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Hirnschrittmacher: Neueste Forschung liefert Hoffnung für Therapie der Alzheimer-Demenz

von Anna-Lena Schachtner Posted on 22.12.2022 11:4116.12.2022 18:14

Die Alzheimer-Demenz ist ein schreckliches Schicksal: Sie ist gekennzeichnet durch einen Verfall der kognitiven Fähigkeiten, der meist mit leichter Vergesslichkeit beginnt und schließlich zu großen Schwierigkeiten in der Bewältigung des Alltags führt. Mit weiterem Fortschreiten der Krankheit verbleicht irgendwann sogar die Erinnerung an die eigenen Angehörigen. In Deutschland leiden ca. 1,8 Millionen Menschen an Demenz, der Großteil von ihnen an der Alzheimer-Krankheit. Eine Heilung gibt es bisher nicht und die Behandlungsmöglichkeiten sind sehr begrenzt.
Nun könnte es allerdings eine neue Hoffnung für die Patienten geben: Schon seit längerem vermutet man, dass sogenannte Hirnschrittmacher dem geistigen Verfall entgegenwirken können. Forscher der Charité-Universitätsmedizin in Berlin fanden nun heraus, wo genau im Gehirn diese platziert werden müssen, um die Symptome der Alzheimer-Demenz zu lindern.

Elektrische Impulse im Gehirn

Im Fokus der Untersuchungen stand die sogenannte Tiefe Hirnstimulation, kurz THS. Diese Behandlungsmethode wird schon seit einiger Zeit für die Therapie bestimmter neurologischer und psychiatrischer Krankheitsbilder wie Parkinson, Dystonie sowie Zwangsstörungen eingesetzt und kann auch als Hirnschrittmacher bezeichnet werden: Den Patienten werden dabei kleine Elektroden ins Gehirn implantiert, welche kurze, schwache elektrische Impulse abgeben. Die Elektroden bleiben langfristig im Gehirn und sind an Kabel angeschlossen, die unter der Haut verlegt werden. Diese sind mit einem Schrittmacher im Bereich der Brust verbunden, über den man die Stromstärke und Frequenz der Impulse einstellen kann.

Durch Hirnstimulation das Gedächtnis anregen

Basis für die Studie der Charité-Universitätsmedizin war die Forschung einiger anderer Wissenschaftler zu THS. So wandten kanadische Kollegen vor einiger Zeit die Tiefe Hirnstimulation bei einem Patienten an, der wegen Adipositas behandelt wurde. Zufällig entdeckten die Forscher dabei Folgendes: Die Stimulation eines Hirnareals namens Fornix, welches für das Gedächtnis zuständig ist, weckte bei dem Patienten Erinnerungen aus der Kindheit. Daraus entstand eine Idee: Könnte man durch die Anwendung von Tiefer Hirnstimulation im Bereich des Fornix möglicherweise die Alzheimer-Krankheit behandeln?

In einer weiteren internationalen Studie wurden deshalb Patienten mit einer leichten Form von Alzheimer-Demenz rekrutiert. Diesen implantierte man dann Elektroden im Areal des Fornix. Das Ergebnis: Beim Großteil der Versuchspersonen verbesserten sich die Symptome nicht – doch bei einigen wenigen Patienten zeigten sich tatsächlich Verbesserungen in den kognitiven Fähigkeiten. Warum gab es solche großen Unterschiede zwischen den Versuchspersonen? Das herauszufinden, war nun das Ziel der Wissenschaftler von der Charité.

Position der Elektroden: Millimeter machen den Unterschied

Bei der THS müssen die Elektroden genau an der richtigen Stelle implantiert werden. Liegen sie nur wenige Millimeter daneben, sind sie mitunter wirkungslos. Die Forscher der Charité untersuchten, ob Unterschiede in der Position der Elektroden zu den stark variierenden Resultaten bei den Alzheimer-Patienten geführt hatten. Dafür werteten sie Bilder der Gehirne der Probanden aus und bestimmten mithilfe von Computermodellen, an welcher Stelle genau die Elektroden liegen müssen, damit sie die Alzheimer-Symptome lindern. Dabei kam heraus: Bei den Patienten, bei denen die Stimulation wirkte, lagen die Elektroden an einer Stelle zwischen dem Fornix und der Stria terminalis. Beide Areale stehen mit dem Gedächtnis in Verbindung.

Wie geht es weiter?

Es wäre natürlich sehr wünschenswert, wenn man zukünftig allen Alzheimer-Patienten einen Hirnschrittmacher implantieren könnte, um ihren geistigen Verfall aufzuhalten. Bis die THS tatsächlich zur Therapie von Alzheimer-Demenz angewandt werden kann, muss allerdings noch weiter geforscht werden. Die Befunde des Wissenschaftlerteams von der Charité bilden dafür die Basis. Außerdem haben die Forscher noch mehr vor: Sie möchten zukünftig weitere Hirnareale ausfindig machen, bei denen die Tiefe Hirnstimulation zur Symptomlinderung bei Demenz-Patienten beitragen könnte.

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