Coronakrise: Sind Einmalhandschuhe wirklich sinnvoll?

In der aktuellen Krisensituation greifen zahlreiche Menschen auf Einmalhandschuhe zurück, um sich in der Öffentlichkeit vor Coronaviren zu schützen. Der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) zufolge bringt diese Vorsichtsmaßnahme jedoch nicht viel.

Wegwerfhandschuhe bieten keinen ausreichenden Schutz vor SARS-CoV-2

Viele besorgte Menschen ziehen zum Einkaufen Handschuhe an, um sich vor einer Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus zu schützen. Laut Professor Janne Vehreschild aus dem Vorstand der DGI ist dies im Gegensatz zu anderen Maßnahmen zu vernachlässigen.
Dies liege daran, dass Einmalhandschuhe aus Nitrilkautschuk oder Latex nie vollkommen dicht seien und den Träger daher nicht vor einer Infektion bewahren können. Darüber hinaus „speichert“ er alles, was angefasst wird, vom Türgriff über den Einkaufswagen und die Waren. Da die Viren über die Schleimhäute in den Körper gelangen, ist es Vehreschild zufolge am wichtigsten während des Einkaufs weder Augen, Nase, Mund oder Ohren zu berühren und genügend Distanz zu anderen Personen zu wahren. Viren an den Handflächen sind generell unproblematisch, solange man sich nach der Heimkehr umgehend und gründlich die Hände wäscht oder desinfiziert.

Ausgiebige Handwäsche ist unerlässlich

Das Robert-Koch-Institut (RKI) stuft eine ausreichende Handhygiene ebenfalls als wichtigsten Part des Infektionsschutzes ein. Gründliches Händewaschen mit einer Dauer von mindestens 20 Sekunden ist Pflicht, denn nur so könne die Keimzahl an den Händen starkt verringert werden. Dies wird auf dem Portal Infektionsschutz.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) empfohlen. Zu Wegwerfhandschuhen rät hingegen weder das RKI noch die BZgA.

Nicht zu lange oder mehrmals anziehen

Korrekt getragen sind Einmalhandschuhe zwar nicht absolut wirkungslos, man sollte sie aber in jedem Fall direkt wegwerfen, wenn die Einkaufswaren aufgeräumt sind und der Wagen zurückgebracht wurde. Nur auf diese Weise kann die Infektionsgefahr möglicherweise etwas reduziert werden. Noch besser ist es allerdings vor dem Einkauf den Griff des Wagens zu desinfizieren und die Hände danach sofort zu waschen.
Wegwerfhandschuhe sollten aber keinesfalls über einen längeren Zeitraum getragen werden, wie beispielsweise bei Spaziergängen. Die Bakterienflora, welche die Haut schützt und sogar leicht selbst desinfiziert, wird so gestört. Man schwitzt in den Handschuhen enorm und an ihnen bleibt alles kleben – ein Albtraum für die Hautflora. Auch medizinische Angestellte tragen gewöhnlich niemals das gleiche Paar Handschuhe über den ganzen Tag.
 
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Infektionswege von SARS-CoV-2 immer noch nicht völlig klar

Bisher ist nur bekannt, dass das neue Coronavirus über Tröpfcheninfektion weitergegeben wird. Auch ein neuraler Übertragungsweg wird vermutet und über eine Schmierinfektion ist ebenfalls noch nicht genug bekannt. Eine Ansteckung über Lebensmittel, Pakete und Ähnliches spielt offenbar jedoch keine fundamentale Rolle. Vehreschild zufolge sei die Virenpopulation hier meist nicht groß genug. Anders verhält es sich jedoch mit Oberflächen, die häufig von vielen verschiedenen Personen angefasst werden, wie zum Beispiel Türklinken, Treppengeländer, Aufzugknöpfe oder Griffe von Einkaufswägen.
Verlässliche Schätzungen zu dieser Gefahr liegen bislang nicht vor, laut Professor Hendrik Streeck ist eine Ansteckung mit Corona durch Oberflächen allerdings unwahrscheinlich. Der Virologe und sein Team nahmen Abstriche von häufig genutzten Alltagsgegenständen aus Haushalten von Infizierten in Heinsberg, fanden aber lediglich die Virus-RNA und keine ansteckenden Keime vor.

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