Achtung Virus: So lange überlebt Corona auf Gegenständen und Oberflächen

Das neue Coronavirus breitet sich aktuell bekanntlich vor allem durch Tröpfcheninfektion immer weiter aus. Durch Husten oder Niesen werden Viruspartikel weitergegeben, sodass mehr und mehr Menschen unter dem Coronavirus leiden. Doch die Ansteckung kann nicht nur direkt durch den Kontakt mit einer infizierten Person erfolgen, sondern auch indirekt durch den Kontakt mit einem Gegenstand oder einer Oberfläche mit den Viren darauf, wenn sich anschließend an Mund, Augen oder Nase berührt wird. Flächen, die sehr oft und von vielen Menschen angefasst werden, sind demnach besonders gefährlich. Egal ob öffentliche Verkehrsmittel, Treppenhäuser oder Geld – überall lauern Virenpartikel. Doch wie lange können diese dort überhaupt überleben?

Stark materialabhängig

Wie lange Viren auf Gegenständen und Oberflächen überleben können, wird von vielen Faktoren bestimmt. Dazu zählen beispielsweise die Materialart der Fläche, dessen Feuchtigkeit und die Umgebungstemperatur. Laut Rachel Graham, Epidemiologin an der Universität von North Carolina, überleben Coronaviren grob geschätzt zwischen einige Stunden und einen ganzen Tag lang.
Aktuelle Studienergebnisse des US-Gesundheitsinstituts NIH (National Institutes of Health) bestätigen diese Aussage. Darüber hinaus zeigte die Forschungsarbeit signifikante Unterschiede zwischen den Materialarten. Demzufolge kann das neue Coronavirus auf Kupfer nur bis zu vier Stunden überleben, während es aus Pappe schon 24 Stunden und auf Kunststoff, sowie Edelstahl stolze drei Tage durchhalten kann. Selbst in der bloßen Luft kann das Virus bis zu drei Stunden aktiv sein – eine erschreckende Bilanz. Die Ergebnisse müssen nun allerdings erst noch weiter überprüft werden.

Vergleich mit SARS-CoV-1

Das Forschungsteam stellte die Lebenslänge des neuen Coronavirus SARS-CoV-2 auf Oberflächen der seines „Verwandten“ SARS-CoV-1 gegenüber, welcher 2003 ausbrach und eine Epidemie verursachte. Bei diesem Vergleich erkannten sie, dass die zwei Virentypen am längsten auf Edelstahl und Polypropylen, einer Kunststoffart, aktiv sind. Polypropylen wird für diverse Zwecke eingesetzt, beispielsweise werden daraus Autoteile und Spielzeug hergestellt. Ein großer Unterschied zeigte sich allerdings bei der Lebensdauer auf Karton: Hier schlug das neue Coronavirus seinen Bruder mit 24 Stunden um Längen. SARS-CoV-1 schaffte es nur 8 Stunden zu überleben.
Eine weitere deutsche Untersuchung, die im Fachblatt „Journal of Hospital“ vorgestellt wurde, nahm die Lebenslänge anderer Coronaviren unter die Lupe, die auf diversen Oberflächen vorgefunden wurden. Die analysierten Studien, bei denen die Coronaviren SARS und MERS im Fokus standen, stellten unter anderem dar, dass die Viren es bei Raumtemperatur auf Oberflächen bis zu neun Tage aushalten. Der Durchschnitt lag hier bei vier bis fünf Tagen. Die Partikel bleiben somit noch lange Zeit infektiös.

Die größten Gefahrenzonen

Besonders in Krankenhäusern sind daher Türgriffe, Treppengeländer, Nachttische, Bettrahmen, Fenstergriffe und andere Gegenstände in der Nähe der Patienten gefährlich, denn diese bestehen meist aus Kunststoff oder Metall, sodass die Viren dort äußerst lange überleben können. ^Darüber hinaus sind sie in den meisten Fällen glatt, was eine Übertragung weiterhin erleichtert. Durch poröse Flächen wie Haare, Geld oder Stoff können die Viren weniger leicht weitergegeben werden. Nichtsdestotrotz geht Geld durch besonders viele Hände, sodass es stets mit Vorsicht betrachtet werden sollte. Gerade jetzt sollte man sich nach jedem Kontakt mit Bargeld gründlich die Hände waschen.
Ein spezieller Risikogegenstand ist das Smartphone. Dank seinem glatten Glasdisplay und Aluminiumgehäuse ist es ein idealer Überträger für Viren. Graham zufolge sollte das Handy deshalb unbedingt desinfiziert werden, besonders da viele Menschen ihr Smartphone heutzutage immer und überall dabeihaben und ständig anfassen.

Das Paradies für Coronaviren

Niedrige Temperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit sorgen dagegen dafür, dass die Viren besonders lange aktiv bleiben. Das neue Coronavirus konnte sich bei einer Umgebungstemperatur von 20 Grad Celsius stolze zwei Tage auf Stahl, vier Tage auf Glas und Holz, sowie fünf Tage auf Plastik, Metall und Keramik halten. Aluminium ließ die Viren hingegen nach zwei bis acht Stunden absterben. Auch auf Latex konnten die Coronaviren nicht länger als acht Stunden überleben. Ab 30 Grad Celsius reduzierte sich die Lebensdauer von SARS auf Stahloberflächen um mehr als die Hälfte, da Coronaviren Virushüllen aufweisen. Dabei handelt es sich um Fettschichten, die die Viruspartikel schützen, wenn sie sich in der Luft von einem Menschen zum nächsten bewegen. Diese Hüllen können allerdings austrocknen, sodass die Viruspartikel absterben. Kühlere Temperaturen machen die Virenhüllen hingegen robuster. Aus diesem Grund sind eine höhere Luftfeuchtigkeit, moderate Umgebungstemperatur, wenig Wind und eine feste, glatte Oberfläche der paradiesische Idealfall für die Viruspartikel und es ist klar, wieso Virenerkrankungen der Atemwege vermehrt saisonabhängig auftreten.
 
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So geht Oberflächendesinfektion richtig

Die Studienautoren fanden zudem heraus, dass Coronaviren beim Menschen innerhalb von einer Minute inaktiv gemacht werden könnten, wenn sie mit einer Lösung aus Ethanolalkohol, Wasserstoffperoxid oder Natriumhypochlorit durchgespült werden. Die Forscher gehen davon aus, dass dies auch bei Covid-19 zutrifft. Derartige Oberflächendesinfektionsmittel können Graham zufolge Viren sogar bereits innerhalb von 15 Sekunden abtöten. Um die auf der Verpackung angegebene Mortalitätsrate erzielen zu können, muss man vorher meist allerdings fünf bis sechs Minuten warten. Dies ist jedoch nur dann von Bedeutung, wenn die Oberfläche an einem Ort gereinigt wird, an dem sich ein Infizierter aufhält. In solch einer Situation ist es essenziell den potenziell infektiösen Anteil der Viruspartikel unter ein Level zu bringen, das eine Krankheit auslösen kann. Die meisten frei verkäuflichen Desinfektionsmittel werben mit einer Mortalitätsrate von 99,9 Prozent, doch laut der Epidemiologin ist ein alkoholbasiertes Desinfektionsmittel für die Hände nicht ideal für die Oberflächendesinfektion, da der Alkoholanteil bei diesen oft nicht hoch genug ist, um wirklich 99,9 Prozent der Viren unschädlich zu machen. Die Mittel für die Hände sollen den infektiösen Anteil der Viruspartikel auf den Händen verringern, ohne der Haut jegliche Fette und Feuchtigkeit zu entziehen und sie so auszutrocknen. Für die Oberflächendesinfektion sind deshalb Alternativen besser geeignet, beispielsweise Bleichmittel. Darüber hinaus ist es trotz Oberflächendesinfektion zu jedem Zeitpunkt wichtig sich stets gründlich die Hände zu waschen und es zu vermeiden sich in das Gesicht zu fassen, um das Risiko einer Infektion zu reduzieren.

Fazit

Die aktuelle Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass 32 Prozent der aktiven Viruspartikel auf Oberflächen auf die Hände gelangen können, wenn ein Kontakt von der Dauer von fünf Sekunden vorausgeht. Da es auf diese Weise somit schnell zu einer Infektion kommen kann, sollte man sich stets die Hände waschen, ehe man Lebensmittel berührt oder sich selbst beispielsweise beim Schminken oder auch dem Baby beim Abputzen ins Gesicht fasst. Auf den Händen sind Coronaviren schließlich kein Problem – erst, wenn sie zum Mund, zu den Augen oder zur Nase gelangen.

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