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Wie Supermärkte unser Essverhalten beeinflussen

von Adriana Schellander Posted on 12.09.2021 05:5810.09.2021 21:29

Eigentlich ist der Wocheneinkauf schon abgeschlossen, doch dann fällt einem bei der Kasse eine süße Versuchung ins Auge, auf die man einfach nicht verzichten kann: Diese Verkaufsstrategie hat sich bereits seit langem im Einzelhandel etabliert und erweist sich auch heute noch in vielen Fällen als rentabel. Geblendet vom schnellen wirtschaftlichen Erfolg wird die Gesundheit der Endverbraucher jedoch häufig außer Acht gelassen.

Gesundheitsförderndes Verkaufskonzept

Im Rahmen einer aktuellen Studie der University of Southampton wollten Forscher herausfinden, inwieweit die Platzierung der Waren im Supermarkt das Kaufverhalten der Konsumenten beeinflusst. Herkömmlichen Verkaufstaktiken zum Trotz vernachlässigten die Experten bei der Positionierung die gezielte Vermarktung von Süßigkeiten und priorisierten stattdessen den Verkauf von Obst und Gemüse. Im Zuge dessen wurden die beliebten Leckereien an der Kasse vollständig durch sogenannte Non-Food-Artikel und Wasser ersetzt. Während die Süßwarenabteilung ihrer vorteilhaften Position entzogen wurde, profitierte der Obst- und Gemüsesektor von einer umfangreichen Sortimentserweiterung.

Gesünderer Lebensstil dank verändertem Modell?

Die Kooperation mit einer nationalen englischen Supermarktkette ermöglichte den Spezialisten, das Projekt unter realistischen Bedingungen in die Tat umzusetzen. Über einen sechsmonatigen Zeitraum wurde an weiblichen Kunden im Alter von 18 bis 45 Jahren, die eine Treuekarte der Supermarktkette besaßen, mehrere Untersuchungen durchgeführt. Sowohl der Umsatz der drei beteiligten Niederlassungen als auch das Ernährungs- und Kaufverhalten der Konsumenten wurden im Verlauf der Experimente berücksichtigt.
Nach kurzer Zeit stellten die Forscher fest, dass eine veränderte Verkaufsstrategie tatsächlich gesundheitsbewusstes Einkaufen fördert: Da in erster Linie Obst und Gemüse auf eine verkaufsfördernde Art und Weise präsentiert wurden, konnten Kunden viel eher zum Konsum gesunder Nahrungsmittel ermutigt werden. Zuckerhaltige Produkte gerieten bei diesem Modell aufgrund mangelnder Marketingmaßnahmen hingegen relativ schnell in Vergessenheit.

Breiter Untersuchungsspielraum

Die positiven Auswirkungen dieses Experiments reichten allerdings weit über den Einkauf im Supermarkt hinaus: Viele Verbraucher wurden dazu angeregt, ihr Essverhalten kritisch zu hinterfragen und die Bedeutung gesunder Lebensmittel im Alltag anzuerkennen. Dadurch gelang es den Experten schlussendlich eine wesentliche Verbesserung der individuellen Ernährungsqualität in zahlreichen Haushalten zu erreichen. Den Fachleuten zufolge sticht das aktuelle Projekt insbesondere durch seine umfangreichen Untersuchungen hervor, die den Versuchsteilnehmern einen großen Handelsspielraum einräumen. Obwohl sich frühere Forschungsarbeiten bereits mit ähnlichen Thematiken beschäftigten, war das Untersuchungsspektrum bei diesen Experimenten meist auf einen Standort beschränkt. Zudem beeinträchtigte die eindeutige Klassifizierung in gesunde und ungesunde Waren die Aussagekraft der erzielten Resultate.

Vorteile für Wirtschaft und Gesundheitswesen

Ziel der aktuellen Studie war es aufzudecken, wie sich eine vollkommen umstrukturierte Geschäftsniederlassung auf den Unternehmensumsatz auswirkt. Doch auch die Gesundheit der Kunden stand im Zentrum des Interesses: Ein nachhaltiges Kaufverhalten soll den Fachleuten zufolge sowohl wirtschaftlichen als auch individuellen Interessen entgegenkommen und somit beiden Perspektiven einen Vorteil verschaffen.„Eine Änderung der Supermarktgestaltung könnte den Menschen helfen, eine gesündere Lebensmittelauswahl zu treffen und die Ernährung der Bevölkerung auf die Ernährungsempfehlungen der Regierung auszurichten. Die Ergebnisse unserer Studie deuten darauf hin, dass ein gesünderes Ladenlayout dazu führen könnte, dass in jedem Geschäft wöchentlich fast 10.000 zusätzliche Portionen Obst und Gemüse und etwa 1.500 Portionen Süßwaren weniger verkauft werden“, erläutert Studienautorin Dr. Christina Vogel von der University of Southampton.

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