Erste Heilung von chronischer Infektion mit Hepatitis-B-Virus gelungen

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Laut Gesundheitsexperten leiden weltweit über 260 Millionen Menschen an einer chronischen Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV). Deutsche Wissenschaftler konnten die Erkrankung nun erstmals heilen.

Mehrere hundert Millionen Betroffene

Mehrere Jahrtausende schlägt sich die Menschheit nun schon mit Hepatitis-Viren herum. Bei Analysen 7.000 Jahre alter Skelette entdeckten Wissenschaftler der Universität Kiel letztes Jahr einen Stamm uralter Hepatitis-B-Viren. Derzeit stellen Infektionen mit dem HBV weltweit ein ernstes gesundheitliches Problem dar. Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge sind mehr als 260 Millionen Menschen auf der ganzen Welt von einer chronischen Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus betroffen. Damit handelt es sich um die meistverbreitete Infektionskrankheit. Wegen der Folgen schwerer Leberkrankheiten sterben jährlich viele Menschen an dem Virus. Doch ein neuer Durchbruch lässt hoffen: Forscher konnten eine chronische Infektion mit HBV kürzlich heilen.

Genesung kann erreicht werden

Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München und der Technischen Universität München haben es in Kooperation mit Kollegen des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf (UKE) geschafft, bei einem Labortier eine chronische Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus zu therapieren – eine Premiere. Das Forschungsteam konnte anhand seines geglückten Experiments beweisen, dass eine T-Zelltherapie den Virus wirksam bekämpfen kann. Bislang gelang es nicht, ihn unter Kontrolle zu bekommen. Die Ergebnisse der Untersuchung sind in der Fachzeitung „Journal of Clinical Investigation“ erschienen.

Therapie mit T-Zellen

Die Impfung gegen Hepatitis B verhindert zwar Neuinfektionen mit dem Virus, doch Menschen, die sich zum Beispiel bei ihrer Geburt angesteckt haben und chronische Virusträger sind, konnten bisher nicht geheilt werden. Medikamente sorgen nur dafür, dass sich die Viren in den Leberzellen nicht weiter ausbreiten. Auslöschen können sie den Virus allerdings nicht. Auf Dauer kann es dann Komplikationen geben, unter anderem Leberkrebs oder Leberzirrhose.
Der Durchbruch mithilfe der neuen T-Zelltherapie gibt deshalb Mut und Hoffnung für die Behandlung chronischer Virusträger und durch HBV verursachten Leberkrebs. Chronisch infizierte Personen verfügen entweder über gar keine oder nur wenige virus-spezifische T-Zellen. Bei Patienten, die das Virus selbst in den Griff bekommen hatten, konnte allerdings eine hohe Anzahl T-Zellen nachgewiesen werden. Dies weist darauf hin, dass es gilt dieses Defizit bei den kranken Virusträgern auszugleichen.
Die genetische Information für HBV-spezifische T-Zellrezeptoren wurde durch Personen gewonnen, deren Infektion bereits besiegt war. Diese können im Labor dann in T-Zellen aus dem Blut chronischer Virusträger gebracht werden. Auf diese Weise entstehen neue, aktive T-Zellen, die dem Virus oder virus-induzierten Krebszellen den Kampf ansagen. Diese „umprogrammierten“ T-Zellen sind dazu fähig, HBV-infizierte Zellen gänzlich auszulöschen. Sie wurden im Rahmen der Studie anhand eines humanisierten Mausmodells geprüft.
Das Fazit: Bereits eine einmalige Verabreichung der künstlich modifizierten T-Zellen bekam den Virus in der Leber unter Kontrolle. Dabei griffen die T-Zellen tatsächlich aber nur infizierte Zellen an – das gesunde Gewebe blieb erhalten. Das experimentelle Arzneimittel Myrcludex B sorgte dafür, dass sich HBV nicht in den gesunden Leberzellen ausbreiten konnte, sobald die T-Zellen nicht mehr zirkulierten. Die Infektion konnte somit ausheilen.

Klinische Studie bereits in Planung

Die Ergebnisse der Untersuchung fiel so vielversprechend aus, dass dem Potenzial der T-Zell-Therapie schnellstmöglich weiter nachgegangen werden soll. Die klinische Entwicklung soll vorangetrieben werden, damit diese Art der individuellen Medizin tatsächlich etabliert werden kann. Daher wird das Institut weiter untersuchen, wie die Behandlungsmethode bei einem möglichst großen Patiententeil Verwendung finden kann.
Laut den Angaben hat das Helmholtz Zentrum München Teile der T-Zelltherapie an SCG Cell therapy Pte. Ltd. auslizensiert. Zusammen mit dem neuen Partner ist eine klinische Studie zur Therapie von Menschen mit HBV-assoziierten Leberzellkarzinomen in Planung

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