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Eiweißreiche Ernährung verkürzt das Leben

wiesner@symptoma.com' von Annemarie Posted on 08.05.2019 16:5429.06.2020 15:17

Viele Proteine und bestimmte Aminosäuren zu sich zu nehmen, gilt als gesund und förderlich für den Muskelaufbau. Gerade im Rahmen des aktuellen Fitnesstrends konsumieren immer mehr Menschen extra Proteinpulver und sogenannte BCAAs. Doch wie wirkt sich so eine eiweißreiche Ernährung auf die Lebenserwartung aus?

Zu viel Protein stiehlt Lebensjahre

Eine aktuelle Studie der University of Sydney konnte aufzeigen, dass ein langfristig überhöhter Konsum verzweigtkettiger Aminosäuren (BCAAs) die Lebenserwartung verkürzen, die Stimmung verschlechtern, sowie eine Gewichtszunahme bedingen kann. Die Untersuchungsergebnisse wurden im englischsprachigen Fachjournal „Nature Metabolism“ veröffentlicht.

BCAAs im Profil

Eine dauerhaft proteinreiche Ernährung und der übermäßige Verzehr bestimmter Aminosäuren sind der neuen Studie zufolge gesundheitlich nicht vorteilhaft. Bei BCAAs handelt es sich um die drei essenziellen Aminosäuren Leucin, Isoleucin und Valin, die natürlicherweise in proteinhaltigen Nahrungsmitteln vorkommen. Milchprodukte und rotes Fleisch enthalten besonders hohe Mengen BCAAs. Vegetarier nehmen die Aminosäuren unter Anderem durch Bohnen, Linsen, Nüsse und Soja zu sich. Einen hohen BCAA-Anteil findet man außerdem in Molkenprotein (Whey), einem Nebenerzeugnis von Milchprodukten, welches dank der Fitness-Szene derzeit großen Anklang findet.

Aminosäuren können schädlich sein

Gerade in der Fitness- und Bodybuildingindustrie werden Aminosäuren für den Muskelaufbau empfohlen. Die Produktvielfalt ist unendlich, von klassischen Proteinpulvern bis hin zu Low-Calorie-Proteinsnacks gibt es mittlerweile alles – der Markt boomt. Wie sich der regelmäßige Konsum derartiger Produkte auf die Gesundheit auswirkt, wurde jedoch bisher kaum untersucht. Die Erkenntnisse der neuen Studie sind somit umso bedeutender. Diesen zufolge sorgt der übermäßige Verzehr von verzweigtkettigen Aminosäuren für ein kürzeres Leben. Darüber hinaus wirken sich die BCAAs negativ auf die Stimmung aus und sorgen für eine höhere Zahl auf der Waage.
Im Fokus der Untersuchung standen die Auswirkungen proteinreicher Ernährung auf den Stoffwechsel, den Appetit, die Fortpflanzung und den Alterungsprozess. Das Fazit der Studie: Ein hoher Eiweißgehalt in der Ernährung wirkt sich gerade im mittleren und späten Lebensabschnitt negativ auf die Gesundheit aus und sorgt für eine kürzere Lebensdauer. Auf die Fortpflanzung hingegen hatten das viele Protein und der damit verbundene niedrige Kohlenhydratkonsum einen positiven Einfluss.

Abwechslungsreiche Ernährung ratsam

Laut der aktuellen Forschungsarbeit spielt das Gleichgewicht der Aminosäuren eine enorm wichtige Rolle. Die notwendigen Proteine sollten aus möglichst vielen verschiedenen Quellen aufgenommen werden, um eine Ausgewogenheit zu erreichen und die Gesundheit bestmöglich zu unterstützen.
Die Studie untersuchte, wie BCAAs aus Lebensmitteln und andere essenzielle Aminosäuren auf die Gesundheit und Körperbeschaffenheit von Mäusen auswirken. Während des Experiments konnte beobachtet werden, dass die zusätzlich verabreichten BCAAs zu hohen Mengen von BCAA im Blut führten, die mit Tryptophan um den Transport in das Gehirn konkurrierten. Tryptophan ist der einzige „Vorläufer“ des Hormons Serotonin, welches für seine stimmungsaufhellende Wirkung bekannt ist. Auch für einen guten Schlaf spielt es eine Rolle. Serotonin hat jedoch noch andere Effekte. Als Folge der Konkurrenz mit BCAAs sinkt der Serotoninspiegel im Gehirn, was zu einer Appetitsteigerung führt. Die Mäuse konsumierten deshalb weit mehr Nahrung als nötig, sodass sie stark an Gewicht zunahmen und schneller starben.
Für die Untersuchung wurden die Nagetiere in verschiedene Gruppen eingeteilt: Die erste erhielt die doppelte Menge der normalen BCAAs, die zweite die Standardmenge und die dritte die Hälfte der normalen Menge. Eine weitere Gruppe bekam nur ein Fünftel der Standardmenge. Das Ergebnis: Die Mäuse mit der doppelten Menge aßen viel mehr, wurden adipös und lebten kürzer. Daher resümieren die Forscher, dass eine Variation der Proteinquellen wichtig ist, um eine Ernährung zu erreichen, die reich an Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen ist. Damit wird eine Vielzahl essenzieller Aminosäuren erzielt.

Empfohlene Tagesdosis

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät Erwachsenen zwischen 19 und 65 Jahren zu einer täglichen Proteinmenge von etwa 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Diese Angaben basieren auf Daten von Stickstoffbilanzstudien. Für ältere Menschen werden auf Grund fehlender Daten bisher keine Empfehlungen ausgesprochen, es wird jedoch ein höherer Bedarf angenommen. Bei Kindern zwischen ein und vier Jahren wird eine Proteinmenge von etwa 1 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht empfohlen. Der Bedarf sinkt während des Wachstums dann abhängig von Alter und Geschlecht.

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