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Evolutionäre Genomanalyse: Coronavirus-Masseninfektionen in der Steinzeit?

von Melissa Untersmayr Posted on 26.04.2021 16:2326.04.2021 15:14

In der Wahrnehmung vieler Menschen kam COVID-19 aus dem Nichts. SARS-CoV-2-ähnliche Erreger machten der Menschheit jedoch auch schon vor Ausbruch der Pandemie im Jahr 2019 zu schaffen. Tatsächlich soll es bereits vor mehr als 20.000 Jahren eine Coronavirus-Epidemie gegeben haben, welche auf den ostasiatischen Raum beschränkt war. Hinweise auf die prähistorische Coronaviren-Seuche konnten mittels einer evolutionären Genomdatenanalyse der University of Adelaide identifiziert werden.

Erbgut-Veränderungen durch Viren

Das menschliche Genom kann essentielle Auskünfte über die Evolution geben: Einige unserer genetischen Erbinformationen haben ihren Ursprung vor mehreren zehntausend Jahren, womit sie für die Wissenschaft umso interessanter sind. Durch die Analyse von Genomdatensätzen kann festgestellt werden, ob unsere Vorfahren mit gewissen Viren in Berührung gekommen sind. Diese Informationen würden in Zukunft möglicheriweise dabei helfen, Viren mit Pandemiepotenzial ausfindig zu machen. Dank einer Genomdatenanalyse von Forschenden der südaustralischen Universität Adelaide konnten nun signifikante Genveränderungen identifiziert werden, welche auf eine prähistorische Coronavirus-Epidemie zurückzuführen sind.

Genomveränderungen auf Ostasien begrenzt

Zehn ausgewählte Gene, die laut aktueller Forschungen in Interaktion mit Coronaviren (z.B. SARS, MERS, SARS-CoV-2) stehen, zeigten entsprechende Veränderungen. In den Untersuchungen wurde außerdem deutlich, dass SARS-CoV-2-ähnliche Viren bereits vor mehr als 20.000 Jahren existiert haben müssen. Gen-Adaptionen waren allerdings auf die Ahnen ostasiatischer Populationen beschränkt: Diese Erkenntnisse implizieren wiederum, dass es sich bei den steinzeitlichen Masseninfektionen höchstwahrscheinlich um eine Coronavirus-Epidemie in Ostasien handelte. Alle Ergebnisse der australischen Studie wurden auf dem englischen Biowissenschaften-Server „BioRxiv“ publiziert.

Prognose von Seuchen revolutioniert

Die Forschergruppe betont, dass zukünftige Pandemien besser vorhergesagt werden könnten, wenn eine intensivere Beschäftigung mit den uralten viralen Feinden der Menschen stattfinden würde. Beispielsweise zeigt sich im historischen Rückblick, dass Ostasien immer wieder geografischer Ursprung für den Ausbruch von Coronavirus-Epidemien war. Verantwortlich dafür ist vermutlich der große Selektionsdruck unter Coronaviren in dieser Region. Im Umkehrschluss bedeutet dies allerdings nicht zwingend, dass Populationen aufgrund früherer virusbedingter Genomveränderungen eine unterschiedliche Anfälligkeit für virale Epidemien aufweisen. Laut aktueller Studienlage ist die Entstehung und Entwicklung von COVID-19 beispielsweise vor allem von sozioökonomischen Faktoren beeinflusst.

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