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Aus A mach 0: Wie kanadische Forschende mehr Lungentransplantationen ermöglichen wollen

von Katya Müller Posted on 25.02.2022 05:3521.02.2022 13:45

In Deutschland und weltweit sind Spenderorgane knapp. 9100 Menschen warten allein hierzulande auf eine Transplantation, 300 davon auf eine neue Lunge. Doch selbst wenn es ein Organ gibt, kommt es oft für eine Transplantation nicht infrage: Nur etwa 40 bis 50 Prozent der potenziellen Spenderlungen können transplantiert werden. Das kann an einer Erkrankung liegen – oder an der Blutgruppe.

Antigene entfernen

Forschende des kanadischen Toronto General Hospital Research Institute wollen mehr Lungen für Transplantationen verfügbar machen. Die Idee der WissenschaftlerInnen: Da die Blutgruppe 0 von allen anderen Blutgruppen akzeptiert wird, braucht es davon mehr Spenderlungen. Daher entwickelten sie eine Behandlung mit Enzymen, die die Blutgruppen der Organe von A zu 0 umwandelt. Dafür schlossen sie acht Lungen, die für eine Transplantation ungeeignet waren, an eine Ex-vivo-Lungenperfusion (EVLP) an. Dieses Gerät versorgt die Organe außerhalb des Körpers (ex-vivo) mit Flüssigkeit. In die zirkulierende Flüssigkeit gaben die Forschenden zwei Enzyme, die fast alle Antigene der Blutgruppe A von den Lungenzellen entfernten. Ohne diese Antigene werden die Zellen von anderen Blutgruppen nicht als fremd angesehen; sie haben dann die Blutgruppe 0 und sind mit allen anderen kompatibel.

Abstoßung verhindern

Doch nicht nur die Antigene auf den Lungenzellen spielen bei Transplantationen eine Rolle. Auch die im Empfängerblut enthaltenen Antikörper können Probleme bereiten. Die Blutgruppe 0 hat zwar keine Antigene und ist somit mit allen anderen kompatibel. Allerdings hat sie selbst auch Antikörper gegen alle anderen Blutgruppen und kann daher nur Spenden der eigenen Blutgruppe empfangen. Spenderorgane der Blutgruppen A oder B, die sehr häufig vorkommen, würden sofort zerstört werden. Personen der Blutgruppe 0 warten daher meist länger auf ein Spenderorgan, was das Risiko, in der Wartezeit zu sterben, um 20 Prozent erhöht. Gerade für diese Personengruppe, die in Deutschland etwa 41 Prozent der Bevölkerung ausmachen (35% Rhesus positiv, 6% Rhesus negativ), könnte das Verfahren der kanadischen WissenschaftlerInnen die Chancen auf ein Spenderorgan deutlich verbessern.

Ein Erfolg – aber wie lange?

Die Studie, die im Fachmagazin „Science Translational Medicine“ veröffentlicht wurde, ist ein großer Erfolg im Bereich der Transplantationsmedizin. Offen bleibt aber noch die Frage, ob die Umwandlung der Blutgruppe von Dauer ist. Denn die Antigene sind zwar entfernt, die Enzyme, die die Antigene bilden, existieren jedoch weiterhin im Gewebe. Doch selbst wenn die Enzyme neue Antigene bilden, muss das nicht unbedingt gesundheitliche Konsequenzen haben, zeigen andere Organtransplantationen: So können Nieren, wenn bestimmte Vorkehrungen getroffen sind, auch transplantiert werden, wenn die Blutgruppen von Empfänger und Spender nicht kompatibel sind. Obwohl sich dabei Antikörper gegen das Spenderorgan bilden, kommt es nicht zu einer Abstoßung.

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