Neue Forschung zeigt: So kann das Immunsystem Tumore bekämpfen

Eine neue Methode für die Überwindung der „Schutzhülle“ von Krebsgeschwüren könnte zukünftig bahnbrechende Ergebnisse in der Krebstherapie erzielen. Die Behandlung gibt dem Immunsystem eine realistische Chance gegen Tumore.

Bessere Heilungschancen von Krebs möglich

Im Rahmen einer aktuellen Studie der University of Birmingham wurde eine neue Methode ermittelt, die Krebsgeschwüre empfänglich für Angriffe des Immunsystems und sogenannte Immuntherapien werden lässt. Die Untersuchungsergebnisse wurden in dem englischsprachigen Fachjournal „EBio Medicine“ vorgestellt.
Auch wenn es sich bisher nur um eine Laborforschung im Frühstadium handelt, so sind die Resultate doch vielversprechend: Der Ansatz könnte in Zukunft tatsächlich dazu führen, dass der Effekt innovativer Krebsbehandlungen verbessert wird. Damit stellt die Therapiemethode eine neue Basis für die Bekämpfung solider Tumore dar.

Die Protektion von MDSC-Krebszellen

Die Wissenschaftler analysierten sogenannte myeloide Suppressorzellen (MDSC) im Blut von 200 Kindern und Erwachsenen, die vor Behandlungsbeginn mit Krebs diagnostiziert wurden. Myeloide Suppressorzellen senden diverse chemische Signale aus, welche Tumorzellen vor Angriffen durch das Immunsystem, sowie den Auswirkungen von Immuntherapien schützen können. Auch die Aktivierung von T-Zellen kann blockiert werden. Diese Zellen haben das Potenzial Tumorzellen zu zerstören. Ist eine hohe Anzahl MDSCs vorhanden, so sind die Erfolgschancen der Behandlung reduziert, da der Krebs unangreifbar sein kann und sich mit höherer Wahrscheinlichkeit ausbreitet. Ein Antikörpermedikament gegen Leukämie kann die Immunzellen abtöten, welche das Krebsgeschwür vor dem Immunsystem abschirmen. Eine kombinierte Anwendung der Antikörper mit Immuntherapien könnte die Erfolgsbilanz von Behandlungen signifikant steigern.

Wunderwaffe Gentuzumab-Ozogamicin

Bei der Untersuchung griffen die Forscher auf Blutproben von vielen Probanden zurück und konnten so aufdecken, dass bei vielen Krebsarten das Protein CD33 auf der Oberfläche von MDSCs existiert. Anhand der Verwendung des Antikörpers Gentuzumab-Ozogamicin gelang es dem Team jedoch, die MDSCs in den Proben abzutöten und die Angriffsfunktion von T-Zellen wiederherzustellen.
Darüber hinaus zeigten die Wissenschaftler, dass aktive MDSCs die Fähigkeit von CAR-T-Zellen verhindern. Die T-Zellen wurden im Labor neu programmiert, um Krebszellen besser zu bekämpfen. Als allerdings das Antikörpermedikament ergänzt wurde, steigerte es die Aktivität der CAR-T-Zellen. Die Immunzellen, die eine Art Schutzhülle um Tumore bilden, konnten auf diese Weise erstmals wirksam angegriffen werden. Dieser Ansatz könnte die Krebstherapie bei Kindern und Erwachsenen zukünftig revolutionieren.

Die neue Studie konnte das Verständnis über die Interaktion des Immunsystems mit Tumoren erhöhen und aufzeigen, wie die Wirksamkeit von Immuntherapien verbessert werden kann. Es wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, bis die Behandlung am Menschen eingesetzt werden kann. Zuerst müssen die Nebenwirkungen der Antikörper und ihre Wirkweise im Körper weiter erforscht werden.
Abgesehen von der Krebstherapie könnten die neuen Erkenntnisse auch für die Behandlung von HLH (hämophagozytische Lymphohistiozytose) und MAS (Makrophagen-Aktivierungssyndrom) von Bedeutung sein. Bei diesen Erkrankungen reagiert der Körper inkorrekt auf Auslöser wie Infektionen. Zwar sind derartige Störungen rar, aber es existieren nur wenige Therapien. Dies gilt im Speziellen für Kinder mit HLH. Eine andere geplante klinische Studie soll nun die Aktivität und Sicherheit der Antikörper bei Menschen mit HLH und MAS untersuchen. Dabei sollen auch Patienten mit soliden Tumoren inkludiert werden.

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