Können die richtige Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel das Herz wirklich schützen?

Kardiovaskuläre Erkrankungen führen weltweit die Liste der Todesursachen an. Eine frustrierende Tatsache, führt man sich vor Augen, dass entsprechende Vorfälle wie Herzinfarkte und Schlaganfälle oftmals durch konstant niedrige Blutdruck- und Cholesterinwerte verhindert werden können. Experten zufolge reicht diese Art der Vorsorge allein allerdings nicht aus.

Viele Faktoren beeinflussen das Herz

Ein hoher Cholesterinspiegel zählt zu den gefährlichsten Risikofaktoren, wenn es um Herzkrankheiten geht. Er kann mittlerweile zwar gut mit Medikamenten oder einer Ernährungsumstellung therapiert werden, die Herzgesundheit wird allerdings von vielen Faktoren beeinflusst. Die gute Nachricht: Allesamt können durch die richtige Ernährung gesteuert werden. Dies berichtete kürzlich die „Forschung Frankfurt“. Das Wissenschaftsmagazin wird von der Präsidentin der Goethe-Universität in Frankfurt a. M. herausgegeben. In einer Mitteilung der Universität wurden neue Erkenntnisse bezüglich der Fischöl-Fettsäuren-Forschung, sowie der Effekte der Ernährungsweise auf die Herzgesundheit veröffentlicht.

Zusammenhang zwischen Mundwasser und Bluthochdruck aufgedeckt

Experten zufolge kann antibakterielles Mundwasser Bluthochdruck hervorraufen, da es nicht nur schlechte Bakterien, sondern auch die Mundflora zerstört. Zu diesem Ergebnis kam ein Forschungsteam der University of Texas und des Baylor College of Medicine in Houston. Die Forschungsarbeit wurde in dem Fachblatt „Frontiers in Cellular and Infection Microbiology“ vorgestellt.
Wie aus der Mitteilung der Frankfurter Universität entnommen werden kann, stellen Bakterien im Speichel Enzyme her, welche Nitrat aus der Nahrung zu Nitrit umwandeln, sodass der Körper es zu Stickoxid weiterverarbeiten kann. Laut Experten spielt Stickoxid eine essenzielle Rolle bei der Gesundheit der Endothelzellen, die sich an den Innenwänden der Gefäße befinden. Erreichen den Körper vermehrt Nitrate durch die Nahrung, zum Beispiel durch Rote-Beete-Saft, so könnte dies bei gewissen Personengruppen den Blutdruck senken. Einigen Studien zufolge führt nichtorganisches Nitrat und Rote-Beete-Saft zu einer erheblichen Verringerung des systolischen Blutdrucks. Dies sollte jedoch erst anhand weiterer Forschungsarbeiten überprüft werden.

„Gute“ Bakterien werden abgetötet

Mundwasser ist jedoch noch weiterhin ein Übeltäter: Es kann den blutdrucksenkenden Effekt von körperlicher Aktivität einschränken. Dies kam bei einer Untersuchung der University of Plymouth und dem Center of Genomic Regulation in Barcelona ans Licht. Die Forschungsarbeit erschien in dem Fachjournal „Free Radical Biology and Medicine“. Die Wissenschaftler machte für dieses Ergebnis ebenfalls die Tatsache verantwortlich, dass Mundspülungen nützliche Bakterien abtöten.
Eine andere, bislang vernachlässigte Verbindung ist Schwefelwasserstoff (H2S). Die Synthese von diesem wird im Körper anhand einiger Enzyme gesteuert, wovon Cystathionin-Lyase (CSE) das wichtigste im Herz-Kreislauf-System ist. Menschen mit schadhaften und nicht einwandfrei funktionierenden Endothelzellen weisen eine niedrigere CSE-Aktivität auf. Möglicherweise liegt dies an Gefäßentzündungen. Aktuell werden für eine Therapie bereits H2S-Spender entwickelt.
Helfen Supplemente mit Fischöl?
Einige Studienergebnisse hatten zunächst dargelegt, dass eine Ernährungsform mit viel Omega 3 durch Fischöl Herzkrankheiten und Diabetes vorbeugt. Neuere klinische Untersuchungen konnten allerdings keinen nennenswerten Vorteil durch Nahrungsergänzungsmittel mit Fischöl feststellen. Dies ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass keine ideale Konzentration jeder einzelnen Omega-3-Fettsäure bestimmt wurde, bzw. das optimale Verhältnis zwischen Omega 3- und Omega 6-Fettsäuren.
Die Qualität der auf dem Markt verfügbaren rezeptfrei erhältlichen Supplemente schwankt allerdings stark. Eine Auswertung der beliebtesten Fischöl-Nahrungsergänzungsmittel in den USA zeigte beispielsweise einen hohen Gehalt an anderen Fettsäuren. Darüber hinaus können Fischöle eine Kombination aus den Omega 3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) enthalten, wobei der Schutzeffekt nur bei EPA festgestellt wurde.
 
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Bedeutsamer Energielieferant für das Herz

Experten zufolge ist es aktuell schwierig zu sagen, wie genau es zu dem entzündungshemmenden Effekt von Fischöl kommt. Bislang ist nur klar, dass EPA und DHA leicht in Gewebe und Zellen integriert werden und auf diese Weise die Membraneigenschaften, die Weitergabe von Signalen, sowie die Genexpression verändern. Daneben entwickelt sich aus EPA das entzündungshemmende Resolvin E1, welches den Körper nachweislich dabei unterstützt Entzündungen abzubauen.
Fettsäuren sind außerdem eine bedeutsame Energiequelle für das Herz, denn aus diesen wird über 75 Prozent seiner benötigten Energie gewonnen. Glukose spendet nur zehn bis 20 Prozent der Energie. Einige wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass bei Menschen mit Herzfehlern oftmals mehr Energie aus Glukose gewonnen wird als aus Fettsäuren. Das Herz bekommt auf diese Weise zwar immer noch ausreichend Energie, kann seine volle Funktionsfähigkeit allerdings nicht aufrechterhalten. Warum das so ist, ist noch nicht geklärt.

Verzicht auf Fleisch schützt die Gefäße

Am Ende betont die Goethe-Universität noch, dass auch die Darmflora eine Rolle bei der Entstehung von kardiovaskulären Erkrankungen und Stoffwechselstörungen innehat. Auf Grund dessen fördert eine Ernährung mit viel rotem Fleisch die Entwicklung von Atherosklerose, da dieses viel L-Carnitin enthält, das von Darm-Mikrobiota in Trimethylaminoxid (TMAO) umgewandelt wird. Dieses begünstigt Atherosklerose. Eine vegetarische oder vegane Ernährungsform schützt die Gefäße wiederum. Eine gesunde Darmflora bewahrt demnach ein gesundes Herz.

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