So bestimmen Blutdruck- und Cholesterinwerte die Lebensdauer

Kardiovaskuläre Erkrankungen sind mittlerweile ein verbreitetes Problem. Derartige Krankheiten schränken nicht nur die Lebensqualität ein, sondern reduzieren meist auch die Lebensdauer. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann allerdings signifikant verringert werden, indem die Blutdruck- und Cholesterinwerte über die gesamte Lebensspanne in Balance gehalten werden. Dies hat kürzlich eine Studie ergeben, an der auch Prof. Dr. Ulrich Laufs, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Leipzig, mitgewirkt hat.

Situation in Deutschland ist besorgniserregend

Erkrankungen des Herzens und der Gefäße stellen sowohl bei Männern als auch bei Frauen die häufigste Todesursache dar. Herzinfarkten und Schlaganfällen kann jedoch durch dauerhaft niedrige Blutdruck- und LDL-Cholesterinwerte überwiegend vorgebeugt werden. Zu diesem Resultat kam eine Untersuchung von Brian Ference von der Universität Cambridge, an der auch Prof. Dr. Laufs mitgearbeitet hat. Die Studie hat aufgezeigt, dass bereits eine kleine, aber anhaltende Reduktion des systolischen Blutdrucks und des LDL-Cholesterins das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen stark vermindert.
Dem Bundesministerium für Bildung und Forschung zufolge sind in Deutschland vier von zehn Todesfällen kardiovaskulären Erkrankungen geschuldet. In anderen Industrienationen fällt die Bilanz ähnlich aus. Zwar gibt es viele verschiedene Krankheiten, die das Herz-Kreislauf-System betreffen, es sind jedoch nur ein paar wenige, die einen großen Prozentsatz davon ausmachen. Bluthochdruck führt diese Liste an: Circa 20 Prozent aller Erwachsenen leiden darunter. Mit dem Alter steigt auch die Quote. Auf dem zweiten Platz liegt die koronare Herzkrankheit, eine Erscheinungsform von Arterienverkalkung oder Atherosklerose. Über drei Millionen Betroffene gibt es allein in Deutschland. Dazu kommen circa zwei Millionen Bundesbürger mit chronischem Herzversagen oder Herzinsuffizienz. Dabei nimmt die Pumpleistung des Herzens immer mehr ab.

Moderate Werte ein Leben lang sind der Schlüssel

Großbritannien zählt kardiovaskuläre Erkrankungen bei seinen Einwohnern ebenfalls zu den häufigsten Todesursachen. Brian Ference von der University Cambridge und sein Forschungsteam haben für die neue Untersuchung Daten von mehr als 400.000 Briten aus einer Biobank analysiert. Unter den Probanden waren 54 Prozent Frauen, das durchschnittliche Alter der Teilnehmer betrug 65,2 Jahre.
Die erstaunliche Erkenntnis: Wird der LDL-Cholesterinspiegel ein Leben lang um 39 mg/dl (11 mmol/1) gesenkt wird und der systolische Blutdruck gleichzeitig um 10 mmHg reduziert wird, ergeben sich ein 80 Prozent niedrigeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ein um68 prozent niedrigeres Risiko für einen kardiovaskulär bedingten Tod. Schon eine konstante Verminderung des Cholesterins um 15 mg/dl und des Blutdrucks um 5mmHg führen zu einem 50 Prozent geringeren Krankheitsrisiko. Die Werte müssen jedoch tatsächlich das ganze Leben lang so niedrig bleiben. Patienten mit Problemen des Herz-Kreislauf-Systems sind jedoch meist schon über 50 Jahre alt, ihr Blutdruck und Cholesterin haben die Innenwände der Gefäße bereits ein halbes Jahrhundert lang beeinflusst. Es ist somit entscheidend frühzeitig mit dem Messen zu beginnen und rechtzeitig durch entsprechende Maßnahmen für die Kontrolle der Werte zu sorgen. Vor allem körperliche Betätigung und Nichtrauchen haben hierbei einen positiven Einfluss, manchmal können aber auch Medikamente notwendig sein.
Eventuell könnte im Rahmen der U-Untersuchungen in Kindheit und Jugend bereits auf diese Werte geachtet werden. Laut Prof. Lauf bieten die neuen Studienergebnisse Anlass für eine entsprechende Diskussion.

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