Dauerhafter mäßiger Alkoholkonsum schadet dem Herz

Das regelmäßige Trinken von kleinen Mengen Alkohol führt einer neuen Untersuchung zufolge häufiger zu Herzrhythmusstörungen als seltener Alkoholkonsum, auch wenn dieser dann größere Mengen umfasst.

Einfluss der Trinkhäufigkeit ist unterschätzt worden

Vor Kurzem brachte die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) eine Studie heraus, die nachwies, dass der regelmäßige Konsum von geringen Mengen Alkohol mit einem erhöhten Risiko für Herzrhythmusstörungen einhergeht. In die Untersuchung wurden Daten von fast zehn Millionen Menschen aus einer nationalen Gesundheitsstudie integriert. Personen, die jeden Tag etwas Alkohol tranken, wiesen ein erheblich höheres Risiko für Herzrhythmusstörungen auf als die, die nur einmal wöchentlich zu Alkohol griffen, auch wenn es sich dann um größere Mengen handelte. Die Forschungsarbeit erschien kürzlich im Fachblatt „EP Europace“.
Bislang wurden Empfehlungen bezüglich des Alkoholkonsums hauptsächlich auf die Menge reduziert, nicht aber auf die Häufigkeit des Trinkens. Die Untersuchungsergebnisse zeigen nun, dass das Herz umso besser geschützt werden kann, je seltener zur Flasche gegriffen wird. Eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen ist Vorhofflimmern, welches das Schlaganfallrisiko um das Fünffache ansteigen lässt. Es gibt verschiedene Symptome, die auf eine Herzrhythmusstörung hindeuten können. Zu diesen zählen Herzrasen, Kurzatmigkeit, auffälliges Herzklopfen, Brustschmerzen, Herzflattern, ein unregelmäßiger Puls, Müdigkeit und Schwindel.
 
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Studiendetails

In der Vergangenheit konnten Forschungsarbeiten bereits einen linearen Zusammenhang zwischen Alkohol und Vorhofflimmern nachweisen. Je 12 Gramm reinem Alkohol wöchentlich erhöhe sich das Risiko demzufolge um acht Prozent. Diese Menge entspricht in etwa einer Flasche Bier (0,33 Milliliter). Die Auswirkungen der Anzahl der Tage in der Woche, an denen Alkohol konsumiert wird, waren bisher nicht klar.
2009 wurden bei einer nationalen Studie Gesundheitsdaten von 9.776.956 Menschen ohne Vorhofflimmern gespeichert. Diese beinhalteten unter anderem die Trinkgewohnheiten der Probanden. Die Teilnehmer wurden bis 2017 begleitet und auf die Entwicklung von Vorhofflimmern untersucht. Bei der Auswertung der Daten stellte sich heraus, dass die Menge der Tage, an denen Alkohol konsumiert wurde, der größte Risikofaktor für die Entstehung von Vorhofflimmern war. Die Teilnehmer wurden basierend auf der Anzahl der Tage in der Woche, an denen sie Alkohol tranken, in Gruppen eingeteilt. Mithilfe der sogenannten Hazard Ratio (HR) wurde dann ein Vergleich durchgeführt, um das Risikoverhältnis zwischen den verschiedenen Gruppen zu ermitteln. Diejenigen, die täglich Alkohol tranken, wiesen mit einem Wert von 1,412 die höchste HR auf. Einmal wöchentlich Alkohol zu trinken erzielte mit 0,933 den niedrigsten Wert. Die Gruppe der täglich Alkohol trinkenden Personen hatte somit fast 50 Prozent öfter eine Herzrhythmusstörung als die Gruppe, die nur einmal pro Woche zu Alkohol griff.
Die Untersuchung zeigt, dass häufiges Trinken geringer Mengen Alkohol in Bezug auf Vorhofflimmern schädlicher ist als seltenes Trinken großer Mengen Alkohol. Diese Erkenntnis trifft auf jedes Alter und Geschlecht zu. Wiederkehrendes Vorhofflimmern, das durch Alkohol verursacht wird, können am Ende auch chronische Herzkrankheiten auslösen. Zudem führt regelmäßiger Alkoholkonsum zu einem schlechteren Schlaf – wiederum ein Risikofaktor für Vorhofflimmern.

Senken geringe Alkoholmengen das Risiko?

So wie auch bei vorangegangenen Forschungsarbeiten wurde auch bei dieser Studie ein Zusammenhang zwischen der wöchentlichen Alkoholmenge unabhängig von der Anzahl der Tage und der Entstehung von Vorhofflimmern ersichtlich. Geringe Mengen, die an einem Tag in der Woche getrunken werden, scheinen sogar eine Reduzierung des Risikos zur Folge zu haben. Bei der neuen Untersuchung war das Risiko an Vorhofflimmern zu erkranken für diese Gruppe Probanden am niedrigsten. Die Teilnehmer, die gänzlich auf Alkohol verzichteten, wiesen ein 8,6 Prozent höheres Risiko auf als die seltenen Trinker. Ein erhöhter Alkoholkonsum ließ das Risiko für Vorhofflimmern im Vergleich zu einem geringen Konsum hingegen um stolze 21,5 Prozent ansteigen.
Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass ein mäßiger Alkoholkonsum hin und wieder dem Herz guttun kann, ein häufiger Konsum allerdings stark schadet, auch bei kleinen Mengen. Die Schutzwirkung des gelegentlichen Trinkens geringer Mengen muss jedoch noch durch weitere Forschungsarbeiten bestätigt werden, bevor hier tatsächlich eine Empfehlung gegeben werden kann. Bislang ist unklar, ob dieser Vorteil tatsächlich existiert oder ob man es lediglich mit einer verwirrenden Variable zu tun hat.

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