Zivilisationskrankheiten durch zerstörte Darmflora


Unterschiedliche Ernährung führt zu unterschiedlichen Erkrankungen. Forscher vermuten, dass der westliche Lebensstil schädlich für die Darmflora ist. Dass diese unsere Gesundheit beeinflusst, ist nichts Neues, aber fehlen bestimmte Mikroben, kommt es zu Zivilisationskrankheiten.

Die Darmflora spielt eine wichtige Rolle für das Wohlbefinden und die Gesundheit des Menschen. Das haben mehrere Studien in den vergangenen Jahren gezeigt. Nun haben Biologen begonnen Bakterien zu vergleichen, die wir Menschen in unseren Bäuchen haben. Dabei wurden verschiedene Bevölkerungsgruppen der Welt miteinander verglichen.

Man will so die Ursachen für, zum Beispiel chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Diabetes, Fettleibigkeit oder Allergien, finden. Es wurde festgestellt, dass die westliche Lebensweise die Vielfalt der Mikroorganismen im Darmtrakt verringert und somit die westliche Bevölkerung weniger Bakterien im Bauch hat.

Größte mikrobiologische Darmvielfalt

Zwei Studien kommen unabhängig voneinander zu demselben Ergebnis. Die übertriebene Hygiene der westlichen Welt zerstört die Darmflora und fördert so Krankheiten. Eine Studie, geleitet von Andrew Greenhill von der Federation University Australia und Jens Walter von der kanadischen University of Alberta, beschäftigte sich mit 40 Menschen aus zwei Gruppen auf Papua-Neuguinea.

Dabei kam heraus, dass die Asaro und die Sausi 47 Mikroben in der Darmflora besitzen, die bei US-Studenten nicht nachgewiesen werden konnten. Die beiden Völker leben im Inneren der Republik Papua-Neuguinea und ernähren sich von den Erträgen der Landwirtschaft. Einen Zugang zu einer zentralen Wasser- oder Stromversorgung haben sie nicht. Die Studenten haben lediglich vier exklusive Bakterienstämme im Darm gehabt.

Die zweite Studie, welches unter der Leitung von Jose Clemente von der Icahn School of Medicine in New York steht, untersuchte die Darmflora der Yanomami-Indianer. Das am venezolanisch-brasilianischen Grenzgebiet lebende Volk hat erst seit 2009 Kontakt zur westlichen Zivilisation. Diese Gruppe hatte ebenfalls weit mehr Bakterien im Darm und auf der Haut als die westlichen Menschen und andere isolierte Gruppen und somit die größte bisher nachgewiesene mikrobiologische Darmvielfalt.

Mitautorin Gloria Dominguez-Bello, ebenfalls von der School of Medicine, erklärte, dass diese Studie den Zusammenhang von mikrobieller Vielfalt und der Anfälligkeit der westlichen Länder für Immun- und Stoffwechselkrankheiten – Allergien, Asthma, Diabetes liefert. „Die Herausforderung besteht darin, herauszufinden, was die wichtigen Bakterien sind, deren Funktion wir benötigen, um gesund zu sein“ , so Dominguez-Bello.

Die beiden Forscherteams befürchten, dass die westliche Welt nützliche Mikroben ausrotten könnten, die für die Darmflora wichtig wären. „Unsere Arbeit unterstreicht den Wert der vertieften Beschreibung von Mikroben bei Menschen, die in angestammten Lebensweisen leben, vor allem, wenn Praktiken in Industriegesellschaften potenziell nützliche Mikroben und ihre kodierten Funktionen ausrotten könnten”, erklärt das Forscherteam.

Mehr Körperkontakt bedeutet mehr Bakterien

Laut den Biologen sei es nicht nur die unterschiedliche Ernährung der analysierten Gruppen, sondern auch die Lebensweise, die diese unterschiedlichen Ergebnisse lieferte. Auf Neuguinea können sich die Darmbakterien besser verbreiten, da der Kontakt untereinander viel enger ist und sie in einer Gegend leben, die nicht keimfrei ist.

„Die Ergebnisse legen nahe, dass die Lebenspraxis, die Verbreitung von Bakterien reduziert – vor allem durch Hygiene und Trinkwasseraufbereitung –, ein wichtiger Grund für die Unterschiede im Mikrobiom ist“, erklärte Jens Walter.

Helfende Bakterien gegen Allergien

Eine Studie, unter der Leitung von Cathryn Nagler von der Universität Chicago, aus dem Jahr 2014 belegte, dass bestimmte Bakterien auch gegen Lebensmittelallergien helfen können. Untersuchungen an Mäusen zeigten, dass die Mikroorganismen der Klasse Clostridia den Übergang von Allergie-auslösenden Stoffen vom Darm ins Blut hemmen.

 

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