie effektiv Omikron Lungenzellen infizierte. Dafür nutzten sie wieder Pseudoviren, sowie „Mini-Lungen“, sogenannte Organoide, die Teile der Lunge modellieren. Dabei wurden die Wissenschaftler überrascht: Aufgrund von drei bestimmten Mutationen hatten sie eine gesteigerte Infektion der Lungenzellen erwartet. Doch die Untersuchungen zeigten, dass Omikron die künstlichen Lungenzellen sogar weniger effizient infizierte als Delta. Hinzu kam, dass sich in einer Untersuchung mit einem lebenden Omikron-Virus herausstellte, dass sich die neue Variante auch schlechter replizierte als Delta. Professor Gupta bemerkt: „Wir vermuten, dass die Krankheit umso schwerer sein könnte, je effizienter das Virus unsere Zellen infiziert. Die Tatsache, dass Omikron nicht so gut in Lungenzellen eindringt und dass es im Labor weniger fusionierte Zellen mit niedrigeren Infektionsraten verursacht, deutet darauf hin, dass diese neue Variante eine weniger schwere lungenassoziierte Krankheit verursachen könnte.“

Ein zweischneidiges Schwert, das Vorsicht verlangt

Für den Experten der University of Cambridge sind das zwei wichtige Erkenntnisse: „Es sind zwar noch weitere Arbeiten erforderlich, um diese Ergebnisse zu bestätigen, aber insgesamt deutet dies darauf hin, dass die Mutationen von Omikron dem Virus ein zweischneidiges Schwert in die Hand geben: Es ist besser darin geworden, sich dem Immunsystem zu entziehen, aber es könnte auch etwas von seiner Fähigkeit verloren haben, schwere Krankheiten zu verursachen.“ Professor Gupta mahnt aber auch zur Vorsicht: „Omikron stellt immer noch eine große Herausforderung für die öffentliche Gesundheit dar. Personen, die nur zwei Dosen des Impfstoffs erhalten haben – oder schlimmer noch, gar keinen -, sind immer noch einem erheblichen Risiko ausgesetzt, an COVID-19 zu erkranken, und einige von ihnen werden eine schwere Krankheit entwickeln. Die schiere Zahl der neuen Fälle, die wir jeden Tag sehen, unterstreicht die Notwendigkeit, dass sich alle so schnell wie möglich impfen lassen.“

Erste Daten zu Omikron: Mehr Immunflucht, dafür weniger schwere Verläufe

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