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Jahrhundertchemikalien PFAS: Jeder Haushalt ist gefährdet

von Laura Pfundner Posted on 03.03.2023 05:1628.02.2023 17:05

Wie praktisch es doch ist bei Schlechtwetter eine wasserabweisende Regenjacke zu tragen oder mit einer Pfanne zu kochen, an der nichts anklebt. Eine Vielzahl an Alltagsgegenständen, die über derartige nützliche Eigenschaften verfügen, tun das aufgrund von bestimmten chemischen Substanzen. Die Rede ist von sogenannten PFAS, einer Stoffgruppe, die womöglich fatale Auswirkungen auf den Menschen mit sich bringt.

Allgegenwärtig und unzerstörbar

Als PFAS (“P-Fas” gesprochen) wird eine Gruppe chemischer Verbindungen bezeichnet, zu der mehr als 10.000 verschiedene per- und polyfluorierte Alkylverbindungen zählen. Sie werden industriell hergestellt und wegen ihrer wasser-, öl- und schmutzabweisenden Eigenschaften und ihrer Widerstandsfähigkeit gern in verschiedensten Produkten eingesetzt. Dazu gehören Kochutensilien, Kleidung, Kosmetika, technische Geräte sowie die Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien und ihre Nutzung in der Automobil- und Elektroindustrie sowie im Maschinen- und Anlagenbau. Sie wurden bereits an jedem erdenklichen Ort der Erde nachgewiesen, sei es der Südpol, Regenwasser oder sogar im Blut von Kindern – und das in bedenklichen Mengen.

Bisher kaum reguliert

In Deutschland werden PFAS bis heute kaum reguliert. Weder existieren Vorschriften für ihre Entsorgung im Wasser, dem Boden oder der Luft, noch gibt es Grenzwerte für die Konzentrationen in Grund- und Trinkwasser. In einer großangelegten Recherche des NDR, WDR und der SZ konnte die deutschlandweite Verschmutzung durch PFAS auf einer interaktiven Karte dargestellt werden. Das Ergebnis: PFAS konnten bereits an mehr als 1.500 Orten in Deutschland nachgewiesen werden.

Geld über Gesundheit

Es ist schwierig die Gefahr, die von der PFAS-Gruppe ausgeht, genau einzuschätzen. Einzelne Stoffe wurden bereits toxikologisch bewertet und als risikoreich eingestuft. Es sei aber aufgrund der Vielzahl der verschiedenen Substanzen unmöglich jeden einzelnen davon zu untersuchen. Deshalb fordern Umweltorganisationen und fünf EU-Mitgliedstaaten als Sicherheitsmaßnahme ein Verbot. Dagegen kämpfen jedoch mehr als 100 Industrieorganisationen an, darunter auch der deutsche Pharmakonzern Bayer, weil sie ihr milliardenschweres Geschäft als bedroht sehen.

Weitreichende gesundheitliche Folgen

Was die PFAS besonders risikoreich macht? Sie sind äußerst langlebig und werden kaum durch Umweltfaktoren wie Bakterien, Licht oder Wasser abgebaut. Das führt zu ihrer Anreicherung in Böden und im Grundwasser, wodurch sie von Menschen über Lebensmittel aufgenommen werden können. Forscher gehen davon aus, dass eine langfristige PFAS-Exposition zu erhöhten Insulin- und Cholesterinwerten, zu einer verminderten Immunantwort auf Impfungen und zu einem vermehrten Risiko für Nieren- und Hodenkrebs führen könnte. Ebenso könnten sie Auswirkungen auf die Entwicklung ungeborener sowie geborener Kinder haben, da sie auch in die Muttermilch übergehen. In manchen Studien wird auch über toxische Effekte auf die Schilddrüse berichtet.
 
Man kann sie also nicht sehen, riechen oder schmecken – gelangen sie jedoch einmal in unsere Umwelt, werden PFAS für sehr lange Zeit bestehen bleiben. Die tatsächlichen Auswirkungen ihrer Nutzung können wahrscheinlich erst in einigen Jahren oder Jahrzehnten festgestellt werden.

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