Influenza immer noch gefährlicher als Coronavirus

Das Coronavirus hat nun auch Deutschland erreicht und ein infizierter Patient liegt in einem bayerischen Krankenhaus. Viele Menschen haben Angst vor einer Ansteckung – doch ein anderer Erreger tötet hierzulande weitaus mehr Menschen und es ist in Zukunft noch von vielen weiteren Todesopfern auszugehen.

Angst vor Coronavirus rückt Influenza in den Hintergrund

Das neuartige Virus, das schon in China Ausnahmezustände hervorrief, ist nun auch in Deutschland angekommen und bekommt eine ganze Menge Aufmerksamkeit. Gesundheitsminister Jens Spahn hielt es sogar für nötig eine Pressekonferenz einzuberufen, um die Öffentlichkeit zu besänftigen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) stuft die Gefahr, die von dem Virus ausgeht, jedoch als gering ein und warnt stattdessen vor einer anderen Bedrohung.
Seit dem Oktober 2019 kursieren gefährliche Influenzaviren in Deutschland. Bislang gibt es etwa 13.000 Infizierte, 32 Menschen starben bereits an einer Infektion, etwa 3.500 Personen wurden in Krankenhäusern behandelt. Die Viren können Grippe verursachen. Die meisten Menschen waren bereits mindestens einmal von der akuten Atemwegserkrankung betroffen, doch viele Grippe-Patienten kämpfen um ihr Leben gegen die aggressiven Influenzaviren. Im Gegensatz zum Coronavirus wird dies jedoch kaum von den Medien aufgegriffen, sodass die Gefahr derzeit ganz in Ruhe durch Deutschland zieht.

Grippeviren wüten seit einer Ewigkeit

Grippeviren gehören zu den gefährlichsten Erregern, die es gibt. Die bekannte „Spanische Grippe“ zwischen 1917 und 1918 tötete etwa 50 Millionen Menschen auf der ganzen Welt. Damit rottete die Pandemie damals ungefähr drei Prozent der gesamten Weltbevölkerung aus. Umgerechnet wären das heutzutage etwa 200 Millionen Menschen. Damit schafft es die Spanische Grippe unter die tödlichsten Pandemien der gesamten Menschheitsgeschichte.
Grippeviren sind immer noch auf dem Vormarsch, jährlich kommt es zu einer neuen Grippewelle in Deutschland. Jedes Jahr leiden dem RKI zufolge zwischen 2 und 14 Millionen Deutsche darunter – und das bei nur 80 Millionen Bundesbürgern insgesamt. Zwar gibt es mittlerweile wirksame Medikamente und Impfstoffe gegen die Erreger, da diese jedoch enorm wandlungsfähig sind, müssen die Impfstoffe jedes Jahr aufs Neue zusammengestellt werden.
Die Grippe ist höchst ansteckend, da die Viren über kurze Abstände regelrecht „fliegen“ können. Es reicht also bereits, wenn kleine, virushaltige Tröpfchen durch Husten, Niesen oder Sprechen eines infizierten Menschen in die Luft gelangen und dort von anderen Personen eingeatmet werden. Wie genau eine Ansteckung beim Coronavirus vonstattengeht, ist bislang noch unklar. Eine Übertragung durch die Luft ist noch nicht bekannt. Experten vermuten, dass die Viren meist durch Kontakt- oder Tröpfcheninfektion verbreitet werden.

Über 25.000 Todesfälle in einer Saison

Die Grippeviren können speziell für ältere oder chronisch kranke Menschen, sowie schwangere Frauen gefährlich werden. Am schlimmsten traf es Deutschland während der Saison 2017/18. Zu dieser Zeit tötete die Grippewelle hierzulande etwa 25.100 Menschen. Doch auch bei weniger aggressiven Wellen kommt es hierzulande jährlich zu mehreren hundert Todesfällen. Weltweit sind die Zahlen sogar noch alarmierender: Der WHO zufolge gibt es jedes Jahr zwischen drei und fünf Millionen Neuerkrankungen mit Influenzaviren, 290.000 bis 650.000 sterben an den schweren gesundheitlichen Folgen. Darüber hinaus gibt es selten auftretende Unterarten der Influenzaviren. Die Erreger sind besonders gefährlich, da manche Untergruppen ihr Erbgut miteinander austauschen können, sodass sich wiederum vollkommen neue, bedrohliche Viren entwickeln können. Dadurch kann es zu regelrechten Pandemien kommen, wie beispielsweise die Asiatische Grippe vovn 1957, die Hongkong-Grippe von 1968 und die Schweinegrippe von 2009 zeigen. Allein letztere kostete über 200.000 Menschen das Leben.
Bei der internationalen Sars-Pandemie in den Jahren 2002 und 2003 kam es immerhin nur zu kapp 8.000 Infektionen und 800 Todesfällen weltweit. Das Virus zählt auch zu den Coronaviren, genau wie das 2012 erstmalig im Mittleren Osten erschienene Mers-Virus, auf dessen Konto etwa 2.500 Infektionen und 858 Todesfälle gehen. Von der aktuellen Epidemie des Coronavirus 2019-nCoV sind mittlerweile über 4.500 Infektionen und 100 Todesfälle bestätigt.

Bekommt das Virus zu viel Aufmerksamkeit?

Vergleich man diese Zahlen mit der Gefahr, die von den Grippeviren ausgeht, wird klar, dass derzeit etwas viel Wirbel um das neue Virus gemacht wird. Mit Influenza kann das Coronavirus eindeutig nicht mithalten. Gesundheitsminister Spahn meint dazu, dass der Krankheitsverlauf beim Coronavirus milder sei als bei einer Grippe und daher nicht so oft tödlich ende. Es ist jedoch nur natürlich, dass viele Menschen verunsichert sind bei einem neuartigen Virus, gerade, wenn noch nichts Genaues zum Übertragungsweg bekannt ist. Laut diversen Forschungsarbeiten könnten Fledermäuse oder Schlangen das Virus übertragen, doch seit einiger Zeit ist bestätigt, dass es auch von Mensch zu Mensch verbreitet wird. Chinesischen Behörden zufolge beträgt die Inkubationszeit zudem stolze ein bis zwei Wochen – in dieser Zeit kann das Virus bereits unbemerkt weitergegeben werden, bevor überhaupt Symptome auftreten. Dies erhöht das Ansteckungsrisiko.

Mutation könnte ernste Folgen haben

Experten und Behörden betonen außerdem, dass Coronaviren generell ebenso wie Influenzaviren schnell mutieren und so möglicherweise noch leichter übertragbar und aggressiver werden könnten. Am Montag meldete die US-Behörde für Seuchenkontrolle (CDC) jedoch nach einem Vergleich der Gensequenz früher 2019-nCoV-Proben mit aktuellen Proben, dass das Virus bislang scheinbar unverändert sei.
Nordamerikanische Wissenschaftler wagten im Rahmen einer Analyse für die „International Society for Infectious Diseases“ bereits die Prognose, dass 2019-nCoV im besten Fall im Sommer ausgebremst wird. Bis dahin sei jedoch noch mit Zehntausenden Neuerkrankungen zu rechnen.

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