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Überfordert mit dem Lernstoff? So bleiben Fakten länger im Gedächtnis

von Adriana Schellander Posted on 04.08.2021 11:3905.08.2021 15:10

Vor allem in Prüfungsphasen geht es darum, möglichst viele Informationen im Gedächtnis zu behalten. Angesichts des umfangreichen Lernstoffs geraten jedoch viele an ihre Grenzen und vergessen die mühsam erlernten Fakten bereits nach kurzer Zeit wieder. Forscher des Max-Planck-Instituts für Neurobiologie entdeckten nun allerdings eine Methode, die den Lernalltag zahlreicher Schüler und Studenten erleichtern könnte.

Erfolgreicher lernen durch den Spacing-Effekt

Im Rahmen eines Forschungsprojektes versuchten die Neurobiologen ihre Kenntnisse über den sogenannten Spacing-Effekt zu vertiefen. Hierbei handelt es sich um ein Phänomen, das den positiven Effekt von Lernunterbrechungen auf das Gedächtnis beschreibt. Die Forscher gehen davon aus, dass sich während des Lernprozesses neuronale Verbindungen bilden. Auf diese Art und Weise können die gelernten Informationen abgespeichert und später erneut abgerufen werden.

Nervenzellaktivität im Fokus

Während der Experimente sollten sich die Tiere die exakte Position eines Schokoladenstücks merken, welches in einem Labyrinth versteckt war. Die Mäuse hatten insgesamt drei Versuche, um die Süßigkeit ausfindig zu machen. Im Verlauf des Suchprozesses durften die Tiere unterschiedlich lange Pausen einlegen. Die Resultate ergaben, dass Mäuse, die längere Ruhephasen in Anspruch nahmen, Schwierigkeiten damit hatten, sich die Stelle einzuprägen. Überraschenderweise stellte sich das Erinnerungsvermögen genau dieser Mäuse am nächsten Tag aber als viel effizienter heraus.
Als die Mäuse das Labyrinth erkundeten, analysierten die Neurologen die Nervenzellaktivität der Tiere im präfrontalen Kortex. Diese Gehirnregion spielt eine besonders wichtige Rolle, was kognitive Leistungen und Lernprozesse anbelangt. So konnten die Wissenschaftler beweisen, dass eine Deaktivierung dieses Gehirnteils das Gedächtnisvermögen der Mäuse stark einschränkte.

Unerwartete Erkenntnisse

„Folgen drei Lernphasen kurz aufeinander, erwarten wir intuitiv, dass dieselben Nervenzellen aktiviert werden. Schließlich handelt es sich um das gleiche Experiment mit der gleichen Information. Nach einer langen Pause wäre es hingegen denkbar, dass das Gehirn die anschließende Lernphase als neues Ereignis interpretiert und mit anderen Nervenzellen verarbeitet“, erklärt Studienautor Pieter Goltstein. Als die Nervenzellaktivitäten in den verschiedenen Lernphasen miteinander verglichen wurden, stießen die Forscher allerdings auf unerwartete Ergebnisse: Bei kurzen Unterbrechungen wurden stärkere kognitive Schwankungen erfasst als bei längeren Pausen. Dies bedeutet, dass in aufeinanderfolgenden Lernabschnitten häufig unterschiedliche Neuronen aktiviert werden. Bei längeren Lernperioden hingegen kamen die neuronalen Zellen der ersten Lernphase wieder zum Einsatz.

Effizientes Langzeitgedächtnis dank Lernpausen

Indem das Gehirn auf dieselben Nervenzellen zurückgreift, könnten sich die neuronalen Verbindungen laut den Forschern womöglich in jeder Lernphase verstärken. Die Verknüpfungen zwischen den Nervenzellen müssten folglich nicht mehr neu aufgebaut werden. Obwohl durch die zeitlichen Abstände mehr Lernzeit benötigt wird, wirkt sich diese Taktik dennoch positiv auf das Langzeitgedächtnis aus. Wer von seinem gelernten Wissen also länger profitieren möchte, der sollte genügend Ruhephasen in seinem Lernplan berücksichtigen.

Exzessives Lernen gefährdet die Gesundheit

Regelmäßige Erholungseinheiten tragen nicht nur dazu bei, Lerninhalte länger im Gedächtnis zu behalten, sondern sind auch für unsere Gesundheit essenziell. Wer sich Tag und Nacht ausschließlich dem Lernstoff widmet, setzt sich permanentem Stress aus. Der Körper befindet sich in ständiger Alarmbereitschaft und versucht die Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Obwohl sich dieser Effekt in manchen Situationen als durchaus nützlich erweist, schadet chronische Anstrengung nachhaltig dem Immunsystem. Nimmt der Stress überhand, so erhöht sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Infektionen und Bluthochdruck. Ab einem gewissen Punkt gelingt es dem Körper auch nicht mehr die Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten – Erschöpfung, Antriebslosigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten können die Folge sein. Darüber hinaus werden zahlreiche psychische Erkrankungen wie Depressionen, Burnout oder Angststörungen durch andauernde Belastung begünstigt.

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