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Corona-Impfstoff: Hoffnung aus Deutschland

von Elisabeth Rabl Posted on 13.11.2020 11:5113.11.2020 13:54

Gibt es endlich eine Lösung für die Corona-Pandemie? Das deutsche Unternehmen BioNTech aus Mainz verkündete positive Ergebnisse für die letzte Phase seiner Impfstoffentwicklung. Damit ist dies der weltweit erste Erfolg für einen Impfstoff der klinischen Phase III, die für die Zulassung entscheidend ist und an der tausende Probanden teilnahmen. Und dabei soll er einen mehr als 90-prozentigen Schutz bieten.

Hoffnung made in Germany

Gemeinsam mit seinem US-amerikanischen Partner Pfizer stellte BioNTech den Impfstoff namens BNT162b2 vor, der nun vielversprechende Erfolge zeigte. Von den rund 43.500 Probanden der klinischen Testphase III erhielt eine Hälfte den neuen Impfstoff, die andere ein Placebo. Dabei kam es bis jetzt zu 94 Ansteckungen – fast ausschließlich in der Placebogruppe. Das Unternehmen schreibt von einer Wirksamkeitsrate von über 90 Prozent. Für einen Impfstoff ist das äußerst hoch – im Vergleich dazu hat eine Influenza-Impfung eine durchschnittliche Wirksamkeit von nur etwa 60 Prozent.
Der neue Impfstoff besteht aus einem Zwei-Dosen-Schema, die in einem Abstand von drei Wochen verabreicht werden. Schutz bieten soll er bereits 7 Tage nach der zweiten Dosis. Nebenwirkungen sind bisher keine nennenswerten aufgetreten. Vereinzelte Patienten berichten lediglich von leichten Kopf- und Gliederschmerzen, wie sie auch bei anderen Impfungen häufig auftreten können.

Wie wirkt der Impfstoff?

Es handelt sich um einen mRNA-basierten Impfstoff. Das bedeutet, dass er genetische Informationen des Virus enthält – genauer gesagt über das sogenannte Spike-Protein, mit dessen Hilfe SARS-CoV2 in den Organismus eindringen kann. Die Impfung liefert dem Körper eine „Bauanleitung“ dieses Moleküls, liest die Information ab und beginnt, das Virus-Protein zu produzieren. So lernt das Immunsystem es bereits kennen, ohne tatsächlich mit dem Virus in Kontakt gekommen zu sein – und es bildet Antikörper. Im Falle einer „echten“ Bekanntschaft existieren dann bereits Antikörper, die sich an das Spike-Protein binden und den Eingang verschließen.

Wann ist er verfügbar und wer wird zuerst geimpft?

Die EU-Kommission hat bereits einen Vertrag mit den beiden Unternehmen abgeschlossen, Anfang 2021 soll eine Impfung voraussichtlich verfügbar sein. Eine logistische Herausforderung wird noch die Verteilung des Impfstoffes: Denn dieser muss bei minus 70 Grad Celsius transportiert werden und ist im Kühlschrank nur etwa fünf Tage lang lagerbar. Ein Problem wird die Verteilung und der damit verbundene Aufwand vor allem für ärmere Staaten mit schlechterer Infrastruktur.
Eine weitere Frage betrifft die Priorisierung: Wer soll die Impfung zuerst erhalten? Die Ständige Impfkommission möchte in Deutschland nach Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) zunächst ältere Personen und Risikogruppen impfen, weiters im Gesundheitssystem tätige Personen, aber auch Einsatzkräfte wie Polizei, Feuerwehrleute oder Lehrpersonen, die erhöhten Kontakt mit potenziell Infizierten haben. In Österreich soll die Impfstrategie ähnlich aussehen.

Erfolg trotz Kritik

Es gibt aber auch Bedenken seitens Experten. Einige kritisieren etwa, dass es bisher keine altersspezifischen Daten zur Wirksamkeit gibt. Denn möglicherweise ist der Impfstoff nicht für alle Altersgruppen gleich gut verträglich beziehungsweise gleich wirksam. Geprüft werden muss auch, in welchem Maß die Impfung vor schweren Verläufen schützt. Die Impfstrategie müsse sich auch danach richten.
Der BioNTech-Impfstoff wäre außerdem der erste seiner Art: mRNA-Impfstoffe sind eine relativ junge „Erfindung“. Vergleichbare Impfstoffkandidaten sind dafür bekannt, dass es bei einem kleinen Teil der Geimpften zu Autoimmunreaktionen auf die Antikörper kommt. Die allgemeine Akzeptanz des Stoffes könnte damit sinken.
Trotzdem sind es gute Nachrichten, die das deutsche Unternehmen meldet. Virologe Florian Krammer von der Icahn School of Medicine in New York spricht gar von der „besten Nachricht, die er seit dem 10. Jänner erhalten habe“. Wenn weitere Daten die bisherigen Erfolge des Impfstoffes bestätigen, könnte es bald zu einer Zulassung kommen.

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