Depression: Nicht immer der Griff zu Medikamenten nötig


Wenn es um Depressionen geht, denken viele, statt an eine wirksame Therapie, an Antidepressiva. Sie werden vom Arzt verschrieben, wirken aber nur, solange man sie nimmt und Nebenwirkungen können ebenfalls auftreten. Die Folge ist, dass man schnell einen Rückfall erleiden kann.

Nun haben Forscher herausgefunden, dass es auch eine natürliche Methode gibt, um depressive Tiefs zu überwinden. Laut einer Studie der University of Oxford kann Meditation Betroffene vor einem Rückfall bewahren. „Personen mit einer Vorgeschichte von wiederkehrenden Depressionen haben ein hohes Risiko von wiederholten depressiven Rückfällen“, erklären Forscher im Fachmagazin, „The Lancet“ .

Um diese wiederkehrenden Depressionen zu vermeiden, behandeln die meisten Ärzte ihre Patienten zwei Jahre lang mit Antidepressiva. Die britische Gesundheitsbehörde NICE empfiehlt, dass Menschen mit depressiven Rückfällen mindestens zwei Jahre lang Antidepressiva nehmen sollen. Auch die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft rät zu einer medikamentösen Therapie.

Um was für eine Studie handelt es sich?

An der Studie nahmen 424 erwachsene Patienten teil, die schon mehrere Depressionen durchlebt haben. Zwei Jahre lang wurden 212 Probanden, also die Hälfte, mit Hilfe der MBCT („Achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie“ – „Mindfulness-Based Cognitive Therapy“) therapiert und die andere Hälfte mit Antidepressiva. Laut den Forschern erleiden 50 bis 80 Prozent der Betroffenen ohne einer präventiven Behandlung einen Rückfall (vier von fünf Betroffenen).

„Wenn die Faktoren, die Menschen anfällig für Rückfälle oder das Wiederauftreten depressiver Symptome machen, abgeschwächt werden können, könnte der wiederkehrende Verlauf der Depression möglicherweise durchbrochen werden“, erklären die Wissenschaftler. MBCT basiert auf der Kombination von zwei Therapieansätzen. Zum einen auf Achtsamkeitstechniken, die den Patienten darin helfen, sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren.

Auf der anderen Seite basiert diese Methode auf der kognitiven Verhaltenstherapie (CBT), die darauf fokussiert ist, jenen Betroffenen zu helfen, die bereits mehrere Depressionen durchlebt haben. Das Ziel dieser Therapiekombination ist, dass man dem Patienten aufzeigt, dass negative Gedanken und Gefühle jederzeit wiederkehren können, aber man sich davon lösen kann. Man soll seine Gefühle wahrnehmen, verstehen und akzeptieren.

Dadurch verhindere man ein erneutes Auftreten von depressiven Verstimmungen. Die Probanden wurden dabei unterstützt ihre negativen Gemütszustände zu akzeptieren und lernten mit ihnen umzugehen, statt in einer Depression zu versinken. Die Teilnehmer nahmen an acht Gruppensitzungen teil und mussten zudem jeden Tag Übungen zu Hause machen. Während dieser Zeit wurden die Versuchsteilnehmer auch regelmäßig befragt, um ihre Gefühlssituation zu ermitteln.

Mindfulness-Based Cognitive Therapy (MBCT) besser geeignet als Medikamente?

Ziel der Studie war es herauszufinden, ob die sogenannte „Achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie“ (Mindfulness-Based Cognitive Therapy) den schon bekannten Antidepressiva überlegen ist. Das Team rund um Dr. Willem Kuyken von der Oxford-Universität ist überzeugt, dass die MBCT gleiche Erfolge erzielen kann, wie mit einer medikamentösen Therapie, nur mit dem Unterschied, dass es bei der MBCT keine körperlichen Nebenwirkungen gibt.

Viele Betroffene suchen schon lange nach einer Alternative. Vielleicht könnte die MBCT eine präventive Lösung sein. „Wir fanden keine Hinweise, dass MBCT der Behandlung mit Antidepressiva bei der Prävention von depressiven Rückfällen überlegen ist“, schreiben die Forscher. Jedoch seien beide Behandlungen mit „dauerhaft positiven Ergebnissen in Bezug auf Rückfälle, Rezidive, depressive Symptome und die Lebensqualität verbunden“, so das Forscherteam weiter.

Somit ist es eine gleichwertige Alternative, um vor Rückfällen zu schützen. Der Studie nach lag die Rückfallrate der Patienten, die an der MBCT teilnahmen, bei 44 Prozent. Die Patienten, die medikamentös therapiert wurden, fielen zu 47 Prozent in alte Muster zurück. Der Psychologe Roger Mulder von der Otago-Universität im neuseeländischen Christchurch erklärte, dass man somit eine wirksame Alternative gefunden hat, die frei von Nebenwirkungen ist.

Mit der Einnahme von Antidepressiva können Nebenwirkungen einhergehen, die sich in Schlaflosigkeit und Verstopfungen äußern können. „Wir haben eine vielversprechende neue Behandlungsmethode, die relativ günstig ist und bei einem großen Teil der Menschen mit Depressionsrisiko angewandt werden kann“, schrieb Mulder in einem von der Studie unabhängigen Kommentar.

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