Gebärmutterhalskrebs: Noch frühere HPV-Impfungen für Mädchen geplant


Im anhaltenden Kampf gegen den gefährlichen Gebärmutterhalskrebs hat die ständige Impfkommission (STIKO) des Berliner Robert- Koch- Instituts jetzt empfohlen, junge Mädchen bereits ab einem Alter von 9 Jahren gegen die gefährlichen HP-Viren impfen zu lassen. Damit reagierte STIKO auf die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die ebenfalls eine noch frühere Impfung als bisher üblich propagiert.

40 verschiedene Arten von HP-Viren

Die meisten Männer und Frauen, stecken sich im Laufe ihres Lebens mindestens ein mal mit humanen Papillomviren (HPV) an. Diese Krankheitserreger sind weit verbreitet und ihre Übertragung kann durch jeden intimen Hautkontakt erfolgen. Die meisten Betroffenen bemerken die Infektion gar nicht erst und diese heilt auch von selbst wieder aus.

Trotzdem können auch Viren im Körper bestehen bleiben und Zellenveränderungen hervorrufen, die im schlimmsten Fall zur Bildung eines bösartigen Tumors führen können. 40 verschiedene Arten von HP-Viren sind sexuell übertragbar und werden daher auch „genitale HPV“ genannt. Unter diesen gelten 12 als besonders gefährlich und sie werden daher auch als „Hochrisiko-Typen von HPV bezeichnet.

Insbesondere die Typen 16 und 18 sind es, die dann im Laufe der Zeit die Bildung bösartiger Tumore hervorrufen. So sind es diese beiden high-risk Typen, die für 70 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich sind.

5000 Erkrankte jährlich

In Deutschland erkrankten im Jahr 2012 ungefähr 5000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. HP-Viren werden durch Geschlechtsverkehr übertragen. Da eine Impfung nach bereits erfolgter Infektion keine Wirkung entfaltet, halten Experten es für wichtig, dass eine Impfung bereits vor dem ersten Sexualkontakt erfolgt. Während bisherige Empfehlungen für den Zeitpunkt der Impfung zwischen 14 und 17 Jahren lagen, empfiehlt die STIKO nun, bereits Neunjährigen den Impfschutz zu verabreichen.

Dies auch deshalb, weil es laut den Experten der STIKO Anzeichen dafür gibt, dass der menschliche Körper mehr Antikörper bildet, je jünger er zum Zeitpunkt der Impfung ist. Auch einen Hinweis auf ein Nachlassen der Schutzwirkung einer Impfung gibt es nicht. Aus diesem Grund sprechen sich viele Experten für eine Impfung von Mädchen durch den Kinderarzt, im Alter von 9 Jahren aus. Da die HP-Viren von Jungen übertragen werden, gibt es auch Meinungen, die eine Impfung von Buben befürworten, dieser Empfehlung folgte die STIKO jedoch bisher nicht.

Nicht nur Zustimmung

Da die HPV-Impfung erst seit einigen Jahren durchgeführt wird und es daher noch keine gesicherten Daten über ihre Erfolge gibt, wird sie von manchen Skeptikern aber auch in Frage gestellt. Zudem starben in Deutschland und Österreich kurz nach der Impfung mit einem 2007 von der STIKO zugelassenen Impfstoff zwei gesunde Mädchen. Aus den USA wurden 22 Todesfälle dieser Art gemeldet. Daraufhin hagelte es Kritik, da die beiden entscheidenden Untersuchungen zur Wirksamkeit des Impfstoffes, vor dessen Einführung noch nicht abgeschlossen waren.

Die Alliance for Human Research Protection (AHRP), ein US-Netzwerk für ethische Medizinforschung behauptete in diesem Zusammenhang, dass der Impfstoff in klinischen Tests weder als sicher, noch als wirksam anzusehen sei. Die Tatsache, dass sich bösartige Tumore oft erst nach vielen Jahren entwickeln, macht es jedenfalls sehr schwierig, Zahlen über tatsächlich verhinderte Krebsfälle zu erheben.

Es gibt jedoch auch bereits erste Studien, die einen Erfolg der Impfung scheinbar bestätigen. Wissenschaftler der „HPV PATRICIA Study Group“ gehen deshalb in einem Artikel im Fachmagazin „The Lancet“ davon aus, dass eine flächendeckende Impfung, die den HPV-16/18- Impfstoff sowie eine hohe Abdeckung im frühen Jugendalter beinhaltet, möglicherweise das Potenzial zur Reduzierung der Inzidenz von Gebärmutterhalskrebs besitzt.

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