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Willkommene Nebenwirkung: Corona-Impfung hilft auch gegen Erkältungsviren

von Katya Müller Posted on 01.03.2022 05:4708.03.2022 17:29

Vorherige Infektionen mit Corona-Erkältungsviren schützen zu einem gewissen Grad vor einem schweren COVID-19-Verlauf – darüber herrscht in der Medizin inzwischen Konsens. Neu ist aber die Erkenntnis, dass der Effekt wohl auch in die andere Richtung funktioniert: Die Corona-Schutzimpfungen reduzieren nicht nur deutlich die Gefahr einer SARS-CoV-2-Infektion bzw. eines schweren Verlaufs dieser, sondern wirken womöglich auch gegen Erkältungen, die durch Coronaviren ausgelöst werden, wie eine Analyse von WissenschaftlerInnen der Universität Ulm zeigt.

Achtung: Verwechslungsgefahr

Das Coronavirus, welches uns nun das dritte Jahr Pandemie beschert, ist nicht das erste, mit dem wir es zu tun bekommen. Schon seit einigen Jahrzehnten zirkulieren vier andere seiner Art: hCoV-229E, hCoV-NL63, hCoV-HKU1 und hCoV-OC43. Diese Viren verursachen meist nur milde Atemwegsinfekte, aber verantworten jedes Jahr etwa ein Drittel aller Erkältungen. Ähneln tun sie dem aktuell bekanntesten Coronavirus im Spike-Protein, welchem sie auch ihren Namen verdanken (Corona = lat. „Kranz“). Daher reagieren Antikörper und T-Zellen, die im Zuge einer Erkältung mit Coronaviren gebildet werden, teilweise auch auf Coronaviren des Typs SARS-CoV-2 und sorgen so für einen milderen Verlauf der Erkrankung, belegen diverse Studien.

Dieser Effekt, der sich Kreuzimmunisierung nennt, könnte uns nun auch auf andere Weise nutzen: Um herauszufinden, ob Antikörper gegen SARS-CoV-2 wie etwa nach einer Genesung oder Impfung auch gegen Erkältungs-Coronaviren helfen, untersuchte ein Forschungsteam unter der Leitung von Jan Lawrenz von der Universität Ulm Blutproben von Personen vor und nach ihrer vollständigen COVID-19-Impfung. In sogenannten Neutralisationstests prüften die WissenschaftlerInnen dann, wie gut die Antikörper vor den Viren schützten. „Um mögliche Effekte der COVID-19-Impfung nachzuweisen, haben wir zunächst die neutralisierende Wirkung der Seren analysiert, die vor der Impfung abgegeben wurden. Die Ergebnisse wurden dann mit der Neutralisierungs-Effizienz unterschiedlicher Coronaviren nach der Kreuzimpfung verglichen“, erklärt Forschungsleiter Lawrenz.

COVID-Impfung steigert Immunantwort

Da wir uns alle im Laufe unseres Lebens immer wieder mit Erkältungs-Coronaviren anstecken, enthielten auch die in der Studie untersuchten Blutproben bereits vor der Impfung Antikörper. Besonders gegen die Viren hCoV-OC43 und hCoV-NL63 war die Immunantwort deutlich. Trotzdem konnten die WissenschaftlerInnen beim Vergleich mit den Proben nach der Impfung eine Steigerung der Immunität feststellen: Je nach Virus verbesserte sich die Neutralisation der Coronaviren um das Zwei- bis Vierfache. Auf Pseudoviren, denen lediglich das umhüllende Spike-Protein aufgesetzt worden war, reagierten die durch die Impfung gebildeten Immunzellen ebenso. „Zwar variierte die Stärke der humoralen Immunantwort, der Booster-Effekt der COVID-19-Impfung trat aber bei allen drei Erkältungsviren auf“, schreiben die Forschenden.

„Unsere Studie zeigt, dass die COVID-Impfung die neutralisierende Aktivität der Seren gegen saisonale Coronaviren verstärkt“, resümiert Koautor Janis Müller die Ergebnisse. Ebenso, wie die Antikörper der saisonalen Erkältungsviren aber keine COVID-19-Erkrankung gänzlich verhindern, schützt auch die Impfung nicht vor der Erkrankung, könnte den Verlauf jedoch abmildern. Genau ist der Wirkmechanismus dieses Effekts noch nicht geklärt, die Forschenden gehen aber von zwei Faktoren aus: Zum einen reagieren die Impf-Antikörper direkt auf die Spike-Proteine, die unter Coronaviren sehr ähnlich aufgebaut sind. Zum anderen vermuten die WissenschaftlerInnen, dass der Kontakt mit dem Spike-Protein von SARS-CoV-2 im Zuge der Impfung die durch frühere Infektionen gebildeten B-Gedächtniszellen reaktiviert. Diese Immunzellen veranlassen dann die Bildung neuer Antikörper gegen saisonale Coronaviren. Ob die WissenschaftlerInnen mit dieser Vermutung richtig liegen, muss allerdings noch in weiteren Studien erforscht werden.

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