West-Nil-Virus breitet sich in Deutschland aus – Müssen wir bangen?

In einigen Teilen Deutschlands breitet sich das West-Nil-Virus (WNV) weiterhin aus. Fachleute fanden in den letzten Monaten mehrere Infektionen mit dem Erreger bei Pferden und Vögeln. Menschen können sich ebenfalls anstecken. Bereits 2018 wurden in Europa viele Todesfälle gemeldet, die durch das Virus verursacht wurden.

WNV kann tödlich enden

Einer Mitteilung des Friedrich-Loeffler-Instituts zufolge wurde die von Mücken übertragbare Virusinfektion zwischen Juli und September dieses Jahres bei fünf Pferden aus Sachsen und Sachsen-Anhalt, sowie 37 Vögeln aus Berlin, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt diagnostiziert. Menschen können sich ebenfalls infizieren. 2018 wurde der erste West-Nil-Virus-Fall in Deutschland gemeldet.
Das Virus stammt aus Afrika, hat mittlerweile aber die meisten Kontinente (Europa, Asien, Australien, Afrika, Nord-, Zentral- und Südamerika) erreicht. Es ist vermehrt in tropischen Regionen zu finden. Menschen können daran schwer erkranken. Letztes Jahr wurden europaweit über 70 Todesfälle durch das Virus registriert. Das WNV wird durch blutsaugende Stechmücken verbreitet, die wichtigsten Wirte sind dabei Vögel.

Mehr Menschen werden erkranken

Lediglich ein Teil der infizierten Pferde zeigte Krankheitssymptome, da das Virus aber durchaus schwer verlaufen kann, wird zu einer Impfung von Pferden in den betroffenen Bundesländern geraten. Laut dem sachsen-anhaltinischen Landesamt gibt es für Pferde Impfstoffe von drei Herstellern gegen das Virus. Diese können für die Prävention genutzt werden.
Die meisten Pferde mit dem Virus weisen keine Symptome auf. Einige Tiere reagieren wegen einer Hirn- oder Hirnhautentzündung aber mit starken zentralnervösen Ausfallerscheinungen wie Ataxien, Muskelzittern, Stolpern, Nachhandlähmungen, allgemeiner Schwäche oder Lähmungen bis hin zum Festliegen.
In wenigen Fällen zeigen erkrankte Tiere fiebrige Allgemeinerkrankungen, die neurologischen Beschwerden überwiegen. Pferde mit klinischen Symptomen können die Infektion zwar überleben, in bis zu 20 Prozent der Fälle bleiben allerdings dauerhafte neurologische Schäden zurück. Eine Therapie gibt es noch nicht, es bleibt nur das Eindämmen der Symptome. 22-44 Prozent der Tiere sterben an der Infektion.
Darüber hinaus wurden in der gleichen Periode 37 Fälle bei Vögeln erkannt. Betroffen waren bei Wildvögeln Blau- und Kohlmeise, Habicht, Sperling und Uhu, bei Zoovögeln waren es unter anderem Andenflamingo, Bartkauz, Gebirgslori, Inka-Seeschwalbe, Japanmöwe, Kanarienvogel, Pelikan, Prachtreiher, Schneeeule, Schwalbensittich und Schuppensänger. Laut den Daten sind viel mehr Vogelarten betroffen als noch vor einem Jahr. Mittlerweile ist bei Pferden und bei Vögeln mit weiteren Infektionsfällen zu rechnen. Da die WNV-Fälle bisher in Regionen diagnostiziert wurden, die schon 2018 befallen waren (bis auf Brandenburg), gibt es Grund zur Annahme, dass das Virus in den einheimischen Stechmücken überwintern konnte.

Es existiert kein Schutz für Menschen

Die meisten Infektionen beim Menschen verlaufen unauffällig oder mild, zu der befürchteten schweren Infektion mit hohem Fieber und Meningitis oder Enzephalitis, die zu bleibenden Schäden führen und tödlich enden können, kommt es nur bei weniger als einem Prozent der Fälle. Ungefähr 20 Prozent der Patienten entwickeln aber eine fieberhafte Erkrankung, die drei bis sechs Tage dauert. Dabei kommt es plötzlich zu Fieber und grippeartigen Symptomen. Nur jeder 150. Infizierte erkrankt jedoch schwer. Ein Risikofaktor ist das Alter, Menschen über 50 Jahren und Immunsupprimierte bergen das höchste Risiko.
Eine Impfung gegen das WNV für den Menschen gibt es bisher nicht. Der beste Schutz besteht darin, sich erst gar nicht von Mücken stechen zu lassen. Dies erreicht man am besten durch die richtige Kleidung und Insektenschutzmittel, sowie die Eindämmung möglicher Brutstätten.

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