Private Krankenversicherung: Barmer GEK fordert Abschaffung


Der stellvertretende Vorsitzende der Barmer GEK fordert in einem Interview die Abschaffung der privaten Krankenversicherung. Zudem sieht er auch eine Ungerechtigkeit in der Abschaffung der Praxisgebühr. Zudem warnt er davor, die Überschüsse der Krankenkassen zu optimistisch zu sehen.

Immer mal wieder wird die Abschaffung der privaten Krankenversicherung gefordert. Aktuell forderte der stellvertretende Vorsitzende der Krankenkasse BARMER GEK, Rolf-Ulrich Schlenker, die Abschaffung der privaten Krankenversicherung. Seiner Ansicht nach ist es sozialpolitisch nicht sinnvoll, das es zum einen die private Krankenversicherung für Gutverdiener und Beamte gibt und für alle anderen die gesetzliche Krankenversicherung.

Dies betonte der 59 Jährige in einem aktuellen Interview mit der „Leipziger Volkszeitung“. Außerdem wies er darauf hin, dass es ein Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung in keinem anderen Land gebe. Zudem sei die Bevorzugung von Privatversicherten nicht hinnehmbar, so der Jurist in dem Interview weiter.

Kritik an privater Krankenvollversicherung

Der stellvertretende Vorsitzende kritisierte in erster Linie aber die private Krankenvollversicherung. Dem gesetzlich Versicherten sollte es in Zukunft auch weiterhin möglich sein, seine gesetzliche Krankenversicherung durch eine private Zusatzversicherung aufzubessern, zum Beispiel ein Zweibettzimmer im Krankenhaus oder Chefarztbehandlung.

Der Verband der privaten Krankenversicherung reagierte umgehend auf die Äußerungen der BARMER GEK und betonte gegenüber der Tageszeitung, dass es keine Zweiklassenmedizin in Deutschland gäbe. Sowohl für Mitglieder der gesetzlichen als auch der privaten Krankenversicherung sind Gesundheitsleistungen auf hohem Niveau gewährleistet, so der Verbandssprecher Dominik Heck.

10 Milliarden mehr an Arzthonoraren

Viele Privatversicherte zahlen zudem auch höhere Honorare für die medizinischen Leistungen, was das Gesundheitssystem zusätzlich stärkt. Das zusätzliche Geld kann dann in moderne Geräte und neue Behandlungsmethoden investiert werden, so der Sprecher weiter. So zahlen die neun Millionen Privatpatienten etwa 10 Milliarden Euro mehr an Arzthonoraren, als wenn sie gesetzlich versichert wären, so Heck.

Zum Jahreswechsel wird in Deutschland bekanntlich die Praxisgebühr wieder abgeschafft. Aber auch hier sieht Schlenker Ungerechtigkeit. Zwar sparen viele Versicherte dadurch Geld und auch die Ärzte werden entlasten. Allerdings profitieren nur die Menschen von der Abschaffung der Praxisgebühr, die regelmäßig einen Arzt aufsuchen. Gesunde Menschen profitieren davon eher weniger. Eine Absenkung des Beitrages zur gesetzlichen Krankenversicherung wäre fairer gewesen, so der 59 Jährige.

Auch rechnet er damit, dass die Besuche bei den Fachärzten jetzt wieder zunehmen werden, da die Lenkfunktion durch Praxisgebühr wegfällt. Auch haben die Patienten erst einen Hausarzt aufgesucht, bevor sie einem Facharzt überstellt wurden. Diese Hürde fällt nun durch die Abschaffung der Praxisgebühr weg, so Schlenker.

Zum Abschluss warnte er auch davor die Überschüsse der gesetzlichen Krankenversicherung zu optimistisch zu beurteilen. Im kommenden Jahr sollen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen um 5 Prozent steigen, die Einnahmen im Gegensatz dazu nur um 2 Prozent steigen. Daher könnten die Rücklagen schnell aufgebraucht sein. Außerdem erhalten die Ärzte 1,3 Milliarden Euro mehr an Honoraren und die Apotheker erhalten ungefähr 500 Millionen Euro mehr.