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Endometriose: Neue Antikörper-Behandlung für weniger Leid?

von Laura Pfundner Posted on 10.03.2023 05:5206.03.2023 18:50

Abgeschlagenheit, starke Krämpfe in Unterleibs- und Bauchraum bis hin zu Unfruchtbarkeit – all das sind Beschwerden, die durch Endometriose hervorgerufen werden. Es handelt sich dabei um eine Erkrankung, die jede zehnte Frau betrifft und dennoch als recht unbekannt gilt. Bis heute gibt es zwar noch keine Heilung, eine neue Antikörper-Behandlung könnte die Lebensqualität von Patientinnen in Zukunft jedoch erheblich verbessern.

Weiter Weg bis zur Diagnose

Endometriose bezeichnet eine chronisch verlaufende Erkrankung, die durch eine abnormale Wucherung der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutterhöhle gekennzeichnet ist. Sie tritt zwischen der Pubertät und den Wechseljahren auf. Die genaue Ursache für ihre Entstehung ist bis heute nicht vollständig geklärt. Im Durchschnitt vergehen rund zehn Jahre bis zur Diagnosestellung, da die Schmerzen oft als normale Regelbeschwerden abgetan werden. Bei den meisten Patientinnen hat das Leiden mit dem Eintreten der Wechseljahre ein Ende.

Heftig schmerzende Herde

Die Gebärmutterschleimhaut, auch Endometrium genannt, dient dem befruchteten Ei in der Gebärmutter als Platz zum Einnisten. Im Rahmen der Endometriose können sich sogenannte Herde, also Schleimhautansammlungen außerhalb der Gebärmutter, im gesamten Beckenbereich oder sogar Bauchraum entwickeln. Diese Schleimhaut verhält sich genauso wie das Endometrium – sie wächst und blutet im Einfluss der weiblichen Geschlechtshormone. Das führt zu starken Schmerzen und lokalen Entzündungsreaktionen vor allem vor und während der Menstruation, sie sind aber auch unabhängig davon möglich.

Im schlimmsten Fall kinderlos

Neben den starken krampfartigen Schmerzen, die auch während dem Geschlechtsverkehr vorkommen, können Müdigkeit und Erschöpfung auftreten. Es wird außerdem von einer erhöhten Infektanfälligkeit während der Menstruation berichtet. Je nachdem, wo die Endometrioseherde im Körper sitzen, können Rückenschmerzen oder auch Schmerzen und Funktionsbeeinträchtigungen beim Entleeren der Blase oder beim Stuhlgang auftreten. Oft bilden sich Verbrennungserscheinungen am Bauch der Patientinnen, da sie zur Schmerzlinderung in intensivem Maße auf Wärmflaschen zurückgreifen.
 
Eines der schwerwiegendsten Probleme für viele Betroffene ist, dass durch Herde an Eileitern oder Gebärmutterbändern die Fruchtbarkeit vermindert werden kann. Laut René Wenzl, Leiter des Endometriosezentrums der Medizinischen Universität in Wien, haben die Hälfte aller Patientinnen mit unerfülltem Kinderwunsch zu kämpfen. Außerdem seien 50 Prozent der Frauen, die in Kinderwunschzentren nach Hilfe suchen, Endometriose-Patientinnen.

Begrenzte Behandlungsmöglichkeiten

Die Endometriose gilt bis heute als unheilbar und auch ihre Behandlung ist schwierig. Zur Auswahl stehen nur eine Hormontherapie, die oft zusätzlich starke Nebenwirkungen mit sich bringt, oder eine Operation. In letzterer werden Endometrioseherde entfernt, in vielen Fällen bleibt es jedoch nicht bei einem Eingriff.

Vielversprechende Antikörper-Therapie?

Einem Forscherteam aus Japan ist es nun gelungen erste Erfolge für die Entwicklung einer neuen Therapiemöglichkeit für Endometriose zu verzeichnen. In ihren Untersuchungen an betroffenem Gewebe konnten sie feststellen, dass das Signalmolekül Interleukin-8 (IL-8) einen erheblichen Einfluss auf die Entzündungsvorgänge und typischen Gewebeverhärtungen hat. Somit gelang es den Forschern einen Antikörper zu entwickeln, der an IL-8 bindet und seine Auswirkungen verringert.
Erste Versuche wurden an einer bestimmten Makaken-Art durchgeführt. Sie verfügen nicht nur über physiologische, biologische und genetische Ähnlichkeiten zum Menschen, sondern erweisen sich auch als besonders geeignet durch ihren gleichartigen Menstruationszyklus. Dieser dauert in etwa 30 Tage und die weiblichen Affen können auch an Endometriose mit vergleichbarer Symptomatik erkranken.

Linderung ohne Nebenwirkungen

In einem Zeitraum von sechs Monaten injizierten die Forscher alle vier Wochen AMY109, so der Name der Antikörper, und erhielten vielversprechende Resultate: Es kam zu einer verminderten Bildung von Narbengewebe und fibrotischen Verhärtungen bei den Makaken-Weibchen. Außerdem konnten keinerlei negative Begleiterscheinungen festgestellt werden, denn im Gegensatz zu Hormontherapien werden bei der Antikörper-Behandlung weder der Menstruationszyklus noch der Hormonhaushalt beeinflusst. Wie es um eine Besserung der Fruchtbarkeit steht, konnte jedoch noch nicht ermittelt werden.

Ob nun in Zukunft eine monatliche Antikörper-Therapie das Leid von Endometriose-Patientinnen verringern kann, wird sich noch herausstellen. Davor braucht es jedenfalls noch eine Reihe klinischer Untersuchungen am Menschen und viel Geduld.

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