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Alzheimer – ein weibliches Phänomen?

von Adriana Schellander Posted on 12.07.2021 15:4112.07.2021 14:05

Erinnerungslücken, sprachliche Verwirrung, Orientierungslosigkeit – die Symptome von Alzheimer sind vielfältig und können für Erkrankte und deren Angehörige sehr belastend sein. Aktuell leiden in Deutschland etwa 700.000 Menschen an dieser Form der Demenzerkrankung, die zu Störungen des Gedächtnisses und der geistigen Leistungsfähigkeit führt – zudem sind 70 Prozent der Betroffenen weiblich. Doch warum sind vor allem Frauen von der unheilbaren Störung betroffen?

Fehlerhafte Immunreaktion mit Folgen

Bei der Entstehung der neurodegenerativen Erkrankung kommt es zu Entzündungsprozessen und Ansammlungen von Eiweißstoffen, sogenannten Beta-Amlyloiden, im Gehirn. Im Körper gesunder Menschen werden die Proteine im gleichen Maß wieder abgebaut, in dem sie aufkommen. Im Fall von Alzheimer verzögert sich dieser Prozess – die Eiweißteilchen können nicht schnell genug entfernt werden und akkumulieren sich mit der Zeit. Es bilden sich sogenannte Amyloid-Plaques, die sich negativ auf Synapsen und Nervenzellen auswirken. Das menschliche Immunsystem interpretiert diese Ansammlungen fälschlicherweise als Bedrohung und beginnt entzündliche Stoffe freizusetzen, wodurch umliegenden Nervenzellen und Synapsen nachhaltig Schaden hinzugefügt wird. Obwohl sich die ersten Symptome normalerweise erst zwischen 70 und 80 Jahren zeigen, können die gefährlichen Eiweißablagerungen bereits im Alter von 50 bis 60 Jahren entstehen.

Östrogen und Lebenserwartung als Einflussfaktoren

Ein Hauptfaktor für die höhere Verbreitung der Erkrankung unter Frauen ist vor allem die höhere Lebenserwartung des weiblichen Geschlechts. In Deutschland leben Frauen im Schnitt vier Jahre länger als Männer. Da das Auftreten von Alzheimer mit einem hohen Alter korreliert, sind besonders weibliche Personen von der Krankheit betroffen. Laut der Neurowissenschaftlerin Lisa Mosconi seien die Gründe für die häufigere Betroffenheit von Frauen allerdings viel komplexer. Für die Expertin spielt vor allem das weibliche Sexualhormon Östrogen eine zentrale Rolle, welches über einen protektiven Effekt auf Nervenzellen und Synapsen verfügt.
Östrogen wird nicht nur in den Eierstöcken produziert, sondern auch in einem bestimmten Teil des Gehirns, dem Hippocampus. Dieser ist verantwortlich für viele kognitive Funktionen, unter anderem auch für die menschliche Lern- und Gedächtnisleistung. Während der Menopause wird der Anteil an Östrogen im weiblichen Körper drastisch reduziert. Dies kann nicht nur zu Schlafstörungen und psychischen Beschwerden führen, sondern auch zu mangelnder Gedächtnisleistung, denn die Synapsen verlieren ihren bisherigen Schutz.

Prävention durch mediterrane Ernährung und Sport

Mosconi betont, dass Alzheimer durch einen gesunden Lebensstil vorgebeugt werden kann. Besonders wichtig seien daher Maßnahmen zur Stressreduktion, da chronische Anspannung insbesondere der weiblichen Gedächtnisleistung schaden würde. Um dem entgegenzuwirken, empfiehlt sie regelmäßige Meditation, ausreichend Bewegung sowie genügend Schlaf. Doch auch was die Ernährung anbelangt, kann man laut Mosconi präventive Maßnahmen ergreifen: Sie rät zu mediterranen Lebensmitteln wie beispielsweise getrockneten Früchten, Sojaprodukten, Gemüse und Nüssen.
Diese würde nicht nur geschmacklich überzeugen, sondern auch zahlreiche gesundheitliche Vorteile mit sich bringen. Durch einen regelmäßigen Konsum mediterraner Produkte verringere sich nicht nur die Wahrscheinlichkeit, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes zu erkranken, sondern auch das Alzheimerrisiko. Dies liege daran, dass die empfohlenen Lebensmittel pflanzliches Phytoöstrogen enthalten, welche die Östrogenproduktion anregen.

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