Forscher aus Leipzig bieten jetzt Therapie gegen Trauer per E-Mail an


Trauer kann jeden Menschen in irgendeiner Form einmal treffen. Wer dann nicht in sein Leben zurückfindet, kann sich an vielen Stellen Hilfe holen. Forscher aus Leipzig wollen erforschen, ob das auch per E-Mail funktioniert.

Psychotherapie per E-Mail für Trauernde ist ein neues Forschungsprojekt an der deutschen Universität der Stadt Leipzig. Konkret geht es um Menschen, die Angehörige durch Selbsttötung verloren haben.

Schreibaufgaben müssen bewältigt von den Patienten werden

Die aktuelle Studie ist auf mindestens zwei Jahre angelegt und wird von der Roland-Ernst-Stiftung unterstützt. Sie soll im Frühjahr des kommenden Jahres beginnen. „Wir gehen davon aus, in dieser Zeit etwa 60 Patienten behandeln zu können“, erklärt die Direktorin der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Professor Anette Kersting in einem aktuellen Interview.

Binnen von wenigen Wochen werden den Patienten ganz bestimmte Schreibaufgaben gestellt. Diese E-Mails gelangen auf eine geschützte Internetplattform. Psychotherapeuten beantworten die E- Mails und geben natürlich auch Unterstützung. Im Vorfeld gibt es eine umfangreiche Diagnostik.

Menschen kommen auf ganz unterschiedlichsten Wegen

Trauernde, die selbstmordgefährdet sind, Depressionen haben oder suchtkrank sind, kommen nicht für diese spezielle Art der Therapie in Frage, heißt es in dem aktuellen Interview weiter. Erfahrungen mit internetgestützter Therapie haben die deutschen Wissenschaftler bereits gesammelt – ungefähr bei der Hilfe für Frauen, die ihr Kind während der Schwangerschaft verloren haben.

Die Menschen kämen auf ganz unterschiedlichen Wegen, erklärt die Wissenschaftlerin in dem aktuellen Interview weiter. Viele würden von anderen Ärzten geschickt. Andere seien auf die Internettherapieprojekte aufmerksam geworden und hätten den Kontakt aufgenommen, so die Ärztin weiter.

Besondere Angebote für Patienten schaffen

In einer epidemiologischen Untersuchung zeigte die Forscher, dass durchschnittlich 6,7 Prozent der deutschen Bevölkerung, die einen Verlust erlebt haben, eine pathologische Trauer entwickeln. Wenn der Betroffene nach einem halben Jahr weiterhin im Trauerprozess gefangen sei, sich intensiv nach dem Verstorbenen sehne, sein Leben als sinn- und bedeutungslos empfinde und nicht in das aktuelle Leben zurückfinde, sei eine Therapie zur Trauerbewältigung nötig, erklärt die Wissenschaftlerin.

Solche Personen brauchen laut der Wissenschaftlerin besondere Angebote. Das sei in Untersuchung beobachtet worden. „Antidepressiva wirken bei Trauernden nicht, wenn sie nicht zusätzlich unter einer Depression leiden“, so Kersting zum Abschluss des Interviews.

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